
MünchenDie Münchener Rück kann sich der Euro-Krise halbwegs entziehen und gibt sich nach einem überraschend guten zweiten Quartal optimistischer für das Gesamtjahr. Der weltgrößte Rückversicherer deutete am Dienstag an, trotz Belastungen durch den Umbau der Tochter Ergo und den historisch niedrigen Zinsen bei Kapitalanlagen 2012 mehr verdienen zu können als bislang gedacht. Von April bis Juni stieg der Nettogewinn um zehn Prozent auf 808 Millionen Euro, obwohl Analysten mit einem Rückgang gerechnet hatten. Die Aktie des Dax-Konzerns verteuerte sich um über ein Prozent auf knapp 119 Euro.
Konzernchef Nikolaus von Bomhard warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen. Eine erneute Eskalation der Schuldenkrise und hohe Schäden durch die Dürre sowie die Hurrikan-Saison in den USA könnten das Blatt schnell wenden. Die negativen Szenarien hätten zuletzt an Wahrscheinlichkeit gewonnen.

Dominiert wird die Schadenstatistik bis Ende Juni durch Wetterextreme in den USA. 85 Prozent der weltweiten versicherten Schäden und 61 Prozent der Gesamtschäden entfallen im ersten Halbjahr 2012 auf den amerikanischen Kontinent und dort fast ausschließlich auf die USA. Insbesondere zu Beginn des Frühjahrs ereigneten sich vom Mittleren Westen bis hinunter in den Süden Serien von Tornados, von denen einige Schäden in Milliardenhöhe verursachten. Schwerstes Einzelereignis war eine Unwetterfront, die vom 2. bis 4. März mehrere US-Bundesstaaten überquerte.

Allein in und um Ohio und den Tennessee River wurden 170 Tornados gezählt. Einige kleinere Ortschaften wurden fast komplett zerstört, 180.000 Häuser wurden beschädigt. Der gesamte Schaden betrug 4 Milliarden US-Dollar, davon waren 2,3 Milliarden US-Dollar versichert. Mehr als 40 Menschen kamen ums Leben.

Auch in Europa verursachten Naturkatastrophen in der ersten Jahreshälfte geringere Schäden als sonst üblich. Nur zehn Prozent (1,3 Milliarden US-Dollar) der weltweit versicherten und 16 Prozent (4 Milliarden US-Dollar) der gesamtwirtschaftlichen Schäden fielen in europäischen Ländern an.

Schwerwiegendstes Ereignis war der Wintersturm Andrea, der in der ersten Januarwoche mit Böen über 200 Kilometer in der Stunde und heftigem Schneefall zu Gesamtschäden von rund 700 Millionen US-Dollar (540 Millionen Euro) führte. Der versicherte Schaden lag bei 400 Millionen US-Dollar (335 Millionen Euro).

Eine Kältewelle in Ost- und Südosteuropa von Januar bis Februar 2012 kostete 745 Menschen das Leben.

Zudem ereigneten sich im Mai in Italien in der relativ dünn besiedelten Region nördlich von Modena zwei Erdbeben mit einer Magnitude von 6,0 und 5,8.

18 Menschen verloren ihr Leben. Zahlreiche kulturhistorisch bedeutende Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt.

In Asien und im pazifischen Raum ereigneten sich in der ersten Jahreshälfte zwar relativ viele, aus Sicht der Versicherer allerdings fast ausschließlich unbedeutende Schadenereignisse. Ein sehr schwerwiegendes Ereignis waren Überschwemmungen in mehreren Provinzen Chinas im Mai, bei denen gesamtwirtschaftliche Schäden von etwa 2,5 Milliarden US-Dollar entstanden. 127 Menschen starben in den Fluten.

Der Zyklon Funso wütete vom 19. bis zum 28. Januar in Mosambik und forderte 46 Todesopfer.

160 Menschen starben in Afghanistan auf Grund starker Schneefälle und Lawinen im ersten Quartal 2012.
Dominiert wird die Schadenstatistik bis Ende Juni durch Wetterextreme in den USA. 85 Prozent der weltweiten versicherten Schäden und 61 Prozent der Gesamtschäden entfallen im ersten Halbjahr 2012 auf den amerikanischen Kontinent und dort fast ausschließlich auf die USA. Insbesondere zu Beginn des Frühjahrs ereigneten sich vom Mittleren Westen bis hinunter in den Süden Serien von Tornados, von denen einige Schäden in Milliardenhöhe verursachten. Schwerstes Einzelereignis war eine Unwetterfront, die vom 2. bis 4. März mehrere US-Bundesstaaten überquerte.
Die Münchener Rück - mit über 200 Milliarden Euro einer der größten Investoren am Kapitalmarkt - bereite sich auf alle Möglichkeiten vor. Es würden wenig Risiken eingegangen, alle Investments abgesichert, versicherte von Bomhard. Die Kehrseite: Wieder angelegte Gelder bringen im Schnitt nur noch 2,8 Prozent ein.
Von Bomhard bekräftigte seine Forderung, Investmentbanken von auf Privatkunden spezialisierten Geldhäusern zu trennen, was auch zu einer Zerschlagung der Deutschen Bank führen würde. "Ich würde den Ball zur Bank zurückspielen", sagte der langjährige Versicherungsmanager. Sie müssten dann gegenüber den Aufsichtsbehörden beweisen, welche Teile des Investmentbankings wirklich notwendig für das Kerngeschäft seien. "Das führt de facto zur Abtrennung des Eigenhandels."
Die Münchener Rück macht der Branche mit ihren guten Quartalszahlen Hoffnung. Die Konkurrenten Swiss Re und Hannover Rück wollen ihre Bilanzen ebenfalls diese Woche vorlegen. Hier werden ähnliche Trends erwartet: Die Belastungen aus Naturkatastrophen dürften zurückgehen, die Einnahmen an den Börsen mit Anleihen, Aktien und Derivaten zulegen.
Bei der Münchener Rück half zudem eine niedrige Steuerquote. "Im ersten Halbjahr haben wir mit einem Gewinn von 1,6 Milliarden Euro deutlich mehr als die Hälfte unserer Zielmarke von 2,5 Milliarden Euro erreicht", so von Bomhard. "Damit sind wir auf gutem Kurs, den ursprünglich angestrebten Jahresgewinn leicht zu übertreffen." Analysten rechnen im Schnitt mit mindestens 2,7 Milliarden Euro.
Die Belastungen aus Großschäden summierten sich im abgelaufenen Quartal auf 452 (Vorjahr 638) Millionen Euro. Die verheerende Dürre in den USA wirkt sich dabei mit 160 Millionen Euro am stärksten aus - schon jetzt eine Rekordbelastung. Im hohen zweistelligen Millionen-Bereich liegen das Erdbeben in der norditalienischen Region Emilia-Romagna sowie ein Tornado in den USA.

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