Versicherungen

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Finanzaufseherin Hahn: Versicherer sollen Ratings nicht vertrauen

Die Finanzaufsicht Bafin lockert die Anlageregeln für Versicherer. Das hat die Bafin-Aufseherin Gabriele Hahn erklärt und gleichzeitig die Ratingagenturen kritisiert.

Bafin-Standort in Bonn. Quelle: dpa
Bafin-Standort in Bonn. Quelle: dpa

„Niemand kann einfach mehr blindlings auf die Ratingagenturen vertrauen“, sagte Gabriele Hahn, seit Februar oberste Versicherungsaufseherin, der „Financial Times Deutschland“. Stärker als in der Vergangenheit müssten sich die Versicherer in der Kapitalanlage eine eigene Meinung bilden.

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Die Aufseherin stellt damit die bisher geltenden, teilweise sehr rigiden Regeln für die Anlage von Kundengeldern infrage. Die deutschen Unternehmen haben mehr als 1300 Milliarden Euro investiert. Viele Milliarden Euro stecken dabei in Staatsanleihen der Krisenländer Portugal, Italien, Irland Griechenland und Spanien (Piigs). Bisher müssen die Versicherer bei einer deutlichen Verschlechterung des Ratings solche Papiere verkaufen oder umbuchen. Für griechische Staatsanleihen gilt jedoch bereits eine Ausnahme bis 2013.

Solche Ausnahmen begründet die Versicherungsaufseherin mit der langfristigen Investitionspolitik der Branche. Die Bafin berücksichtige dabei die Reaktion der Politik zur Minimierung von Risiken. Die politische Entwicklung werde von den Ratingagenturen möglicherweise aber „sehr pointiert gesehen“, kritisierte sie deren Urteile in der aktuellen Schuldenkrise und begründete so, warum Ratings weniger wichtig würden. Allerdings bekämen die Versicherer keine pauschale Befreiung für den Umgang mit Staatsanleihen der Krisenstaaten.

Die Bafin hatte zuletzt nach dem ersten Quartal 25 Versicherungsgruppen und sechs Einzelunternehmen nach ihren Staatsanleihen in Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien (Piigs) befragt. Damit deckte die Bafin mehr als vier Fünftel des Marktes ab.„Das Engagement liegt je nach Staat in einer Bandbreite von rund 0,3 bis drei Prozent der gesamten Kapitalanlagen“, lautete das Ergebnis, wie eine Bafin-Sprecherin auf Anfrage erklärte. Ein absolutes Niveau für das Engagement in Staatsanleihen nannte sie nicht.

Einer anderen Bafin-Umfrage aus dem Oktober 2010 zufolge haben die rund 100 deutschen Lebensversicherer etwa 65 Milliarden Euro in den Piigs-Staaten investiert. Bei dieser Summe handelt es sich aber nur zum Teil um Staatsanleihen, enthalten sind auch Firmenbonds oder Beteiligungen.

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