
HannoverDie Hannover Rück hat sich im zweiten Quartal überraschend schwach geschlagen. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer teilte am Freitag mit, er habe von April bis Juni 2012 unter dem Strich nur 144 Millionen Euro verdient, gut 13 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit verfehlten die Niedersachsen die Analystenerwartungen klar. Vor allem negative Effekte aus Derivaten, mit denen sich der Konzern unter anderem gegen eine höhere Inflation absichert, drückten das Ergebnis. Größere Naturkatastrophen waren dagegen ausgeblieben.
Im Frühjahr glänzte damit von den großen Rückversicherern nur Marktführer Münchener Rück. Der Dax-Konzern hat seinen Quartalsgewinn um zehn Prozent auf 808 Millionen Euro gesteigert, obwohl die Münchner - anders als die Konkurrenz - schon hohe Summen für die verheerende Dürre in den USA zurücklegten. Der Branchenzweite Swiss Re verdiente mit 83 (Vorjahr: 960) Millionen Dollar ebenfalls wenig. Die Trennung von einer US-Tochter wirkte sich hier mit einer Milliarde Dollar besonders negativ aus.
An der Börse kamen die Zahlen der Hannover Rück überhaupt nicht gut an: Die Aktien des Unternehmen verbilligten sich um mehr als vier Prozent auf 47,33 Euro und waren damit mit Abstand größter Verlierer im MDax. Münchener-Rück-Papiere lagen im Dax ebenfalls in der Verlustzone, aber nur mit knapp einem Prozent.
Wegen des möglichen Börsengangs der Hannover-Rück-Mutter Talanx will sich der Rückversicherer weiterhin nicht auf eine Gewinnprognose festlegen. Branchenexperten erwarten für 2012 im Schnitt einen Überschuss von 741 Millionen Euro. Hannover-Rück-Finanzchef Roland Vogel wollte sich dazu nicht konkret äußern, betonte aber, dass die Analysten das Unternehmen gut kennen. Das dritte Quartal habe bisher keine negativen Überraschungen gebracht und dank weniger Großschäden gebe es noch einige Puffer.
Im Gesamtjahr sind 560 Millionen Euro für Großschäden vorgesehen, bislang aber erst 132 Millionen verbraucht. Am teuersten kamen die Niedersachsen zuletzt die Erdbeben in der norditalienischen Region Emilia-Romagna zu stehen. Sie kosteten zusammen knapp 61 Millionen Euro. Ein Großfeuer in Japan wirkte sich noch einmal mit 13 Millionen Euro aus.

Dominiert wird die Schadenstatistik bis Ende Juni durch Wetterextreme in den USA. 85 Prozent der weltweiten versicherten Schäden und 61 Prozent der Gesamtschäden entfallen im ersten Halbjahr 2012 auf den amerikanischen Kontinent und dort fast ausschließlich auf die USA. Insbesondere zu Beginn des Frühjahrs ereigneten sich vom Mittleren Westen bis hinunter in den Süden Serien von Tornados, von denen einige Schäden in Milliardenhöhe verursachten. Schwerstes Einzelereignis war eine Unwetterfront, die vom 2. bis 4. März mehrere US-Bundesstaaten überquerte.

Allein in und um Ohio und den Tennessee River wurden 170 Tornados gezählt. Einige kleinere Ortschaften wurden fast komplett zerstört, 180.000 Häuser wurden beschädigt. Der gesamte Schaden betrug 4 Milliarden US-Dollar, davon waren 2,3 Milliarden US-Dollar versichert. Mehr als 40 Menschen kamen ums Leben.

Auch in Europa verursachten Naturkatastrophen in der ersten Jahreshälfte geringere Schäden als sonst üblich. Nur zehn Prozent (1,3 Milliarden US-Dollar) der weltweit versicherten und 16 Prozent (4 Milliarden US-Dollar) der gesamtwirtschaftlichen Schäden fielen in europäischen Ländern an.

Schwerwiegendstes Ereignis war der Wintersturm Andrea, der in der ersten Januarwoche mit Böen über 200 Kilometer in der Stunde und heftigem Schneefall zu Gesamtschäden von rund 700 Millionen US-Dollar (540 Millionen Euro) führte. Der versicherte Schaden lag bei 400 Millionen US-Dollar (335 Millionen Euro).

Eine Kältewelle in Ost- und Südosteuropa von Januar bis Februar 2012 kostete 745 Menschen das Leben.

Zudem ereigneten sich im Mai in Italien in der relativ dünn besiedelten Region nördlich von Modena zwei Erdbeben mit einer Magnitude von 6,0 und 5,8.

18 Menschen verloren ihr Leben. Zahlreiche kulturhistorisch bedeutende Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt.

In Asien und im pazifischen Raum ereigneten sich in der ersten Jahreshälfte zwar relativ viele, aus Sicht der Versicherer allerdings fast ausschließlich unbedeutende Schadenereignisse. Ein sehr schwerwiegendes Ereignis waren Überschwemmungen in mehreren Provinzen Chinas im Mai, bei denen gesamtwirtschaftliche Schäden von etwa 2,5 Milliarden US-Dollar entstanden. 127 Menschen starben in den Fluten.

Der Zyklon Funso wütete vom 19. bis zum 28. Januar in Mosambik und forderte 46 Todesopfer.

160 Menschen starben in Afghanistan auf Grund starker Schneefälle und Lawinen im ersten Quartal 2012.
Dominiert wird die Schadenstatistik bis Ende Juni durch Wetterextreme in den USA. 85 Prozent der weltweiten versicherten Schäden und 61 Prozent der Gesamtschäden entfallen im ersten Halbjahr 2012 auf den amerikanischen Kontinent und dort fast ausschließlich auf die USA. Insbesondere zu Beginn des Frühjahrs ereigneten sich vom Mittleren Westen bis hinunter in den Süden Serien von Tornados, von denen einige Schäden in Milliardenhöhe verursachten. Schwerstes Einzelereignis war eine Unwetterfront, die vom 2. bis 4. März mehrere US-Bundesstaaten überquerte.
Im Gesamtjahr rechnet die Hannover Rück bei den Beitragseinnahmen mit einem Plus von fünf bis sieben Prozent. Bei der jüngsten Neuverhandlung der Kundenverträge zum 1. Juli wurden im Schaden/Unfall-Bereich in Australien, Neuseeland und teilweise auch in den USA größere Preiserhöhungen durchgesetzt. Die Analysten von JP Morgan betonten, dass sich die Hannover Rück hier mit durchschnittlich vier Prozent besser aus der Affäre ziehen konnte als die Münchener Rück und Swiss Re (zwei beziehungsweise drei Prozent).