
KÖLN. Die deutsche Tochter des italienischen Versicherers Generali hat dieses Jahr hierzulande ihre Position als Nummer zwei nach der Allianz gefestigt. Dies sagte Deutschland-Chef Dietmar Meister. Der Abstand zur Nummer drei, der Munich-Re-Tochter Ergo, sei vergrößert worden. Meister führte dies vor allem auf den größten deutschen Finanzvertrieb, die DVAG, zurück, der zur Gruppe gehört. Generali nimmt mit Marken wie Aachen-Münchener und Cosmos Direkt in Deutschland Prämien von knapp 15 Milliarden Euro ein.
In den ersten neun Monaten hat die deutsche Generali ihre Beiträge um neun Prozent gesteigert, Ergo hingegen – einschließlich des Auslandsgeschäfts – nur um 7,5 Prozent. In der wichtigen Sparte Lebensversicherung hat Generali eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr überdurchschnittlich zugelegt. Konkurrent Ergo hingegen verlor Marktanteile. Ergo-Chef Torsten Oletzky hofft zwar, „dass wir in der Lebensversicherung unsere Marktanteile wieder stabilisieren können“. Doch er will nicht um jeden Preis wachsen: „Wir werden nichts ökonomisch Unvernünftiges dafür machen“, sagte er dem Handelsblatt.
Ergo sucht sein Heil im Ausland
Damit meint Oletzky vor allem das boomende Geschäft mit Einmalbeiträgen – Verträge, in die Kunden auf einen Schlag große Summen zahlen. Der Nachteil vieler dieser Sparverträge im Versicherungsgewand ist: Die Versicherer müssen fürchten, dass viele Kunden ihr Geld bei einem Zinsanstieg schnell abziehen.
Das Generali-Management hält einen Anstieg der Kapitalmarktzinsen für wahrscheinlich. Im kommenden Jahr könnten die Renditen wieder über drei Prozent steigen und mittelfristig sogar über vier Prozent.
Allerdings richtet die Generali-Gruppe ihre Kapitalanlage nicht konsequent nach dieser Prognose aus. Die durchschnittliche Laufzeit im Anleihenportfolio liegt wie zu Beginn des Jahres bei etwa sieben Jahren. Das entspricht nach Einschätzung der Generali in etwa dem Branchendurchschnitt. Würde der Versicherer konsequent auf steigende Zinsen setzen, müsste er die Laufzeit seines Portfolios deutlich verkürzen und vor allem auf ein- oder zwei Jahre laufende Zinstitel setzen. Diese Papiere würden nicht so stark unter Kursverlusten leiden, falls die Renditen im kommenden Jahr deutlich steigen sollten.
Während Deutschland-Chef Meister im deutschen Markt voran kommen muss, sucht Oletzky sein Heil vielmehr im Ausland. Dahinter steht auch eine negative Einschätzung des Heimatmarktes: „Für alle Erstversicherer wird es schwer werden, in Deutschland nennenswert zu wachsen, wenn ich auf die demographische Entwicklung in den nächsten 20 bis 30 Jahren schaue.“ Er rechnet damit, dass künftig im Inland nicht nur in der Autoversicherung, sondern auch in anderen Sparten stärker über den Preis um Marktanteile gekämpft wird.
Deutsche Generali möchte knapp 400 Mio. Euro Gewinn machen
Generali-Chef Meister spürt diesen Verdrängungswettbewerb bereits in seiner Sparte Schaden- und Unfallversicherung. Die Prämieneinnahmen sinken dort in diesem Jahr vor allem wegen der Rabattschlacht in der Autoversicherung. Die Kosten jedoch hat er aber im Griff. Die viel beachtete Relation von Kosten und Schäden zu Prämien liegt zwischen 95 und 96 Prozent. Deshalb schraubt Meister sein Gewinnziel für dieses Jahr von 360 Millionen Euro auf „Richtung 400 Millionen Euro“ hoch. 2009 hatte Generali 341 Millionen Euro erwirtschaftet.