
KölnEs kommt nicht alle Tage vor, dass Vorstandschefs von Versicherern persönliche Daten verraten. Clemens Muth, Chef des privaten Krankenversicherers DKV, hat damit kein Problem. Um einen Online-Tarifcheck vorzustellen, präsentierte er sich am Montag kurzerhand selbst als Versuchskaninchen.
Er ging im Internet live in seinen DKV-Account und verriet dabei gleich auch einige Dinge, die man sonst nicht erfährt. So zahlt er zum Beispiel monatlich 530,14 Euro für seine private Krankenversicherung (PKV). Damit liegt er ein gutes Stück unter dem Höchstsatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Aber nur, weil er einen Firmenrabatt bekommt. Ohne diesen läge er in etwa auf GKV-Niveau – preislich betrachtet. Von den Leistungen her sieht er sich deutlich darüber.

Offen legte Muth auch, dass er erst seit Dezember 2010 DKV-Kunde ist, was wohl mit seinem Wechsel von München nach Köln zusammenhängt. Schließlich ist er bereit, in seinem Tarif einen Selbstbehalt von 800 Euro im Jahr zu übernehmen, was seinen monatlichen Beitrag auch etwas drückt. Ohne Selbstbehalt zahlt man mehr. Wichtig sind ihm unter anderem ein Einbettzimmer und die Behandlung durch den Chefarzt.
Die Vorführung hat einen ernsten Hintergrund: Ein privat krankenversicherter Kunde darf innerhalb eines Krankenversicherers in andere Tarife wechseln – doch in der Praxis klappt das bisher nicht gut. Zum einen durchblicken nur Experten die vielen Tarife und Tarifvarianten. Zum anderen erwecken viele Unternehmen den Eindruck, dass ihnen Wechsel von einem zum anderen Tarif eher unangenehm sind.
In Deutschland sind knapp neun Millionen Menschen privat voll krankenversichert. Die gesetzliche Konkurrenz, die Krankenkassen, versichert rund 70 Millionen. Insgesamt gibt es 47 private Krankenversicherer. Die Produkte werden zum Teil stark über Vermittler vertrieben, die sich gern an den versprochenen Provisionen orientieren.
Der Versicherungsverein aus Koblenz hat mit Abstand die meisten Vollversicherten: 2,2 Millionen. Der größte Teil davon sind Kunden, die beihilfeberechtigt sind, also aus Beamte sind oder zum Umfeld von Beamten zählen. Rund 400.000 Personen gehören zur Gruppe der Angestellten und Selbstständigen. Die Gesellschaft hat in der Regel die meisten Zugänge pro Jahr, hat eine vergleichsweise einfache Tarifstruktur, bietet keine Billigtarife und ist bekannt für ihre Sparsamkeit.
Die Tochter des Erstversicherers Ergo hatte 2010 durch die Fusion mit der Victoria mehr Beitragseinnahmen als der Konkurrent Debeka, doch nach mit gut 900.000 deutlich weniger Vollversicherte. Seither ist die Zahl der Vollversicherten gesunken, auf 882.000 Personen im Jahr 2012. Auch gemessen an den Beitragseinnahmen liegt nun Konkurrent Debeka wieder vor, weil die DKV nicht so stark wächst. Das Unternehmen hat seine Tarifstruktur saniert.
Die Tochter des französischen Versicherers ist durch Fusionen die Nummer drei geworden. Sie ist in den vergangenen Jahren weiter gewachsen, liegt aber mit knapp 780.000 Vollversicherten noch ein gutes Stück hinter der DKV.
Die Krankenversicherung des größten europäischen Versicherungskonzerns verliert seit Jahren Vollversicherte, auch in 2012: Gut 670.000 Personen sind es nun. Das Geschäftsfeld ist im Kontext des großen Allianz-Konzerns sehr klein, weshalb es immer wieder Gerüchte gibt, der Konzern würde sich lieber ganz auf Zusatzversicherungen im Rahmen einer Bürgerversicherung konzentrieren.
Die Tochter des Generali-Konzerns hat ein großes Problem mit Billigtarifen und Nichtzahlern. In den vergangenen Jahren war das Unternehmen sehr stark gewachsen und sprang daher über die Marke von mehr als einer halben Million Vollversicherten. Doch viele neue Kunden haben nicht das gehalten, was sich der Versicherer von ihnen versprochen hat. Daher musste die Gesellschaft mit saftigen Beitragserhöhungen reagieren, um Verluste in den Griff zu bekommen. Kundenverluste waren die Folge. 2012 war der Abgang extrem stark: um minus 76.800 Personen auf rund 418.000.
Der Versicherungsverein versucht seinen Bestand von rund 470.000 Vollversicherten zu halten, was auch 2012 gelang. Und es hält auch seine Beitragserhöhungen in Grenzen. Neuer Schwung ist in das Unternehmen gekommen, seit die Krankenversicherung des Deutschen Ring in die Gruppe eintrat. Dieses Unternehmen wächst vergleichsweise stark und ist mit 138.000 Vollversicherten die Nr. 18 der Branche.
Die Tochter des größten Sparkassenversicherers Versicherungskammer Bayern (VKB) schützt rund 370.000 Vollversicherte. 2012 ging die Zahl um rund 10.000 zurück.
Der Dortmunder Versicherungsverein ist stark auf die Krankenversicherung spezialisiert und hat keine Scheu, auch unbequeme Meinungen innerhalb der Branche offensiv zu vertreten. Einige Jahre stagnierte die Zahl der Vollversicherten bei 385.000, im Jahre 2012 waren es knapp 392.000 Personen. Aufgefallen ist der Versicherer mit saftigen Beitragsrückerstattungen.
Der Versicherungsverein sorgt auch in der Krankenversicherung für frischen Wind und profitiert von seiner vergleichsweise schlanken Kostenstruktur. Die Zahl der Kunden steigt seit Jahren stetig. Im Jahre 2012 kamen mehr als 7000 hinzu, es sind rund 393.000.
Der Versicherer aus Wuppertal versucht seit einigen Jahren, seinen Bestand bei rund 300.000 zu halten. 305.000 waren es 2012.
Die Gesellschaft gehört zum Konzern Alte Leipziger. Zuletzt hat sich das Unternehmen auf die Seite derjenigen geschlagen, die hohe Provisionen in der privaten Krankenversicherung ablehnen. Die Gesellschaft hat rund 243.000 Vollversicherte. 2012 kamen rund 6.500 Personen dazu.
Traditionell gehört der nicht konzerngebundene Versicherungsverein aus Lüneburg zu den Unternehmen, die kostenbewusst arbeiten. Die gut 200.000 Vollversicherten erhalten über Beitragsrückerstattungen und für kostenbewusstes Verhalten regelmäßig Geld gutgeschrieben.
Die Gesellschaft aus Hamburg expandierte in den vergangenen Jahren sehr stark und hat sich auf Billigtarife spezialisiert. Im Gegensatz zu einigen größeren Konkurrenten hat der Versicherer allerdings weniger Probleme mit dieser Klientel. Das Problem der Nichtzahler versucht Hanse-Merkur mit einem eigenen extrem günstigen Tarif in den Griff zu bekommen. Die Zahl der Vollversicherten ist 2012 erneut deutlich auf knapp 227.000 Personen gestiegen.
Der Versicherer aus der Nähe von Stuttgart hat ein übersichtliches Tarifwerk und lehnt geschlossene Tarife ab. Die Beiträge seiner knapp 170.000 Vollversicherten stiegen zuletzt unterdurchschnittlich.
Mit rund 165.000 Vollversicherten ist der Versicherungsverein aus Köln die Nr. 15 unter den gut 40 privaten Krankenversicherern. Die Kundenzahl ging 2012 um knapp 3000 zurück.
Die Folge: Außerhalb der Krankenversicherer hat sich eine Vermittlerschar etabliert, die genau diesen Service anbietet. Das Ziel ist dabei meistens, durch einen Tarifwechsel innerhalb der privaten Krankenversicherung (PKV) Geld zu sparen. Dass dieser Service von vielen Kunden dankbar angenommen wird, ärgert aber viele PKV-Manager. DKV-Chef Muth macht nun aus der Not eine Tugend und bietet den halb-automatischen Tarifwechsel über das Internet an. Die Preise sind transparent, der endgültige Wechsel sei dann nach einem Gespräch mit Fachleuten der DKV möglich.
Mit ein paar Klicks zeigt Muth, dass er allein durch die Bereitschaft ein Zwei- statt Einbettzimmer bei einem Krankenhausaufenthalt zu beziehen, seinen Beitrag um rund 46 Euro monatlich drücken könnte. In den Tarif könnte er übrigens ohne Gesundheitsprüfung wechseln – auch das spuckt der Online-Check aus. Daneben gibt es auch Varianten mit neuer Gesundheitsprüfung, was Versicherte aber vermeiden.

Feine Sache! Hier kann sich ein DKV Kunde vorab informieren und den Feinschliff mit "seinem" DKV Berater vorbereitet angehen. Keine Chance für überflüssige Honorar Haie. Ich bin begeistert.
R. Haleck

"Dass dieser Service von vielen Kunden dankbar angenommen wird, ärgert aber viele PKV-Manager."
Warum ärgern sich die PKV-Manager? Kann es ihnen nicht total egal sein, wenn Versicherungsnehmer für eine externe Dienstleistung Geld bezahlen? Dass die Versicherungswirtschaft sich Sorge um die Geldbörse des Versicherungsnehmers macht, halte ich für zu weit her geholt? Woher kommt denn sonst die Verärgerung? Vielleicht weil der externe Dienstleister die Pläne des Versicherers kreuzt? Das wäre zumindest ein Argument. ;-)

Ich bin kein Fan der DKV, aber dieser Online-Service für Kunden ist ein richtiger Schritt zu mehr Offenheit und Transparenz. Prima Sache!
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