
ZürichDie Trennung von einer US-Tochter hat den Gewinn des Schweizer Rückversicherungskonzerns Swiss RE fast komplett aufgezehrt. Dass im zweiten Quartal mit 83 Millionen Dollar unter dem Strich noch ein kleines Plus stand, verdankt die Nummer zwei der Branche neben dem gut laufenden Versicherungsgeschäft und hohen Kapitalmarktgewinnen auch Sondererträgen.
Die Schweizer konnten mehr als 300 Millionen Dollar nicht mehr benötigte Schadenreserven auflösen. Analysten hatten im Schnitt sogar einen Quartalsverlust von 119 Millionen Dollar erwartet. Vor einem Jahr hatte Swiss Re noch 960 Millionen Dollar Quartalsgewinn ausgewiesen.
Swiss Re hatte im Mai ihr Admin-Re-Geschäft in den USA an den größten britischen Versicherungskonzern Prudential veräußert und damit eine Milliarde Dollar Verlust gemacht. Weil der Konzern damit aber Kapital freisetzt, das er gewinnbringender einsetzen kann, soll sich die Transaktion längerfristig lohnen. Den wirtschaftlichen Vorteil veranschlagte Finanzchef George Quinn auf rund 300 Millionen Dollar.

Dominiert wird die Schadenstatistik bis Ende Juni durch Wetterextreme in den USA. 85 Prozent der weltweiten versicherten Schäden und 61 Prozent der Gesamtschäden entfallen im ersten Halbjahr 2012 auf den amerikanischen Kontinent und dort fast ausschließlich auf die USA. Insbesondere zu Beginn des Frühjahrs ereigneten sich vom Mittleren Westen bis hinunter in den Süden Serien von Tornados, von denen einige Schäden in Milliardenhöhe verursachten. Schwerstes Einzelereignis war eine Unwetterfront, die vom 2. bis 4. März mehrere US-Bundesstaaten überquerte.

Allein in und um Ohio und den Tennessee River wurden 170 Tornados gezählt. Einige kleinere Ortschaften wurden fast komplett zerstört, 180.000 Häuser wurden beschädigt. Der gesamte Schaden betrug 4 Milliarden US-Dollar, davon waren 2,3 Milliarden US-Dollar versichert. Mehr als 40 Menschen kamen ums Leben.

Auch in Europa verursachten Naturkatastrophen in der ersten Jahreshälfte geringere Schäden als sonst üblich. Nur zehn Prozent (1,3 Milliarden US-Dollar) der weltweit versicherten und 16 Prozent (4 Milliarden US-Dollar) der gesamtwirtschaftlichen Schäden fielen in europäischen Ländern an.

Schwerwiegendstes Ereignis war der Wintersturm Andrea, der in der ersten Januarwoche mit Böen über 200 Kilometer in der Stunde und heftigem Schneefall zu Gesamtschäden von rund 700 Millionen US-Dollar (540 Millionen Euro) führte. Der versicherte Schaden lag bei 400 Millionen US-Dollar (335 Millionen Euro).

Eine Kältewelle in Ost- und Südosteuropa von Januar bis Februar 2012 kostete 745 Menschen das Leben.

Zudem ereigneten sich im Mai in Italien in der relativ dünn besiedelten Region nördlich von Modena zwei Erdbeben mit einer Magnitude von 6,0 und 5,8.

18 Menschen verloren ihr Leben. Zahlreiche kulturhistorisch bedeutende Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt.

In Asien und im pazifischen Raum ereigneten sich in der ersten Jahreshälfte zwar relativ viele, aus Sicht der Versicherer allerdings fast ausschließlich unbedeutende Schadenereignisse. Ein sehr schwerwiegendes Ereignis waren Überschwemmungen in mehreren Provinzen Chinas im Mai, bei denen gesamtwirtschaftliche Schäden von etwa 2,5 Milliarden US-Dollar entstanden. 127 Menschen starben in den Fluten.

Der Zyklon Funso wütete vom 19. bis zum 28. Januar in Mosambik und forderte 46 Todesopfer.

160 Menschen starben in Afghanistan auf Grund starker Schneefälle und Lawinen im ersten Quartal 2012.
Dominiert wird die Schadenstatistik bis Ende Juni durch Wetterextreme in den USA. 85 Prozent der weltweiten versicherten Schäden und 61 Prozent der Gesamtschäden entfallen im ersten Halbjahr 2012 auf den amerikanischen Kontinent und dort fast ausschließlich auf die USA. Insbesondere zu Beginn des Frühjahrs ereigneten sich vom Mittleren Westen bis hinunter in den Süden Serien von Tornados, von denen einige Schäden in Milliardenhöhe verursachten. Schwerstes Einzelereignis war eine Unwetterfront, die vom 2. bis 4. März mehrere US-Bundesstaaten überquerte.
An der Börse kam der Abschluss nicht gut an. Die Swiss-Re-Aktien verloren 0,4 Prozent auf 61,65 Franken, während der Index der europäischen Versicherungswerte fester tendierte. Analysten stießen sich zum Teil daran, dass erst die Auflösung von Reserven Swiss Re in die Gewinnzone brachte, bescheinigten dem Unternehmen aber eine solide operative Geschäftsentwicklung. Swiss Re habe die Preise im Juli zwar erneut anheben können, allerdings weniger stark als bei den Vertragserneuerungen im April und Januar, erklärte Daniel Bischof, Analyst beim Broker Helvea.
Operativ und an den Kapitalmärkten liefen die Geschäfte gut. Die verdienten Prämien steigerte Swiss Re im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent auf 6,13 Milliarden Dollar. Die Sparte Sachversicherung arbeitet hochrentabel: Der Schadenkostensatz der Gruppe lag bei 85,7 Prozent. Bis zu einem Wert von 100 Prozent sind die Schäden und Verwaltungskosten durch die Prämieneinnahmen gedeckt.