Vertrauen in der Wirtschaft
So gewinnt man neues Selbstvertrauen

Etlichen Managern mangelt es an Selbstvertrauen - auch wenn sie nach außen anders tun. Mentaltrainer versprechen Abhilfe, auf Wunsch ganz diskret im Einzeltraining. Wie das funktioniert? Ein Selbstversuch in Sachen Ego.
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KölnMein ganzes Leben liegt hinter mir. Alles fein säuberlich auf Karteikarten geschrieben. Rot für die schönen Ereignisse, gelb für die traurigen, enttäuschenden. Angefangen mit meiner Geburt – natürlich rot –  über meine Einschulung, Freundschaften und Feindschaften, den ersten Kuss, die erste Abfuhr, Abi, Studium, das gewonnene Fußballturnier…

Annette Auch-Schwelk hat das mit den Karteikarten vorgeschlagen. Sie ist mein Coach, sie hilft mir, mein Selbstvertrauen zu stärken und arbeitet mit mir an meinem Auftreten, ich mache einen Selbstversuch. „Wenn Sie hinter sich sehen, können Sie sich freuen“, sagt sie und deutet auf die Karteikarten, die auf dem Boden des Seminarraums im Kölner Süden liegen. „Fast nur rote Karten!“ Also schöne Erinnerungen und positive Ereignisse

„Führen Sie sich vor Augen, was Sie schon erreicht haben, woran Sie Spaß haben. Und seien Sie stolz darauf“, rät mir meine Trainerin. Normalerweise erteilt sie Managern solche Ratschläge, ihren eigentlichen Klienten. Mittleres Konzernmanagement, gestandene Unternehmer oder Führungskräfte aus dem Mittelstand.

Ich habe immer gedacht, dass es denen höchstens an Freizeit mangelt, aber nicht an Selbstvertrauen. Doch Auch-Schwelks Terminkalender sagt etwas anderes. Kurz vor Weihnachten hat sie in einer Woche Seminare und Coachings in fünf Städten gegeben. „Im Kern geht es dabei immer um Selbstvertrauen“, sagt die Trainerin.

Für viele Firmen wie Siemens, die Deutsche Bahn und die Deutsche Post ist die Zusammenarbeit mit externen Coaches zur Normalität geworden. Mehr als 1.600 Coaches und Trainer sind in den sechs größeren deutschen Berufsverbänden organisiert, dazu kommen nochmals mehrere tausend, die sich nicht in Verbänden organisieren. Genaue Zahlen sind da nicht bekannt – aber: die Branche boomt.

„Seitdem Burnout-Erkrankungen so ein großes Thema sind, wenden sich viele Manager von selbst an mich, also ohne, dass ihr Konzern ein Seminar buchen würde“, sagt Annette Auch-Schwelk. Besonders der Selbstmord des Hannoveraner Torhüters Robert Enke habe sich auf ihren Berufsstand  ausgewirkt: Unmittelbar, nachdem Enkes Tod bekannt wurde, hätten sich bei ihr zwei Männer zu Seminaren angemeldet. „Auch das Seminar ‚Umgang mit emotionalen Turbulenzen‘, das ich bei einem großen Konzern anbiete, ist in letzter Zeit immer ausgebucht“, berichtet Auch-Schwelk.

Die Berater sind hochgradig spezialisiert: mal auf Führungsstärke, mal Selbst-Organisation, mal Kommunikation mit Mitarbeitern. Oder eben Selbstvertrauen, die Spezialität meiner Trainerin. Auch-Schwelk arbeitet selbstständig und ist wie die meisten Trainer über zahlreiche Fortbildungen und Lehrgänge zu ihrem Beruf gekommen. Ein Patentrezept für ein solches Coaching gibt es nicht. „Es hängt viel davon ab, wie offen der Klient ist und wo seine Stärken und Schwächen liegen“, sagt Auch-Schwelk.

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