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Bausparen bei Wüstenrot: „Das ist Kundenverrat“

exklusivDer Bausparanbieter Wüstenrot hat nach Informationen des Handelsblattes in den vergangenen fünf Jahren massenhaft hochverzinste Bausparverträge vorzeitig aufgelöst. Wie der Konzern dem Handelsblatt auf Anfrage bestätigte, wurden insgesamt 728.000 Verträge aufgelöst, bei denen den Kunden Zinsen von 3,5 Prozent und mehr zustanden.

Zentrale der Wüstenrot in Ludwigsburg: Die Bausparkasse hat Kunden in niedriger verzinste Verträge gelockt. Quelle: dpa
Zentrale der Wüstenrot in Ludwigsburg: Die Bausparkasse hat Kunden in niedriger verzinste Verträge gelockt. Quelle: dpa

StuttgartBei einer vorzeitigen Auflösung verfallen die sogenannten Bonuszinsen – nach Vertreterangaben bis zu 1000 Euro pro Vertrag und mehr. Wüstenrot wollte die genaue Höhe der insgesamt verfallenen Bonusguthaben „aus Wettbewerbsgründen“ nicht nennen.

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Aktionen zur Auflösung hochverzinster Bausparverträge laufen jedes Jahr. Die aktuelle Kampagne lautet „Kämpfe um Gold“. Interne Vertriebsunterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, zeigen dabei hohe Anreize für den Vertrieb der Bausparkasse.

So können Vertreter pro Vertrag einen ansehnlichen Euro-Betrag verdienen, wenn sie einen hochverzinsten Vertrag auflösen und das Guthaben daraus in andere Anlageformen überführen. In den Unterlagen ist dazu eine strahlende Vertreterin abgebildet, die einen Fächer aus Geldscheinen hält. Darunter der Text: „Kunden beraten zahlt sich aus!“

So funktioniert Bausparen

  • Ansparphase (1)

    Bausparer sammeln zunächst ihr Guthaben an. Bei Verträgen, die für eine spätere Finanzierung gedacht sind, ist die Verzinsung nicht so wichtig und auch häufig schlechter als bei den besten Banksparplänen. Die Sparphase läuft mindestens so lange, bis der Kunde das Mindestguthaben erreicht hat.

  • Ansparphase (2)

    Die Höhe der Ansparrate wird tariflich über die Regelsparrate ausgewiesen, die aber keine Verpflichtung sondern stellt nur eine Empfehlung darstellt. Der Bausparer kann das Mindestguthaben in einem Betrag einzahlen, einen freien Betrag regelmäßig oder unregelmäßig einzahlen oder auch beliebig lange Zeit seine Einzahlung ganz aussetzen.

  • Zuteilung (1)

    Wenn der Bausparer das vereinbarte Mindestguthaben angespart, die abhängige Bewertungszahl erreicht und die Mindestwartezeiten eingehalten hat, ist der Vertrag zuteilungsreif. Dann kann der Kunde die Bausparsumme (Sparguthaben plus Bauspardarlehen) für die Finanzierung nutzen.

  • Zuteilung (2)

    Damit der Kunde sein Bauspardarlehen auch erhält, müssen allerdings einige Bedingungen erfüllt sein: Der Darlehensbetrag muss innerhalb von 80 Prozent des Beleihungswertes - etwa 72 Prozent des Kaufpreises - abgesichert werden und die Bonität des Bausparers muss ausreichend sein.

  • Darlehensphase (1)

    Der Kunde zahlt für den Kredit einen bei Vertragsschluss bereits vereinbarten Zinssatz. Die monatliche Rückzahlung des Darlehens wird auch Tilgungsrate genannt und fast immer in Promille der Bausparsumme aus gewiesen. Es ist schon bei Vertragsabschluss daher auf eine angemessene Ratenhöhe zu achten.

  • Darlehensphase (2)

    Wer sein Darlehen vorzeitig zurückzahlen möchte, muss dafür keine Vorfälligkeitsentschädigung entrichten. Das gilt sowohl für teilweise wie auch komplette Rückzahlungen.

Ein Sprecher von Wüstenrot sagte, die genaue Zahl der aufgelösten Verträge, die auf die Vertriebsaktionen zurückzuführen sei, sei unbekannt. Nach Informationen des Handelsblattes weigerten und weigern sich einzelne Vertreter jedoch aus Gewissensgründen, an der Aktion teilzunehmen. „Wenn ich mache, was Wüstenrot von mir verlangt, kann ich meinen Kunden nie wieder in die Augen sehen“, sagt ein langjähriger Wüstenrotvertreter. Er nannte die Aktion „Kundenverrat“.

In den internen Unterlagen dagegen wird die Aktion als existenziell bezeichnet. Bei der „Optimierung des Bausparbestandes“ gehe es um die „Sicherung der Liquidität im Konzern.“ Wüstenrot leidet wie alle Bausparkassen unter der anhaltenden Niedrigzinsphase.

Der Konzern kann Zinsen von 3,5 Prozent schon lang nicht mehr erwirtschaften. Obwohl Wüstenrot schon mehr als 700.000 hochverzinste Bausparverträge vorzeitig aufgelöst hat, verbleiben immer noch rund 950.000 von ihnen im Bestand.

  • 11.06.2013, 12:22 Uhrgegenprovisionen

    Anders dagegen der Handwerker:
    Selbst wenn dieser einen für ihn unwirtschaftlichen Kunden aufgrund eines Vertrages weiter befriedigen muss, so hat dieses nichts mit seiner eigentlichen Leistung zu tun. D.h. mit der Hauptleistungspflicht des Schuldvertrages. Bei Ihm habe ich immer noch die Möglichkeit seine Arbeit zu kontrollieren und einen entsprechenden Standart zu erwarten. Außerdem sind seine Produkte zumeist nicht Existenz bedrohend.

    Das Versicherungsunternehmen will sich gerade auf diese Produkte spezialisieren. ( siehe Berufsunfähigkeitsversicherung und Krankenversicherung )
    Hier hätten wir schon einmal eine klare Abstufung der Wichtigkeit der Verträge.
    Außerdem muss ich bei dem Finanzunternehmen dem Vermittler vertrauen. Die Produkte sind kompliziert und deswegen auch allgemein anerkannt schutzbedürftig. Wenn der Vermittler mir ein schlechteres Produkt verkauft, so schädigt er mein Vermögen. Genau an diesem Punkt finde ich die Rechtssprechung im Vergleich zu den Gewährleistungen bei einer Garantie von einem Gebrauchtwagenhändler absolut unzureichend. Das die Gesetzgebung noch nicht einmal einen gewissen Bildungsstandart von dem Vermittler verlangt, ist absolut nicht zu begreifen ( siehe Fleischereifachverkäuferin ).
    Jedoch ist der Vermittler hier gezwungen den Unternehmen zu folgen, da er nicht für die Beratungsleistung sondern für den Verkauf des Produktes Provisionen bekommt.
    Diese Provision wird auch bei einer Minderwertigen Beratung und sogar bei einer Falschberatung von dem Unternehmen bezahlt. Hier haftet das Unternehmen Wüstenrot zwar im Außenverhältnis zum Kunden. Nimmt jedoch bei dem Vermittler Regress.
    Viele dieser Vermittler haben jedoch keine Vermögensschadenhaftpflicht

  • 11.06.2013, 12:20 Uhrgegenprovisionen

    Anders dagegen der Handwerker:
    Selbst wenn dieser einen für ihn unwirtschaftlichen Kunden aufgrund eines Vertrages weiter befriedigen muss, so hat dieses nichts mit seiner eigentlichen Leistung zu tun. D.h. mit der Hauptleistungspflicht des Schuldvertrages. Bei Ihm habe ich immer noch die Möglichkeit seine Arbeit zu kontrollieren und einen entsprechenden Standart zu erwarten. Außerdem sind seine Produkte zumeist nicht Existenz bedrohend.

    Das Versicherungsunternehmen will sich gerade auf diese Produkte spezialisieren. ( siehe Berufsunfähigkeitsversicherung und Krankenversicherung )
    Hier hätten wir schon einmal eine klare Abstufung der Wichtigkeit der Verträge.
    Außerdem muss ich bei dem Finanzunternehmen dem Vermittler vertrauen. Die Produkte sind kompliziert und deswegen auch allgemein anerkannt schutzbedürftig. Wenn der Vermittler mir ein schlechteres Produkt verkauft, so schädigt er mein Vermögen. Genau an diesem Punkt finde ich die Rechtssprechung im Vergleich zu den Gewährleistungen bei einer Garantie von einem Gebrauchtwagenhändler absolut unzureichend. Das die Gesetzgebung noch nicht einmal einen gewissen Bildungsstandart von dem Vermittler verlangt, ist absolut nicht zu begreifen ( siehe Fleischereifachverkäuferin ).
    Jedoch ist der Vermittler hier gezwungen den Unternehmen zu folgen, da er nicht für die Beratungsleistung sondern für den Verkauf des Produktes Provisionen bekommt.
    Diese Provision wird auch bei einer Minderwertigen Beratung und sogar bei einer Falschberatung von dem Unternehmen bezahlt. Hier haftet das Unternehmen Wüstenrot zwar im Außenverhältnis zum Kunden. Nimmt jedoch bei dem Vermittler Regress.
    Viele dieser Vermittler haben jedoch keine Vermögensschadenhaftpflicht

  • 11.06.2013, 12:19 Uhrgegenprovisionen

    Selbst die Rechtssprechung hat dieses Erkannt und schützt den Verbraucher leider nicht genügend durch etliche Spezialgesetze (Versicherungsvertragsgesetz/EU Vermittlerrichtlinie/Wertpapierhandelsgesetz/Bankengesetz etc.) Der Vorsorgespezialist soll bei der Firma Wüstenrot gelebt werden.

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