
Düsseldorf/MünchenDie deutschen Lebensversicherer stehen unter Druck. Anhaltend niedrige Zinsen machen der Branche zu schaffen. Vielen Kunden garantieren die Versicherer bei Altverträgen aber bis zu vier Prozent Zinsen. Geld, was die Konzerne mit Anlagen derzeit nur äußerst schwer erwirtschaften können. Bei Neukunden beträgt die Mindestverzinsung auf den angelegten Teil des Beitrags dagegen nur noch 1,75 Prozent.
Der Druck auf die Institute ist so hoch, dass sich sogar die Bundesregierung sorgt. In einem Papier des Bundesfinanzministeriums, das dem Handelsblatt vorliegt, wird eine Schieflage von Lebensversicherern nicht ausgeschlossen. Europas größter Versicherer jedoch reagiert entspannt auf die Diskussion.
Seit dem dem 1. Januar 2012 liegt der Garantiezins nur noch bei 1,75 Prozent. Das ist ein Rekordtief. Bis Ende des vergangenen Jahres lag der Satz noch bei 2,25 Prozent. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent, ab 2007 bei 2,25 Prozent.
Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.
Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Real liegt der Garantiezins ab dem nächsten Jahr je nach Kostenquote der Versicherer zwischen 1,2 bis 1,4 Prozent. Damit dürfte die garantierte Summe in Zukunft unterhalb der Inflationsrate liegen. Versicherte müssen daher auf die Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.
Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für 2012 und 2013 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung, darunter Branchengrößen wie Allianz. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung. Die Renditen variieren je nach Laufzeit, unter dem Strich können Kunden in der Regel nicht einmal vier Prozent per Anno rechnen.
Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. Bei Direktversicherern gehen gut sieben bis acht Prozent der Beiträge dafür drauf, bei vertriebstarken Gesellschaften 12 bis 15 Prozent. Die teuersten Gesellschaften verlangen sogar bis zu 18 Prozent. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.
Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.
Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) wollte die Absenkung unter die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent verhindern. Lebenpolicen werden unter Renditegesichtspunkten in Zukunft noch weniger attraktiv. Die Branche fürchtet vor allem Probleme beim Vertrieb. Kurzfristig dürfte die Zahl der die Abschlüsse aber steigen. Die Vermittler dürften die baldige Absenkung als Verkaufsargument nutzen und hoffen auf eine Sonderkonjunktur für vor allem in den letzten Monaten des Jahres.
Eher nicht. Ratingagenturen wie Assekurata oder Morgen & Morgen rechnen nicht mit einer weiteren Absenkung. In den nächsten Jahren könnte der Garantiezins bei steigenden Zinsen sogar tendenziell wieder steigen - aber nur, wenn auch die Zinsen am Kapitalmarkt wieder steigen.
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil sein. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.
Auch für Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten.
Ebenfalls Problematisch: Bei einer Verrentung ist die von den Versicherern angenommene Lebenserwartung enorm hoch – und die monatliche Rente deshalb niedrig. Eine zwanzig Jahre alte Frau soll laut Sterbetafel aktuell im Schnitt hundert Jahre alt werden.
Die Allianz hält es aber für „wichtig, dass man in der Öffentlichkeit über das Thema spricht“, sagte Finanzvorstand Oliver Bäte bei der Vorlage des Quartalsberichts am Freitag in München. Denn mit Niedrigzinsen zahlten die Sparer die Sanierung der Staatshaushalte und Banken. „In der Lebensversicherung gibt es viele Unternehmen, die sehr solide dastehen“, beruhigte Bäte – das gelte insbesondere für die Allianz.
„Aber es gibt auch in allen Branchen Unternehmen, die nicht so gut wirtschaften“, warnte der Vorstand zugleich. Es sei sehr wichtig, dass in den Häusern die entsprechenden Maßnahmen zur Sicherung der Zinsgarantien getroffen würden, so Bäte. Die Allianz zahle aktuell eine durchschnittliche Gesamtverzinsung von 4,5 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass wir unseren Kunden auch in den nächsten Jahren attraktive Überschussbeteiligungen anbieten können“, sagte Bäte.
Die Äußerungen werden Allianz-Versicherte wahrscheinlich beruhigen. Bei Kunden anderer Lebensversicherer dürfte die Verunsicherung jedoch nicht gerade abnehmen. Doch die Allianz übernehme auch als Dienstleister die Verwaltung von Anlagegeldern kleinerer Versicherer, betonte Gäte.
Der Finanzvorstand bekräftigte trotz der Milliardenschäden des US-Hurrikans „Sandy“ die kürzlich erhöhte Gewinnprognose. Die Belastung der Allianz sei überschaubar, weil ab einer bestimmten Obergrenze Rückversicherungen die weiteren Leistungen übernehmen. „Selbst wenn wir die Obergrenze einrechnen, sind wir überzeugt, den erhöhten Ausblick zu halten“, sagte Bäte.
Die Lebens- und Krankenversicherung erreichte bei stabilem Umsatz zum dritten Mal in Folge ein Ergebnis über 800 Millionen Euro - „sehr, sehr gut“, sagte Bäte. In Deutschland sei die Nachfrage nach kurzfristigen Lebensversicherungen als Parkdepot für Gelder zurückgegangen, das Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen sei stabil.

@gregorius007
Ich würde mir wünschen, für jeden sinnlosen Artikel in den Kommentierungen von FTD,Handelblatt, WiWo & Co. €uro 3-5 zu bekommen, dann würde ich täglich wohl nur noch Stress haben, das viele Geld möglichst ertragreich und sinnvoll anzulegen.
Wenn ich mich recht erinnere entstammt das VersicherungsAufsichtsGesetz etwa um 1900 und die aktuelle Version aus den Anfängen des neuen Jahrtausend.
Es ist ein Gesetz welches die Beaufsichtigung aller Versicherungsunternehmen regelt und dem Schutze der Versichertengemeinschaft dient.
Es ist schön, dass Sie einzelne Begriffe daraus lesen und zitieren, Sie sollten aber auch Zusammenhänge erkenne und verstehen lernen, bevor Sie Weltuntergangsszenarien verbreiten.
Sollten die Mayas mit ihrer Prognose, zum Beginn der Unisextarife -die Welt untergehen zu lassen- Recht behalten und am 22.12.2012 alle Begünstigten der gesamten Versichertengemeinschaft ihre zugesagten Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen wollen, gebe ich Ihnen Recht, könnte die Assekuranz Schwierigkeiten bei ihren Auszahlungen bekommen.
Ich habe allerdings bereits jetzt um ein Vielfaches mehr Angst, dass sämtliche wissenden und unwissenden Kommentatoren bei der nächsten Bundes- wie auch Landtagswahl zur Urne gehen und dort beabsichtigen, i h r e Stimme abzugeben.
In diesem Sinne eine erfolgreiche Woche
Ihr Versicherungsmaklerbureau

schon mal was von:
VAG § 89 Zahlungsverbot; Herabsetzung von Leistungen
gehört? das ist ja auch eine nette nummer!

Wo er Recht hat, hat er Recht. Auf Druck der Assekuranz, ist diese Regelung zum 31.10.2012 in Kraft getreten. Das Kabinett hat dies im März 2012 verabschiedet. In Niedrigzinsphasen dürfen also Versicherer künftig einen "Sicherugsbedarf" abziehen ! Wer zahlt, natürlich die Vesicherten, wie immer.
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