Versicherungen

_

Gier frisst Hirn: Mit Versicherungen Millionär werden

exklusivMit dem Strukturvertrieb MEG häufte Mehmet Göker Millionenschulden auf. Doch mit Versicherungen will der schillernde Verkäufer auch künftig Geld verdienen – wieder am Telefon, aber nicht in Kassel, sondern in der Türkei.

Fernsehstar: Das Leben von Skandalvertreter Mehmet Göker wurde verfilmt.  Bild: Sternfilm
Fernsehstar: Das Leben von Skandalvertreter Mehmet Göker wurde verfilmt. Bild: Sternfilm

Einer der umstrittensten und erfolgreichsten Versicherungsverkäufer Deutschlands startet seit dieser Woche wieder durch. In seinen besten Zeiten arbeitete Mehmet Göker mit den Versicherern Allianz, Axa und Central zusammen. Dann folgte die Millionenpleite seines Strukturvertriebs, der MEG. In Deutschland laufen noch Prozesse gegen ihn, daher agiert Mehmet E. Göker nun von der Türkei aus. Seine Verkäufer rekrutiert er dabei auch über Facebook. 

Anzeige

Auf der Pinnwand seiner persönlichen Facebook-Seite war seit dem 14. Januar dieser Eintrag mit seiner persönlichen Handy-Nummer zu lesen: „Meine Damen und Herren, am 23. Januar beginnt unsere Rookie-Runde, zwei Plätze für zwei außergewöhnliche Vertriebler sind noch frei.“ Rookie ist englisch und bedeutet Neuling, Anfänger oder Frischling. Im Profisport wird damit ein unerfahrener Sportler bezeichnet. 

Gökers Welt: Provisionen und Versicherer

  • Versicherer zahlten Provisions-Vorschüsse in Millionenhöhe

    Der Finanzvertrieb MEG und dessen Ex-Chef Mehmet Göker gelten als Paradebeispiel dafür, wie Finanzunternehmen über Provisionen Anreize für Verkäufer setzen. Im Insolvenzbericht der MEG heißt es: „Anfang des Jahres 2009 hatten vier Versicherungsgesellschaften Provisionsvorschüsse gezahlt, die im Jahr 2009 und teilweise auch noch in 2010 abgearbeitet werden sollten.“ Insgesamt waren das 19,5 Millionen Euro. „Etwa zur Jahresmitte valutierten diese Vorschüsse noch in Höhe von 11,28 Millionen Euro und waren im Übrigen tatsächlich durch entstandene Provisionsansprüche abgearbeitet. Es wurden dann weitere Vorschüsse gezahlt unter teilweiser Verrechnung der noch nicht abgearbeiteten Vorschüsse.“

  • Versicherer forderten mehr als 20 Millionen Euro zurück

    Insgesamt ergaben sich aus Vorschüssen 15,7 Millionen Euro an Forderungen der Versicherer an MEG. Diese Forderungen der Versicherungsgesellschaften erhöhten sich jedoch noch erheblich, weil viele der bereits verrechneten Provisionsansprüche der MEG storniert werden mussten. Überschlägig ist jedoch davon auszugehen, dass weitere ca. 15 Millionen Euro aus Stornierungen von den Versicherungsgesellschaften geltend gemacht werden können. Ingesamt schätzt der Insolvenzverwalter die Forderungen der Versicherer aus gezahlten Vorschüssen (ohne Axa) auf 21 Millionen Euro.

  • Allianz

    Die Allianz ist der drittgrößte private Krankenversicherer.

    Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 2 Millionen Euro

    Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen: 1,7 Millionen Euro

  • Axa

    Die Tochter des französischen Versicherers ist der viertgrößte private Krankenversicherer

    Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 10 Millionen Euro

    Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen: 7 Millionen Euro

    AXA ist in einer Stundungsvereinbarung vom 28.09.2009 mit allen ihren zum damaligen Zeitpunkt bestehenden Forderungen zur Vermeidung einer Überschuldung der MEG hinter alle anderen Forderungen von Gläubigern im Rang zurückgetreten ist. Ihre Forderung: 11 Millionen Euro.

     

  • Central

    Der fünftgrößte deutsche Krankenversicherer ist eine Tochter der Generali Deutschland. Die Gesellschaft arbeitet bevorzugt mit dem größten deutschen Finanzvertrieb zusammen, der DVAG.

    Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 8 Millionen Euro

    Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen: 4 Millionen Euro

     

  • Sparkassenversicherer

    Consal arbeitete mit MEG. Die Gesellschaft gehört zu den Sparkassenversicherern. Die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG und die Union Krankenkasse AG sind Teil der Versicherungskammer Bayern und bilden zusammen den siebtgrößten privaten Krankenversicherer. Sie sind unter dem Dach der Consal Beteiligungsgesellschaft AG vereint. 

    Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss:  3,5 Millionen Euro

    Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen:  1,5 Millionen Euro

     

  • Inter

    Inter ist die Nummer 16 im Markt der privaten Krankenversicherer.

    Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 1,5 Millionen Euro

    Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen:  1,5 Millionen Euro

     

  • Hallesche

    Der zehngrößte Krankenversicherer gehört zum Konzern Alte Leipziger und wird immer wieder genannt. Der Filmemacher Klaus Stern etwa hatte eine Liste mit 120 Gesprächspartnern, die er nach und nach abarbeitete. Nur die Versicherungskonzerne wie Axa oder Hallesche wollten sich nicht äußern. „Die waren zu keinem Interview vor der Kamera bereit“, sagte er HNA Online zufolge. Die 5. Zivilkammer des Kasseler Landgerichts urteilte im September 2011, dass das Ex-MEG-Vorstandsmitglied Patrick Drönner nichts von zuvor kassierten Provisionen zurückzahlen muss. Die Hallesche Versicherung will laut HNA Online von dem ehemaligen MEG-Vorstand insgesamt 1,5 Millionen Euro an gezahlten Bonifikationen und Provisionvorschüssen zurückhaben.

  • Aragon

    Die Vertriebsgesellschaft Aragon AG hat nach Übernahme der Aktien der MEG dieser ein Darlehen ausgereicht in Höhe von 6,5 Millionen Euro und sich zur Besicherung dieses Darlehens den Datenbestand der MEG abtreten lassen.

„Mehmet E. Göker ist wieder da“, stellt auch der Kasseler Filmemacher Klaus Stern auf seiner Internetseite fest. Stern hat den Film „Versicherungsvertreter“ über die erstaunliche Karriere von Göker gedreht. Dieser residiere derzeit an der türkischen Ägäisküste mit über 50 Mitstreitern. Die neue Firma aber sei nicht seine, beteuere er. Die „Göker Consulting Group“ gehöre seiner Mutter, er selbst sei dort nur Angestellter. 

Auf eine Anfrage des Handelsblatts zu seinen neuen Aktivitäten reagierte Göker indessen nicht. Unter Versicherungsmanagern gelten Göker und seine MEG inzwischen als Paradebeispiel für ein Verkaufssystem, das nicht nur teuer war, sondern auch Kunden klar benachteiligt. Die Manager haben daraus gelernt: "Wir müssen Exzesse bei den Vertriebskosten verhindern", forderte Torsten Oletzky, Vorstandschef der Ergo Versicherungsgruppe im Handelsblatt. 

Vorsicht Falle Die fiesesten Tricks der Abzocker

  • Vorsicht Falle: Die fiesesten Tricks der Abzocker
  • Vorsicht Falle: Die fiesesten Tricks der Abzocker
  • Vorsicht Falle: Die fiesesten Tricks der Abzocker
  • Vorsicht Falle: Die fiesesten Tricks der Abzocker

Göker sieht dennoch weiter Chancen. Er braucht wieder Leute, die ihr bisheriges Leben hinter sich lassen und vor allem einen Wunsch haben: schnell reich zu werden. "Vier Jahre braucht ein Verkäufer, um an meiner Seite Millionär zu werden", ist einer der Sprüche, durch die er bekannt wurde. Es macht nichts, wenn seine Leute von der jeweiligen Materie wenig Ahnung haben. Hauptsache, sie finden Mittel und Wege, ihre Versicherung an den jeweiligen Kunden zu verkaufen. Göker greift dabei auf das Prinzip zurück, durch das er auch mit der MEG in Kassel groß geworden ist: Telefonverkauf von privaten Krankenversicherungen. 

Der Vorteil: Mit dem Telefon kann er von überall her agieren. „Ein Jahr aus der Türkei arbeiten – leben und bei 30 Grad im Schnitt am Meer das Leben genießen und das mit ausreichend finanziellen Mitteln“, lockt er seine neuen Vertriebler.

  • 25.01.2012, 18:01 Uhrder_Mahner

    Nicht nur Göker gehört hier eingesperrt. Die Vertriebsvorstände, von den im Artikel erwähnten Gesellschaften, welche diesem "feinen Herrn" man munkelt bis zu 16 Monatsbeiträge incl. Incentives und Bonusprämien 18 MB bezahlt haben, sollten von den Kunden wegen Veruntreuung von Kundengelder angezeigt werden. Letztlich trifft es dann wieder den fairen Vermittler. Ich möchte mal einen Bundestagsabgeordneten hören welcher 5 Jahre warten muss bis er sein Abgeordnetengehalt sicher verdient hat. Da sind viele der MdB' schon wieder abgewählt und das Geschrei wäre durch ganz Deutschland zu hören.
    Noch eine kleine Anmerkung: Liebe Kunden, bezahlt eure Berater für die eigentliche Beratung und nicht für das Produkt. Dann sind solche Auswüchse schnell vorbei. aber Geiz ist ja bekanntlich Geil

  • 25.01.2012, 16:16 Uhromontono

    +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

  • 25.01.2012, 16:10 UhrGoekerundCoKG

    Der Millardär des Unternhemns DVAG hat die Mannen von der Central übernommen, die dem Göker den Vorschuß gegegeben haben. Jetzt passiert das bei dem G. nicht mehr.

    Dafür die vielen Gökers die es da bei dem Unternehmen noch gibt.

    Wetten?

    Spreche aus tiefgreifender Erfahrung und betrügerischen Absichten. Auch bei dem Unternehmen die sich als Nr. 1 gerne präsentieren. Arme Central und deren Kunden!

  • Die aktuellen Top-Themen
Computerbranche: HP druckt blasse Quartalszahlen

HP druckt blasse Quartalszahlen

Für den Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) lief das vergangene Quartal nicht so berauschend: Umsatz und Gewinn schrumpften. Doch das Unternehmen hat bereits mit Maßnahmen begonnen, die das Ruder herumreißen sollen.

WhatsApp und Hakengate: Internetdienst verärgert Kunden mit zu viel Transparenz

Internetdienst verärgert Kunden mit zu viel Transparenz

Wenn das Gegenüber nachvollziehen kann, wann jemand eine Social-Media-Nachricht gelesen hat, baut das Druck auf. Das gilt auch für WhatsApps blaue „Gelesen“-Haken. Und der Dienst gibt noch viel mehr Informationen preis.

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläumsfestivitäten – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer