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Krankenkassen: Wohin mit den Kunden der City-BKK?

Die Pleite der City BKK stellt den Solidargedanken des Kassensystems auf die Probe. Viele Krankenkassen sträuben sich gegen die vornehmlich älteren Kunden - denn auch die anderen Kassen kämpfen ums Überleben.

Die City BKK hatte vor allem ältere Versicherte. Quelle: dpa
Die City BKK hatte vor allem ältere Versicherte. Quelle: dpa

Berlin/FrankfurtKlaus Peter Krohn ist immer noch empört, wenn er die Probleme seines Vaters schildert, der eine neue Krankenkasse brauchte. Denn von der alten, der City BKK, bekommt der 83-Jährige am 12. Mai Post. Was er da liest, kann er nicht glauben. Die City BKK macht am 1. Juli dicht. Aufgeregt ruft er seinen Sohn an. Der will eine neue Kasse suchen.

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Klaus Peter Krohn ruft also bei der Barmer GEK an, bei der er selbst versichert ist, der mit 8,6 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse im Lande. Was folgt, erleben auch viele andere City-BKK-Kunden in diesen Tagen. Die angesprochene Kasse mauert, obwohl sie verpflichtet ist, jeden Kunden anzunehmen. Ein Sachbearbeiter verweist an den nächsten, Telefonschleifen ohne Ende, und dann der plumpe Abwimmelversuch, es doch bei einer anderen Kasse zu versuchen.

Es herrscht große Verunsicherung. Viele Krankenkassen weisen Kunden der City BKK ab. Vor allem in Berlin und Hamburg, weil dort die meisten der knapp 170 000 Versicherten der City BKK leben. Vor Filialen der Barmer GEK und der AOK in Berlin bilden sich lange Schlangen. Das Bundesversicherungsamt in Bonn schaltet sich ein und droht den Kassenmanagern unverhohlen mit Konsequenzen, falls sie Kunden abwimmeln. Auch Politiker in Berlin knöpfen sich die Kassen vor.

Der neue Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) stellt den Kassen ein Ultimatum bis Ende der Woche. "Ich erwarte konkrete Lösungen." Sonst drohen Konsequenzen. Auf einem Krisengipfel reagierten gestern die Vertreter von 18 Kassen: Mehr Beratung, längere Öffnungszeiten sowie schnellere Antworten am Telefon und per Mail versprachen sie.

Schließlich ist die Rechtslage klar: In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) darf jeder zur Krankenkasse seiner Wahl, ohne wenn und aber. Das ist ein grundlegender Unterschied zur privaten Krankenversicherung (PKV).

Die Abwehrhaltung der Kassen hat durchaus handfeste Gründe: Das Geld ist überall knapp, die Angst vor der nächsten Pleite aber riesig. Jede Krankenkasse kämpft für sich ums Überleben. Viele Sachbearbeiter bringt das in Gewissenskonflikte. Der Solidargedanke steckt tief in ihnen drin, doch sie wollen auch ihrem eigenen Unternehmen nicht schaden. Genau dies könnte passieren, wenn zu viele Versicherte der City BKK zu einer Kasse wechseln.

Als Ursache allen Übels gilt für viele Akteure der 2009 eingeführte Gesundheitsfonds. Rund 170 Milliarden Euro verteilt diese gigantische Geldsammelstelle im Jahr an die gut 150 Krankenkassen in Deutschland. Das läuft nach Regeln ab, die gesetzlich fixiert sind. Wer besonders viele kranke Versicherte hat, bekommt etwas mehr, andere etwas weniger.

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