
Hannover/FrankfurtBereits Ende September will der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx nach Angaben aus Finanzkreisen seinen lange geplanten Sprung aufs Börsenparkett wagen. Die neuen Aktien könnten dann noch vor Mitte Oktober erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt werden, erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch.
Talanx selbst wollte keine Stellungnahme zu dem Zeitplan abgeben: „Wir werden uns zu gegebener Zeit äußern“, hieß es mit Blick auf die Vorbereitungen.
Der Versicherer, zu dem Marken wie HDI und HDI-Gerling sowie die Mehrheit am Rückversicherer Hannover Rück gehören, hatte seinen Börsengang in der vorigen Woche für diesen Herbst angekündigt. Talanx will so laut Unternehmenskreisen rund eine Milliarde Euro einsammeln.
Ein Teil dieser Summe entfällt auf die 300 Millionen Euro, die aus dem Tausch einer Wandelanleihe des japanischen Lebensversicherers Meiji Yasuda in Talanx-Aktien stammen“, erklärte ein Konzernsprecher. Die restlichen 700 Millionen Euro beinhalteten auch eine Option der Banken, bei höherer Nachfrage noch mehr Aktien auszugeben.
Talanx will es möglichst schnell in den Index der mittelgroßen Werte, den MDax, schaffen. Langfristiges Ziel von Vorstandschef Herbert Haas ist eine Mitgliedschaft im deutschen Leitindex Dax. Der Konzern hatte seinen Börsengang seit fast 15 Jahren immer wieder in Aussicht gestellt, wegen häufiger Turbulenzen an den Finanzmärkten aber mehrfach verschoben. Den Aktionären will Talanx künftig 35 bis 45 Prozent des Gewinns als Dividende ausschütten.
Der Versicherungskonzern expandiert derzeit im Ausland. In Deutschland fährt der Versicherer in der Sparte Privat- und Firmenkunden dagegen einen Sparkurs. Bis 2015 sollen in diesem Bereich bundesweit 730 von rund 5600 Jobs abgebaut werden.
Die Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager.
Der größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im Jahr 2010 beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten.
Der Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn.
Die britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern.
Längst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich.
Der weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.
Der Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus.
Die französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufe sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro.
Die Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel.
Der britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus.