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Diskussion: Kommentare zu: Verkürzte Privatinsolvenz: Ein falscher Anreiz?

Karikatur eines Community-Trolls

Liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie Trolle? Das sind Unholde, die nichts Gutes im Schilde führen. Internet-Trolle gibt es auch. Das sind solche, die „Beiträge verfassen und sich darin auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken“, heißt es in den einschlägigen Definitionen. Solche Provokationen würgen eine Diskussion ab. Internet-Trolle sind also Menschen, die wir in unserer Handelsblatt-Online-Community nicht brauchen. Was wir gut finden, sind Kommentatoren. Gerne solche, die auf den Punkt kommen - von uns aus kurz und schmerzhaft.
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  • 20.05.2013, 15:35 UhrFalko

    Aus meiner Sicht versucht man hier ein an sich unmögliches System (Privatinsolvenz) für die Gläubiger zu verbessern. Die Anreize, die durch die bedingte Verkürzung des Privatinsolvenz-Verfahrens geschaffen werden, sind nachvollziehbar - da stimme ich zu, aber ich kann das Verfahren als ganzes nicht gutheißen.

    Jemand, der sich von jemand anderem Geld geliehen hat, muss dies zurück zahlen - völlig egal, ob er dafür die restliche Zeit seines Lebens braucht.

    Man kann Zahlungen stunden, um den Schuldnern Handlungsspielraum zu geben, aber Schulden zu erlassen kann aus meiner persönlichen Sicht grundsätzlich unmöglich richtig sein.

    Man kann das meines Erachtens nach vergleichen mit den Schuldenschnitten in der EU. Aus meiner Sicht ist das ein skandalöser Verfall der Werte in unserer Gesellschaft. Werte wie persönliche Ehre und Verantwortung werden aufgeweicht und relativiert.

    Welcher Investor kann denn heute noch guten Gewissens in Staatsanleihen investieren? Für mich hätte sich das nach den Schuldenschnitten komplett erledigt.

    Privatinsolvenz und Schuldenschnitte stören aus meiner Sicht erheblich die Integrität unseres Wirtschaftssystems und sind moralisch höchst bedenklich.

    "Nehmt euch Kredite auf solange Ihr sie bekommt, und wenn eure Pläne dann doch nicht aufgehen, macht einfach eine Privatinsolvenz/Schuldenschnitt und lacht nach Verfahrensende euren -ehemaligen- Gläubigern ins Gesicht."

    - keine Ehre, keine Verantwortung.

  • 20.05.2013, 17:52 Uhrcreditcrunch

    Zunächst einmal kann festgestellt werden, dass diese ganze Kreditkultur vom Handel selbst angefeuert wird, um Nachfrage zu produzieren wo eigentlich keine sein sollte. Früher hat kein Mensch seinen Fernseher auf Pump gekauft, heute wird einem schon das Gefühl vermittelt man wäre nicht normal wenn man ihn nicht "fremdfinanziert". In Frankreich kommt man an keiner Supermarkkasse mehr vorbei, ohne dass man einem bunte Werbebroschüren der Hauseigenen Kundenkarte in die Hand drückt - praktischerweise grad zusammen mit Angeboten für einen "Crédit à la consommation". Mal abgesehen davon, dass es offensichtlich ist bei welcher Bevölkerungsgruppe diese Kredite landen - nähmlich bei denen, die sich den Fernseher eben genau nicht leisten können - scheint es sich dank Wucherzinsen ja trotzdem zu lohnen. Gleiches gilt dort übrigens auch für Banken, eröffnet man als Normalsterblicher ein Konto, hat man keinen Dispo...er kann aber von der Bank grosszügigerweise eingeräumt werden. Gerät man, und sei es nur as Unachtsamkeit, in Unterdeckung, so gewährt einem die Bank grosszügigerweise Kredit. Das Geld holt sie sich natürlich sofort zB. vom Sparkonto des Kunden und berechnet für diese "Intervention" läppische 10.- EUR. Das ganze System ist kaputt und dient dazu auf dem Rücken von Menschen deren Lohn zT. schon nicht mehr zum Leben reicht, Profit zu generieren.
    Es ist unbestreitbar, dass wir alle etwas mehr Disziplin an den Tag legen sollten, dem Markt täte aber etwas mehr Anstand ganz gut. Die Verantwortung für diese Situation allein dem säumigen Schuldner zur Last zu legen ist einfach nur fadenscheinig.
    Eine Denkanregung an meinen Vorredner: Kredit ist mit einem Ausfallrisiko verbunden das durch den Zins abgegolten wird. Wer Kredit gibt hat sich gefälligst des Risikos bewusst zu sein - auch bei Staatsanleihen.

  • 20.05.2013, 17:57 Uhrcreditcrunch

    P.S: schon mal einem Unternehmen was geliehen? Da wird dann üblicherweise einfach Konkurs angemeldet. Abgesehen von der Konkursmasse ist auch da dann alles weg - ohne Zugriffsmöglichkeit auf beiseite geschafftes Privatvermögen. Und am nächsten morgen hat der Heinzel der die Firma an die Wand gefahren hat auch schon ein neues Unternehmen gegründet - ohne dafür 6 Jahre lang für den angerichteten Schaden gerade stehen zu müssen. Bei solchen Diskussionen würde ich mir wirklich etwas mehr Augenmass wünschen...

  • 23.05.2013, 07:52 Uhrnetshadow

    Es wäre nur die Herstellung der "Gleichheit der Waffen".
    Der eine hat das Risiko des Ausfalls, der andere das Risiko kein Geld mehr zu verdienen.
    Wer Geld hat, braucht keinen Kredit.
    Konsumkredite sind das was sie sind, Konsum der Gegenwart um sich für die Zukunft zu verschulden.
    Und daran verdienen sich viele Leute dumm und dämlich.
    Wo soll diese ganze sonst Geldmasse herkommen?
    Wenn Schuldner nach 3 Jahren wieder atmen können, wird die Kreditgesellschaft vorsichtiger und sieht zu das Kredite auch in dieser Zeit gezahlt werden können.
    Die Dispo-Mentalität ist sowieso eine Sache, habe ich noch in keinem anderen Land so extrem erlebt, das Geld quasi hinterher geworfen wird.