Versicherungen

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Treuhänder: In Allianz-Tresoren lagern 145 Milliarden Euro

In den Tresoren der Allianz lagern Wertpapiere in Milliardenhöhe. Der Treuhänder Bernhard Mertens kontrolliert jeden Titel, den der Versicherer hier verstauen will. Das Geld wird über Jahrzehnte angelegt.

Bernhard Mertens vor der Tresortür der Allianz: Als Treuhänder arbeitet er im Auftrag der Bafin. Quelle: Joachim Roettgers für Handelsblatt
Bernhard Mertens vor der Tresortür der Allianz: Als Treuhänder arbeitet er im Auftrag der Bafin. Quelle: Joachim Roettgers für Handelsblatt

StuttgartDie Stahltür ist 42 Zentimeter dick, hinter der Tür ist eine weitere Gittertür. Neben dem Türrahmen hängt ein kleines Schild "Bitte nicht rauchen". Nur mit zwei Schlüsseln und der richtigen Geheimzahl öffnet sich der Weg zum Tresor der Allianz Lebensversicherung. Hier im zweiten Untergeschoss der Unternehmenszentrale in Stuttgart befindet sich der Schatz des Versicherers: Auf einer Fläche von drei durchschnittlichen Vierzimmerwohnungen stehen graue und dunkelgrüne Schränke mit Papier, Papier und noch mehr Papier. Hier liegen rund 100 000 Grundschuldbriefe und 7 000 Urkunden über Darlehen an den Bund, an Länder, Gemeinden und Pfandbriefanstalten.

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Einen der beiden notwendigen Schlüssel für den Tresor hat Bernhard Mertens. Und das, obwohl der 66-Jährige nicht bei der Allianz angestellt ist. Er ist selbstständiger Treuhänder. Kein Allianz-Mitarbeiter kann den Tresor ohne ihn betreten. "Es mutet merkwürdig an, aber ein Lebensversicherer kann über sein Sicherungsvermögen nicht allein verfügen", sagt Mertens.

Die zehn größten Versicherer Europas

  • Allianz

    Die Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager.

  • Axa

    Der größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im Jahr 2010 beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten.

  • Generali

    Der Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn.

  • Aviva

    Die britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern.

  • Zurich Financial

    Längst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich.

  • Munich Re

    Der weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.

  • CNP

    Der Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus.

  • Credit Agricole

    Die französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufe sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro.

  • ING

    Die Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel.

  • Prudential

    Der britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus.

Als Sicherungsvermögen bezeichnet man das, was ein Versicherer an Geld zurücklegen muss, um die langfristigen Verbindlichkeiten gegenüber den Kunden zu decken - damit diese später auch wirklich ihre Rente erhalten. Bei Allianz Leben beträgt dieses derzeit rund 145 Milliarden Euro. Die Versicherer müssen das Geld in solide Anlagen stecken, etwa in Grundstücke und Immobilien. Aber auch Staats- und Unternehmensanleihen oder Aktien sind erlaubt, wenn die Anlagen breit gemischt werden.

  • 29.05.2012, 15:09 Uhrtobit-dlg

    Wollen wir doch die Kirche mal im Dorf lassen. Wer im VAG nachschlägt stellt in Abs. 2 und 3 des oben genannten Paragrafen fest, dass die Bafin jeden Treuhänder genehmigen muss. Daher ist die Aussage des Artikels nicht direkt falsch.

  • 29.05.2012, 15:07 Uhrtobit-dlg

    Wenn Sie schon aus dem Gesetz zitieren, dann doch bitte vollständig.
    Gemäß Absatz 2 und 3 muss jeder Treuhänder von der Bafin genehmigt werden. Somit ist die Sichtweise des Artikels nicht direkt falsch. Die Formulierung hätte anderst sein können.

  • 24.05.2012, 16:45 UhrThomas_Leithoff

    Schade, dass dieser interessante Artikel in einem Punkt nicht korrekt ist, bei dem die Recherche nur den Blick in das Gesetzbuch erfordert hätte: Der Treuhänder wird nicht von der BAFin bestellt, sondern vom Aufsichtsrat des Lebensversicherers, § 71 Abs. 1 Versicherungsaufsichtsgesetz. Wenn etwas so Einfaches falsch ist, was sonst noch?

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