Versicherungen

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Lebensversicherungen: Allianz hält der Branche den Spiegel vor

In der Diskussion um die unter Druck geratenen Lebensversicherer beruhigt die Allianz – allerdings nur die eigenen Kunden. Kleineren Anbietern bietet sich der Versicherungsriese als Dienstleister an.

Die Allianz beruhigt in der Diskussion um Lebensversicherungen. Quelle: Reuters
Die Allianz beruhigt in der Diskussion um Lebensversicherungen. Quelle: Reuters

Düsseldorf/MünchenDie deutschen Lebensversicherer stehen unter Druck. Anhaltend niedrige Zinsen machen der Branche zu schaffen. Vielen Kunden garantieren die Versicherer bei Altverträgen aber bis zu vier Prozent Zinsen. Geld, was die Konzerne mit Anlagen derzeit nur äußerst schwer erwirtschaften können. Bei Neukunden beträgt die Mindestverzinsung auf den angelegten Teil des Beitrags dagegen nur noch 1,75 Prozent.

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Der Druck auf die Institute ist so hoch, dass sich sogar die Bundesregierung sorgt. In einem Papier des Bundesfinanzministeriums, das dem Handelsblatt vorliegt, wird eine Schieflage von Lebensversicherern nicht ausgeschlossen. Europas größter Versicherer jedoch reagiert entspannt auf die Diskussion.

Was Lebensversicherte wissen sollten

  • Wie hoch ist der Garantiezins?

    1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden noch ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab Juli 2000). Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent, ab 2007 bei 2,25 Prozent.

  • Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

    Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

  • Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

    Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

  • Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

    Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013 und 2014 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung. Die Renditen der Vergangenheit variieren je nach Laufzeit zwischen gut drei Prozent für zwölfjährige Verträge und knapp fünf Prozent für 30jährige Policen.

  • Welche Rolle spielen die Kosten?

    Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. Bei Direktversicherern gehen gut sieben bis acht Prozent der Beiträge dafür drauf, bei vertriebstarken Gesellschaften 12 bis 15 Prozent. Die teuersten Gesellschaften verlangen sogar bis zu 18 Prozent. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

     

  • Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

    Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

  • Was hält die Branche von der Senkung?

    Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) wollte die Absenkung unter die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent verhindern. Die Policen werden unter Renditegesichtspunkten in Zukunft noch weniger attraktiv. Die Branche fürchtet vor allem Probleme beim Verkauf klassischer Policen.

  • Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

    Für das Jahr 2015 ist eine weitere Senkung des Garantiezinses im Gespräch. Entschieden ist das aber noch nicht.

  • Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

    Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

    Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Die Allianz hält es aber für „wichtig, dass man in der Öffentlichkeit über das Thema spricht“, sagte Finanzvorstand Oliver Bäte bei der Vorlage des Quartalsberichts am Freitag in München. Denn mit Niedrigzinsen zahlten die Sparer die Sanierung der Staatshaushalte und Banken. „In der Lebensversicherung gibt es viele Unternehmen, die sehr solide dastehen“, beruhigte Bäte – das gelte insbesondere für die Allianz.

„Aber es gibt auch in allen Branchen Unternehmen, die nicht so gut wirtschaften“, warnte der Vorstand zugleich. Es sei sehr wichtig, dass in den Häusern die entsprechenden Maßnahmen zur Sicherung der Zinsgarantien getroffen würden, so Bäte. Die Allianz zahle aktuell eine durchschnittliche Gesamtverzinsung von 4,5 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass wir unseren Kunden auch in den nächsten Jahren attraktive Überschussbeteiligungen anbieten können“, sagte Bäte.

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Die Äußerungen werden Allianz-Versicherte wahrscheinlich beruhigen. Bei Kunden anderer Lebensversicherer dürfte die Verunsicherung jedoch nicht gerade abnehmen. Doch die Allianz übernehme auch als Dienstleister die Verwaltung von Anlagegeldern kleinerer Versicherer, betonte Gäte.

Sparen und Vermögen

Der Finanzvorstand bekräftigte trotz der Milliardenschäden des US-Hurrikans „Sandy“ die kürzlich erhöhte Gewinnprognose. Die Belastung der Allianz sei überschaubar, weil ab einer bestimmten Obergrenze Rückversicherungen die weiteren Leistungen übernehmen. „Selbst wenn wir die Obergrenze einrechnen, sind wir überzeugt, den erhöhten Ausblick zu halten“, sagte Bäte.

Die Lebens- und Krankenversicherung erreichte bei stabilem Umsatz zum dritten Mal in Folge ein Ergebnis über 800 Millionen Euro - „sehr, sehr gut“, sagte Bäte. In Deutschland sei die Nachfrage nach kurzfristigen Lebensversicherungen als Parkdepot für Gelder zurückgegangen, das Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen sei stabil.

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