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Niedrigzinsen: Versicherer leiden unter Euro-Turbulenzen

Die lockere Geldpolitik in der Währungskrise belastet das Geschäft der Versicherer. Sie erwirtschaften kaum noch Renditen. Der gesamten Branche wird durch die Niedrigzinsen der Boden weggezogen.

Mit geringen Zinsen lässt sich als Versicherer kaum Geld machen. Quelle: dpa
Mit geringen Zinsen lässt sich als Versicherer kaum Geld machen. Quelle: dpa

DüsseldorfDie Europäische Zentralbank will die Banken mit einem Geldregen retten. Die Kehrseite davon treibt die Versicherer um: Mit solch superbilligen Kapitalspritzen wie kurz vor Weihnachten verlängern die Währungshüter für einen anderen Teil der Finanzbranche die große Krise. Denn es drohen jahrelang niedrige Zinsen. Aufseher und Manager sind daher alarmiert, doch gehört werden ihre Warnungen bisher nicht.

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Wie gefährdet die Versicherer in Europa sind, hat kurz vor Weihnachten eine Behörde ganz nüchtern festgestellt. Acht Versicherer sind durch die Stresstests der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa gefallen. Die Aufseher nannten wie üblich keine Namen. Sie stellten der Branche jedoch zum Jahresende ein überraschend schlechtes Zeugnis aus: Die Risiken lägen auf hohem Niveau und seien stärker ausgeprägt als im ersten Halbjahr. Vor allem die hohen Kapitalanlagen in Staatsanleihen und Bankprodukten seien ein Problem.

Die EU-Aufseher hatten getestet, wie 82 Versicherer auf mehrere Jahrzehnte mit sehr niedrigen Zinsen reagieren würden. Fünf bis zehn Prozent der Unternehmen seien dabei durchgefallen: acht bei einer ersten Testvariante und vier bei einer zweiten. Das damit verbundene Kapitaldefizit bezifferte Eiopa auf sechs und zwei Milliarden Euro.

Die zehn größten Versicherer Europas

  • Allianz

    Die Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager.

  • Axa

    Der größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im Jahr 2010 beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten.

  • Generali

    Der Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn.

  • Aviva

    Die britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern.

  • Zurich Financial

    Längst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich.

  • Munich Re

    Der weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.

  • CNP

    Der Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus.

  • Credit Agricole

    Die französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufe sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro.

  • ING

    Die Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel.

  • Prudential

    Der britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus.

Die Analysten von JP Morgan kommentierten diese Tests so: „Dies bedeutet, dass die niedrigen Zinsen knapp 100 Milliarden Euro an Kapital bei den getesteten Gesellschaften vernichten – oder 150 Milliarden Euro für die gesamte Branche.“ Das entspreche etwa 35 Prozent des Eigenkapitals der Versicherungswirtschaft in Europa. Ihr Fazit: „Es ist klar, dass das Kapital in diesem Sektor unter hohem Druck ist.“

Auch die deutschen Versicherungsaufseher von der Bafin fragen nun nach. Insbesondere bei den rund 100 deutschen Lebensversicherern, denn diese haben ihren Millionen Kunden Zinsgarantien für viele Jahrzehnte zugesagt – zwischen 2,25 und vier Prozent auf das angesparte Geld. Kein Wunder also, dass die oberste Versicherungsaufseherin Gabriele Hahn auf die Frage, was ihr am meisten Sorge mache, antwortet: „Die anhaltende Niedrigzinsphase ist für die Lebensversicherer ein wichtiges Thema.“ Noch zeigt sie sich aber „nicht sehr besorgt“, weil die letzten Umfragen der Bafin gezeigt hätten, dass „die Unternehmen niedrige Zinsen einige Jahre durchhalten können“.

Einige Jahre? Das ist gemessen am Testzeitraum der EU-Aufseher von Eiopa nicht viel. Diese prüften die Reaktion auf niedrige Zinsen gleich für mehrere Jahrzehnte.

  • 03.01.2012, 17:00 UhrAnonymer Benutzer: Zyniker

    In der Krise liegen bekanntlich auch Chancen: Die Lebensversicherer können ihre demnächst zinslosen Produkte als "schariakonform" anpreisen und sich damit neue Märkte erschließen (z.B. in den islamischen Ölstaaten am Golf).

  • 03.01.2012, 17:00 UhrAnonymer Benutzer: Zyniker

    In der Krise liegen bekanntlich auch Chancen: Die Lebensversicherer können ihre demnächst zinslosen Produkte als "schariakonform" anpreisen und sich damit neue Märkte erschließen (z.B. in den islamischen Ölstaaten am Golf).

  • 03.01.2012, 14:50 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    Der Artikel handelt von "Lebensversicherungen (LV)" und nicht von "Fonds", die u.a. in Aktien investieren. LV tun das praktisch nicht. Fonds von "Allianz Global Investors" z.B. können Sie selbstverständlich auch in Deutschland kaufen. Verstehe Ihren Beitrag nicht. Ich glaube Ihr terminus technikus "dumm" ist insofern gar nicht so verkehrt!

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