Versicherungen

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Versicherer AIG: Die „gefährlichste Firma der Welt“ ist entschärft

Es war die wohl größte Rettungsaktion in der Finanzkrise: 182 Milliarden Dollar machten die USA locker, um den US-Versicherungsgiganten AIG und damit die ganze Finanzbranche zu retten. Nun gibt es ein Happy End.

AIG-Zentrale in New York: Der Versicherer galt einmal als „gefährlichste Firma der Welt“ Quelle: AFP
AIG-Zentrale in New York: Der Versicherer galt einmal als „gefährlichste Firma der Welt“ Quelle: AFP

DüsseldorfEs war die mit Abstand größte Rettungsaktion der US-Regierung für ein einzelnes Unternehmen. Und wohl keine andere löste derart wütende Reaktionen bei den Steuerzahlern aus: Mit insgesamt 182 Milliarden Dollar bewahrten Finanzministerium und Notenbank Fed den Versicherungsgiganten AIG – und damit die gesamte Finanzbranche – Ende 2008 vor dem endgültigen Zusammenbruch.

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Rund vier Jahre später soll sich das Kapitel nun endgültig schließen: Der Staat will sich vollständig aus dem verstaatlichten Konzern zurückziehen. Wie das US-Finanzministerium am Montagabend mitteilte, soll der restliche Anteil an Stammaktien  – 234 Millionen Stück – verkauft werden. Interessenten gebe es bereits. Der Preis liegt laut einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg bei 32,50 Dollar. Das würde der Regierung rund 7,6 Milliarden Dollar in die Kasse spülen.

Die AIG-Rettung würde damit für den Staat unter dem Strich zu einem guten Geschäft. Bisher hat die US-Regierung mit der Platzierung von AIG-Aktien sowie Gebühren und Zinsen für die Hilfen bereits mehr als 15 Milliarden Dollar verdient. „Es war kontrovers und ein großes Risiko“, sagte kürzlich Ex-Vorstandschef Robert Willumstad über die Rettung „Aber man würde heute sagen, dass die Regierung ihr Geld zurückbekommen und einen ordentlichen Gewinn gemacht hat“.

Die zehn größten Versicherer Europas

  • Allianz

    Die Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager.

  • Axa

    Der größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im Jahr 2010 beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten.

  • Generali

    Der Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn.

  • Aviva

    Die britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern.

  • Zurich Financial

    Längst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich.

  • Munich Re

    Der weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.

  • CNP

    Der Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus.

  • Credit Agricole

    Die französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufe sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro.

  • ING

    Die Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel.

  • Prudential

    Der britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus.

Kaum ein Finanzunternehmen war derart schwer von der Finanzkrise betroffen wie AIG. Der Konzern hatte massenhaft zweifelhafte Hypothekenwetten von Banken und Fonds mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) abgesichert. Als die versicherten Papiere alle auf einmal und überall schlagartig an Wert verloren, kaum AIG in Straucheln.

Eine Pleite hätte wohl einen Dominoeffekt und schwere Konsequenzen für die gesamte Finanzwelt nach sich gezogen – nicht umsonst galt AIG lange als „gefährlichste Firma der Welt“. Von der Rettung profitierten deshalb letztlich auch jene Institute, die ohne Staatsgeld durch die Krise gekommen waren, etwa die Deutsche Bank.

Um eine völlige Kernschmelze auf den Finanzmärkten zu verhindern, starteten die USA am 16. September 2008, einen Tag nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, eine historische Rettungsaktion. Die Fed von New York gewährte dem Konzern eine Kreditlinie in Höhe von 85 Milliarden Dollar, damit das Unternehmen seinen Verpflichtungen nachkommen konnte. Im Gegenzug übernahm der Staat zunächst 80 Prozent der Anteile.

  • 11.12.2012, 15:08 Uhrwolfibaerli

    Aha: 182 Mrd. bezahlt, und (erhofft) 23 Mrd. eingenommen - und das ist ein gutes Geschäft für die Regierung? Das kann ja nur so funktionieren: Die 182 Mrd. wurden frisch gedruckt, und die 23 Mrd. nimmt die Regierung in "weißem" cash ein.

    Die US-Regierung ist verhält sich wie ein Investmentbanker: Geschäfte in virtuellem Geld machen, aber die boni in realem cash ausbezahlen lassen.

    Ob die Griechen-Rettung wohl auch so funktionieren soll? Also wenn der liebe Gott noch der alte ist dürfte er bereits mit dem Gedanken an eine neue Sintflut spielen...

  • 11.12.2012, 15:27 Uhrsciurus

    Das ist doch nicht so ganz richtig.

    Die 182 mld gingen doch an Finanzheie, weil AIG spekulative Geschäfte begleichen mußte.

    Bei den abgesicherten Papieren wurde doch des öfteren AIG nicht die ganze Wahrheit gesagt und die Firma wurde in die Absicherung dieser Papiere getrickst.

    Dazu gibt es heute doch mehrere Miliardenvergleiche mit der US Staatsanwaltschaft - darunter nicht nur mit Goldman, aber auch mit vielen anderen Instituten.

    Der amerikanische Steuerzahler hat also 182 mld $ dafür gezahlt, dass Finanzheie sich, zum Großteil ungerecht, bereichern können.

    Die richtige und ehrliche Lösung wäre doch die 182 mld überhaupt nicht zu zahlen. Dann hätte AIG doch gar keine Probleme und der Steuerzahler müßte nichts bezahlen. Die sich ergebenden Prozesse gegen die Banken hätte AIG doch in vielen Fällen gewonnen, weil bei den Ratings geschummelt wurde.

    Was uns vorgetragen wird ist also nicht mehr als eine schöne Gruselgeschichte von der Retung des Finanzsystems. Wahr macht das die Geschichte nicht.

  • 11.12.2012, 15:48 UhrRoothom

    Sie müssen schon genauer lesen - obwohl es natürlich noch besser wäre, wenn die Autoren klarer geschrieben hätten. Bei den 182 Mrd handelte es sich weitestgehend um Kredite und Bürgschaften, welche zurückgezahlt wurden. Unterm Strich verbleibt der angegebene Gewinn von 23 Mrd. Womit auch wieder deutlich wird, dass das Problem eben nicht in den "wertlosen" Papieren lag, sondern daran, dass der Markt ausgetrocknet war. Gleiches sieht man ja, wenn man die Meldungen zur Lehman-Insolvenz liest. Etwas weniger Populismus und mehr Sachkenntnis wären sicher hilfreich...

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