In innerbetrieblichen Sitzungen und Besprechungen ist die Atmosphäre familiärer als in Deutschland. Eine deutscher Abteilungsleiter formulierte es so: "Während man sich in Deutschland gleich auf die Sache stürzt, muss man in Tschechien zunächst ein wenig das Umfeld gestalten, Atmosphäre schaffen, die Leute auch privat zu Wort kommen lassen. Erst dann findet sich so langsam der Weg in Richtung des Themas."
Deutsche fühlen sich sicher, wenn sie einen Plan haben, an den sie sich halten und bei dem sie durch regelmäßige Rückmeldung den Stand überprüfen können. Tschechen wird nachgesagt, Arbeitssituationen zu schätzen, in denen sie Freiräume haben und improvisieren können. Regelmäßige Rückfragen des deutschen Partners können auch als mangelndes Vertrauen ausgelegt werden. Unverfänglicher ist es, über ein Telefonat, in dem über anderes geredet wird, das Thema in einem Nebensatz auch auf den Plan oder den Stand der Dinge zu lenken. "Natürlich ist immer ein gewisses Maß an Steuerung notwendig, aber dieses Maß ist in Tschechien von vornherein kleiner" - so beschreibt ein deutscher Geschäftsmann den Unterschied der Managementstile.
Einfühlungsvermögen und ein gutes Arbeitsklima zahlen sich aus, vor allem da qualifizierte Arbeitskräfte rar sind, schon wegen geringer Summen abwandern und finanzielle Druckmittel somit nicht zur Verfügung stehen. Während Sympathie für den Vorgesetzten tschechische Mitarbeiter zu Höchstleistungen antreiben kann, sind bei einem als schlecht empfundenen Arbeitsklima Kündigungen nicht selten. Tschechische Mitarbeiter verhandeln nicht lange, beschweren sich nur selten und feilschen meist auch nicht um ihre Finanzinteressen, da sie erwarten, dass der Arbeitgeber gute Leistung bemerkt und honoriert. Angesichts des anders gearteten Arbeitsmarktes in Deutschland sind deutsche Geschäftsführer immer wieder überrascht, wie schnell und "unerwartet" ihnen in Tschechien Kündigungen auf den Tisch gelegt werden.
In der Zusammenarbeit mit Deutschen scheinen viele Tschechen zudem so etwas wie sportlichen Ehrgeiz zu entwickeln: Deutsche Ingenieurs- und Wirtschaftsleistungen sind nicht selten der Orientierungswert, der erreicht werden soll, allerdings ohne dabei zum Deutschen zu werden. Deshalb bereitet es offenbar besonderes Vergnügen, etwas auf eigene, tschechische Art zu schaffen. Zugleich scheint aber nicht zuletzt die kommunistische Herrschaft dazu beigetragen zu haben, dass deutsche Geschäfts- oder Abteilungsleiter tschechische Mitarbeiter häufig als hierarchieabhängig und verantwortungsscheu empfinden.
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