Windenergie in Deutschland: Den Kleinen geht die Puste aus

Windenergie in Deutschland
Den Kleinen geht die Puste aus

Windenergie an Land boomt. 2015 war das zweitbeste Jahr in der Geschichte der Industrie. Doch neue Regeln zur Subventionierung der Branche könnten kleine Akteure aus  dem Markt drängen – und die Akteursvielfalt beenden.

DüsseldorfHermann Albers lässt nicht locker. Seit Monaten appelliert, bittet, ja fleht er die Bundesregierung an, ihre Pläne nochmal zu überdenken. Der Chef des Bundesverbands Windenergie (BWE) ist in großer Sorge. Ausgerechnet Windkraft an Land, die billigste Form der Erneuerbaren Energien, werde „hart ausgebremst“, fürchtet der Oberlobbyist der Branche.  

Die Mahnungen von Albers muten erst einmal seltsam an. Schließlich geht es der Windenergie-Industrie blendend. 2015 war das zweitbeste Jahr in der Geschichte für die heimischen Windmüller. Nach aktuellen Berechnungen der Markforschungsfirma Deutsche Windguard wurden im vergangenen Jahr Windräder mit einer Leistung von rund 3.540 Megawatt neu installiert. Nur im Jahr 2014 waren es noch mehr.

An den deutschen Küsten und im Binnenland drehen sich bereits fast 26.000 Windräder. Rechnerisch können diese Anlagen etwa 20 Millionen Haushalte mit grüner Energie versorgen. Gut zwölf Prozent des Bruttostromverbrauchs hierzulande wird schon über Windkraftanlagen am Festland abgedeckt. Die Branche beschäftigt mehr als 130.000 Menschen und erwirtschaftete 2014 einen Umsatz in der Höhe von 11,8 Milliarden Euro. Aber jetzt droht Ungemach. Neue politische Vorgaben verunsichern die Industrie.

Bis jetzt war das Geschäft mit Windenergie quasi ein Selbstläufer. Um die Energiewende voranzutreiben, wurde jede Kilowattstunde Windstrom staatlich subventioniert. Zuletzt bezuschussten Verbraucher und Steuerzahler Windenergie an Land mit etwa 8,8 Cent pro Kilowattstunde – garantiert auf 20 Jahre. Das Wirtschaftsministerium arbeitet aber gerade an der Umstellung dieses festen Vergütungssystems für Ökostrom. Das Ziel: Die ausufernden Kosten in den Griff bekommen.

Weil alleine die Förderkosten für erneuerbare Energien zuletzt bei 25,7 Milliarden Euro pro Jahr lagen, verordnet Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den erneuerbaren Energien „mehr Markt und weniger Staat“. Konkret sollen die Vergütungen für Grünstrom ab 2017 nicht mehr per Gesetz festgelegt, sondern in einem Ausschreibungsverfahren ermittelt werden. Der Anlagenbetreiber, der sich mit der geringsten Subventionierung pro Kilowattstunde begnügt, bekommt dann den Zuschlag. Zudem schwebt Gabriel vor, den Zubau von Windkraftanlagen an Land, bei maximal 2500 Megawatt pro Jahr zu deckeln.

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