
MünchenDas Ausbleiben großer Naturkatastrophen hat den beiden deutschen Rückversicherern einen soliden Jahresstart beschert. Der weltweite Branchenführer Münchener Rück (Munich Re) schaffte im ersten Quartal beinahe einen Milliardengewinn: Der Überschuss kletterte um ein Viertel auf 979 Millionen Euro, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. "Nach diesem guten Auftakt sind wir optimistisch, unser Jahresgewinnziel von annähernd drei Milliarden Euro zu erreichen", erklärte Finanzchef Jörg Schneider.
Auch der weltweit drittgrößte Rückversicherer, die Hannover Rück, schnitt besser ab als erwartet. Der Konzern musste allerdings trotz höherer Prämieneinnahmen einen Gewinnrückgang verkraften, weil Sondereffekte des Vorjahres fehlten und zudem in einigen Sparten der Wettbewerb deutlich anzieht. Der Überschuss im Auftaktquartal schrumpfte um 15 Prozent auf 221 Millionen Euro. Im Gesamtjahr peilt Vorstandschef Ulrich Wallin weiter etwa 800 Millionen Euro an.
Der Rückversicherer Swiss Re wertet jedes Jahr aus, welche Katastrophen die höchsten Schäden verursacht haben. Dabei geht es nicht um die Gesamtsumme, sondern die von den Versicherungen abgedeckte. 2012 traf es die USA am schlimmsten – vor allem Stürme verursachten teure Schäden.
Bei dutzenden Tornados im Mittleren Westen der USA starben im April 2012 sechs Menschen. Der versicherte Schaden betrug laut Swiss Re eine Milliarde Dollar.
Im Juni wirbelten mehrere Stürme die US-Bundesstaaten Colorado, New Mexico und Texas durcheinander. Versicherter Schaden: eine Milliarde Dollar.
Keine Ruhe für New Orleans: Sieben Jahre nach dem verheerenden Sturm „Katrina“ traf „Isaac“ die Stadt am Golf von Mexiko. Ganz so schlimm waren die Folgen nicht, Swiss Re schätzt den Schaden aber trotzdem auf 1,6 Milliarden Dollar.
Im Mai 2012 erschütterte eine Serie von Erdbeben den Norden Italiens, 24 Menschen kamen ums Leben. Swiss Re beziffert den versicherten Schaden auf 1,6 Milliarden Dollar, insgesamt betrug der wirtschaftliche Verlust sogar umgerechnet 16 Milliarden Dollar.
Hagelkörner so groß wie Tennisbälle: Die Stürme, die im Mai über den Mittleren Westen der USA zogen, kosteten die Versicherer 1,7 Milliarden Dollar. Vor allem St. Louis traf es schwer. Eine Person starb.
Ein langgezogenes Sturmsystem – in den USA Derecho genannt – zog im Juni 2012 über die US-Staaten Ohio und Indiana hinweg, 28 Menschen starben. Der versicherte Schaden betrug zwei Milliarden Dollar.
Im März und April trafen mehrere schwere Stürme die USA. Der Rückversicherer Swiss Re verbuchte sie mit jeweils 2,5 Milliarden Dollar versicherter Schadenssumme.
Der Mittlere Westen der USA gilt als Brotkorb des Landes – doch im vergangenen Jahr fiel die Getreideernte wegen einer schweren Dürre äußerst mager aus. Nach Angaben von Swiss Re betrug der Schaden 11 Milliarden Dollar.
Nur „Katrina“ war schlimmer: Der Hurrikan „Sandy“ legte die Ostküste der USA lahm und richtete Schäden in Höhe von 35 Milliarden Dollar an – teurer war 2012 keine andere Katastrophe. Doch die Folgen des Sturms reichen noch weiter: Er zeigte die Amerikaner auf schmerzhafte Weise die Folgen des Klimawandels.
Damit planen beide Rückversicherer für 2013 insgesamt vorsichtig und gehen nach derzeitigem Stand davon aus, das Vorjahresniveau nicht erreichen zu können. Das liegt vor allem an den anhaltend niedrigen Zinsen, die es immer schwerer machen, mit soliden Anlagen wie Staatsanleihen ordentliche Renditen einzufahren. Viele Erst- und Rückversicherer drängen deshalb verstärkt in alternative Anlagen wie Infrastrukturprojekte und Immobilien. Entspannung an der Zinsfront ist so schnell nicht in Sicht, im Gegenteil: Erst in der vergangenen Woche hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt.
Die Münchener Rück erwartet nun, dass sie 2013 eine Rendite auf die Kapitalanlagen von rund 3,3 Prozent schaffen kann, in den ersten drei Monaten war es noch etwas mehr. Die Hannover Rück geht für das Gesamtjahr sogar von 3,4 Prozent aus.
Mehr Freude macht der Münchener Rück inzwischen die Erstversicherungstochter Ergo: Sie konnte ihr Quartalsergebnis auf 120 (Vorjahr: 97) Millionen Euro steigern. Der Erstversicherer, der vor einiger Zeit von einem Sex-Skandal erschüttert wurde, baut den Vertrieb gerade komplett um, Stellenabbau eingeschlossen. Das kostet viel Geld. Ergo-Chef Torsten Oletzky zeigte sich mit den Fortschritten aber zufrieden: "Das gute Quartalsergebnis gibt uns Schwung für die vor uns liegenden Herausforderungen des Jahres: Die Einführung unseres neuen Lebensversicherungsprodukts Mitte des Jahres und die Umsetzung neuer Strukturen im Vertrieb."