Fast immer lädt das ungarische Unternehmen zum ersten Treffen zu sich ein. Sehr verbreitet ist dabei, nach den Verhandlungen, die Gespräche in einem Restaurant fortzusetzen - am "weißen Tisch", wie die Ungarn sagen. Das ist der Atmosphäre sehr zuträglich, erfordert aber Zeit. Diese sollte der Geschäftsreisende mitbringen und seine weiteren Termine entsprechend planen.
Was die Pünktlichkeit angeht, sind die ansonsten polychronen Ungarn pedantisch. Bei allen geschäftlichen Treffen und dem Besuch von Behörden ist sie ein Muss. Auf Verspätungen reagieren Ungarn empfindlich. Für sie zeigt sich darin eine Geringschätzung ihrer Person bzw. der Organisation, was die folgenden Gespräche belasten kann. Der in Budapest üblicherweise dichte Verkehr allein reicht als Erklärung für eine Verspätung nicht aus. Um auf jeden Fall pünktlich zu sein, ist es besser, fünf bis zehn Minuten vor der Zeit einzutreffen.
Die Begrüßungsrituale, die Art, wie Visitenkarten ausgetauscht werden etc. unterscheiden sich nicht wesentlich von dem in Deutschland Üblichen. Alles ist aber eher am formelleren Ende angesiedelt. Beim üblichen Händeschütteln ist eine Regel, dass die Dame dem Herrn zuerst die Hand reicht. Das machen aber nur noch wenige Ungarinnen, so dass es oft vorkommt, dass sich zwar Männer untereinander mit Handschlag begrüßen, nicht aber Frauen.
Beim Lesen von Visitenkarten ist eine ungarische Besonderheit zu beachten: Der Nachname steht vor dem Vornamen. Das ändern die Ungarn auf ihren internationalen Karten in die auch in Deutschland übliche Reihenfolge ab. Die Verwirrung perfekt macht die Tatsache, dass ein Familienname auch in Ungarn oft aus einem Vornamen besteht. Selbst unter Ungarn (auch beim E-Mail-Verkehr) ist sehr verbreitet, zunächst einmal herauszufinden, wie die korrekte Ansprache ist. Ausländer können mit dieser Frage das Gespräch beginnen und gleichzeitig zeigen, dass sie diese Eigenheit schon kennen. Die formelle Ansprache mit "Sie" und Nachnamen ist bei Begegnungen mit Deutschen üblich. Unter sich gehen Ungarn sehr schnell zum Vornamen über. Frauen werden in Ungarn generell schon bei der ersten oder zweiten Begegnung mit ihrem Vornamen und oft auch mit "Du" angeredet. Die höfliche Anrede mit dem Nachnamen und dem nachgestellten "Asszony" wird als altmodisch empfundenen und vermieden. Akademische Titel werden wie in Deutschland dem Namen vorgestellt.
Ungarn erwarten von deutschen Geschäftspartnern gutes Informationsmaterial - besseres als sie vielleicht selbst bereitstellen können. Anschauungsmaterial ist sehr wichtig. Beschreibungen in Deutsch und Englisch reichen dabei zunächst aus. Das Interesse an Informationen ist grundsätzlich groß. Power Point Präsentationen würden aber in kleineren Gesprächsrunden als zu unpersönlich angesehen, Imagefilme eher mit Skepsis betrachtet.
Deutsche Geschäftsleute, die einen sachbezogenen und direkten Verhandlungs- und Gesprächsstil gewohnt sind, stoßen in Ungarn auf das genaue Gegenteil: Beziehungsorientierung und ein sogenanntes "high context"-Verhalten herrschen hier vor. Ungarn fühlen sich von deutscher Gradlinigkeit leicht überrumpelt. Sie empfinden das bei Deutschen beobachtete Beharren auf eigenen Methoden und Vorgehensweisen als besserwisserisch oder lehnen es als "kalt", das heißt zu wenig einfühlsam, ab. Eine persönliche, freundschaftliche Beziehung zum Geschäftspartner ist von extrem wichtiger Bedeutung. Auch wenn Ausländern die für Ungarn typischen Netzwerke nicht offen stehen, können sie über gute Geschäftsfreunde dennoch ein wenig daran teilhaben.
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