Die Tschechische Republik besteht geschichtlich und rechtlich betrachtet aus drei Landesteilen: Böhmen, Mähren und einem Teil Schlesiens. Zusammen werden sie auch als Böhmische Länder bezeichnet, wobei auf tschechisch Cechy für Tschechien und für Böhmen stehen kann, Morava für Mähren. Das heutige Gebiet (knapp 79 000 qkm) bestand im Mittelalter in Form eines Staatenbundes. Prag wurde Ende des 9. Jahrhunderts gegründet und war bereits unter dem böhmischen Adelsgeschlecht der Premysliden Zentrum. Später sind die Tschechen in ihrer Geschichte lange in fremde Einflussbereiche eingebunden gewesen - ab 1526 fast 400 Jahre als Teil der österreichischen Monarchie, 1939 bis 1945 als Protektorat Böhmen und Mähren unter Nazideutschland, von 1948 bis 1989 als Bestandteil des Ostblocks. Eine kurze Ausnahme der Selbstbestimmung war die erste Tschechoslowakische Republik (1918 bis 1938) zuerst unter dem Präsidenten und Philosophen Tomas Garrigue Masaryk und ab 1935 unter Edvard Benes.
Das über Jahrhunderte währende Erleben von Fremdbestimmung bis hin zur Bedrohung der eigenen Identität prägte Verhalten und Mentalitäten. Um als kleine Nation kulturell zu überleben, mussten die Bewohner sich als anpassungsfähig, findig, zugleich innerlich unabhängig erweisen und geradezu eine Resistenz gegen Obrigkeiten und Strukturen entwickeln. "Die Abwertung von Strukturen war seit dem 16. Jahrhundert eine psychologische Überlebensnotwendigkeit, wollte man nicht seine Existenz als eigenes Volk aufgeben und völlig assimiliert werden", sagt Ivan Novy, Professor für Unternehmenspsychologie der Hochschule für Ökonomie (VSE) in Prag und ein bekannter Experte für deutsch-tschechische interkulturelle Kommunikation. Dem Gefühl, organisiert zu werden, folge nicht selten der Reflex, mit Improvisation dagegenzuhalten, eigene Lösungen zu finden, um seine innere Würde zu bewahren. Tschechische Verhandlungspartner ebenso wie Mitarbeiter schätzten Freiräume, weil sie das Gefühl von Freiheit und Souveränität bräuchten.
Bei allen Einschränkungen, die Verallgemeinerungen anhaften, hat die vergleichende Kulturwissenschaft weitere tschechische Kulturstandards herausgefiltert, die sich auch auf die Geschäfts- und Arbeitsbeziehungen auswirken. Dazu zählen ein personenbezogener Umgang, die Tendenz, Konflikte zu vermeiden, eine indirekte Art der Kommunikation sowie eine stärkere Überschneidung von privaten und beruflichen Lebensbereichen. Entsprechend positiv bewertet werden Improvisationsvermögen, Flexibilität, Bescheidenheit, Höflichkeit, Menschlichkeit, Geselligkeit und Humor. Regional gesehen gelten die Mähren als optimistischer, lebhafter, emotionaler als die eher zurückhaltenden Böhmen. Auch ist der christliche Glaube dort stärker verwurzelt als in Böhmen, wo viele Menschen Atheisten sind.
Ihre Geschicke haben die Tschechen erst seit der Samtenen Revolution 1989 wieder selbst in die Hand nehmen können. Sie entschieden sich ungeachtet der Härten und Risiken des Übergangs für Demokratie, Marktwirtschaft und die Europäische Union. Nach über fünf Jahrzehnten totalitärer Bremse schaltete das Land in den Aufholgang. Es öffnete sich weit und erstaunlich pragmatisch für westliches Kapital.
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