Allein in der Industrie arbeiten mittlerweile rund 2000 ausländisch kontrollierte Betriebe (mit 20 und mehr Mitarbeitern). Sie beschäftigen 480 000 Menschen, erzielen circa 60 Prozent der Gesamterlöse und drei Viertel ihrer Exportumsätze. Sie brachten und bringen nicht nur neueste Technologien ins Land, sondern auch ihre jeweilige Unternehmenskultur, wodurch sie tschechische Mitarbeiter prägen. Dazu zählen flachere Hierarchien, Feedback-Mechanismen, Motivation zur Eigenverantwortung und Just-in-time-Denken.
Geprägt durch die kommunistische Vergangenheit finden sich vor allem in staatlichen oder früheren staatlichen Großbetrieben noch fast paternalistische Hierarchieebenen und Mentalitäten. Viele kleine und mittelständische Firmen wiederum sind erst nach der Wende entstanden. Es handelt sich um zum Teil sehr erfolgreiche Unternehmen der ersten Generation, die noch keine lange Geschäftserfahrung besitzen und bei denen meist der Besitzer die Entscheidungen trifft. Ein weiterer, wichtiger Aspekt der jüngsten Wirtschaftsentwicklung: Der Zustrom der Investoren und die gute Konjunktur verschärfen den Wettbewerb um Arbeitskräfte.
Besonders entwickelten sich die Beziehungen Tschechiens zu Deutschland. Zwei grundlegende bilaterale Dokumente ebneten den Weg über die Abgründe der jüngeren Geschichte hinweg: der Vertrag über gute Nachbarschaft von 1992 und die Deutsch-Tschechische Erklärung von 1997. In Letztgenannter übernehmen beide Staaten ihren Teil der Verantwortung für die Vergangenheit: Deutschland für die historische Entwicklung vom Münchner Abkommen 1938 über die Zerschlagung und Besetzung der Tschechoslowakei und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft; Tschechien für die Vertreibung und zwangsweise Aussiedlung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Beide Länder verpflichteten sich, ihre Beziehungen nicht mit aus der Vergangenheit herrührenden politischen und rechtlichen Fragen zu belasten.
Es mag manchen Deutschen befremden, dass die Dekrete von Präsident Benes, die als Reaktion auf die Okkupation zur gewaltsamen und straffreien Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei führten, in der Bevölkerung und der offiziellen Politik nicht umstritten sind. Wer in Tschechien Geschäfte machen will, sollte sich über die nationale Sichtweise im Klaren sein, falls das Thema einmal aufkommen sollte.
Generell sind die deutsch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen zukunftsorientiert und von den Kapiteln der Vergangenheit nicht betroffen. Deutsche Unternehmen sind die wichtigsten Handelspartner und Investoren. Die Zahl der Firmen mit deutschem Hintergrund wird von der Kapital-Informationsagentur Cekia - vom Selbstständigen bis zum Großunternehmen - auf fast 11 000 geschätzt. Mit dem EU-Beitritt Tschechiens hat sich die Zusammenarbeit noch intensiviert. Es gibt viele Anknüpfungspunkte. Wirtschaftlich ist ein wichtiger die lange Industrie- und Maschinenbautradition, die beide Länder teilen. Hinzu kommt, dass die gemeinsamen Wirtschafts- und Geschäftsbeziehungen als Gewinnsituation für beide Seiten erlebt werden und es außerordentlich gelungene Investitionsbeispiele gibt. So das des Volkswagenkonzerns bei Skoda Auto, der über den Kauf und die Weiterentwicklung der tschechischen Automarke Skoda auch das nationale Identifikationspotenzial beibehielt.
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