Vor der Fußball-WM
Ein Toter bei Unruhen in Rio de Janeiro

Knapp zwei Monate vor der Fußball-WM gleichen viele Favelas von Rio einem Pulverfass. In einem der Slums flammte nach dem Tod eines bekannten Tänzers die Gewalt auf. Es flogen Sprengsätze, ein Mann wurde erschossen.
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Rio de JaneiroBei schweren Ausschreitungen in einem Slum in Rio de Janeiro ist ein 30 Jahre alter Mann ums Leben gekommen. Ein zwölf Jahre alter Junge wurde zudem angeschossen, wie die Zeitung „O Globo“ unter Berufung auf Vertreter der Gesundheitsbehörde berichtete.

Im Verlauf der Proteste wurde dem 30-Jährigen in den Kopf geschossen. Bei Ankunft im Krankenhaus konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Das meldete das Nachrichtenportal des brasilianischen Senders Globo.

Aus Wut über den Tod eines anderen Favela-Bewohners zogen zuvor Dutzende junger Männer am Dienstag los und schleuderten selbst gebaute Sprengsätze auf eine belebte Straße im Touristengebiet in der Copacabana. Zudem legten sie Feuer und warfen mit Flaschen und anderen Gegenständen.

Als eine Eliteeinheit der Polizei dann in den Slum Pavao-Pavaozinho einrückte, waren Schusswechsel zu hören. Wer die Schüsse auf das Todesopfer abgab, war zunächst unklar. Die Polizei gab zunächst keine Stellungnahme ab.

Die betroffene Gegend ist nur wenige Hundert Meter von Spielstätten für die Olympischen Spiele 2016 entfernt, die Favela liegt nahe der Copacabana. Durch den Gewaltausbruch wurde der Verkehr auf mehreren Hauptstraßen der brasilianischen Metropole lahmgelegt.

Hintergrund der Unruhen ist der Fund einer Leiche eines 25-Jährigen in dem Slum. Bei dem jungen Mann handelte es sich um einen bekannten Tänzer in einer Fernsehshow des größten Senders Globo. Die Hintergründe seines Todes sind bislang unklar, doch machten die Demonstranten die Polizei dafür verantwortlich.

„Die Polizei hat meinen Freund zu Tode geprügelt, genauso wie sie in anderen Vierteln gefoltert und getötet haben“, sagte ein Bewohner von Pavao-Pavaozinho, Johanas Mesquita. „Diese Bemühungen zur Befriedung der Favelas sind fehlgeschlagen, die Polizeigewalt ersetzt doch nur, was die Drogengangs vorher getan haben.“

Vor der Fußballweltmeisterschaft im Juni haben Sicherheitskräfte im großen Stil Verbrecherbanden aus Slums in Rio hinausgedrängt. Bislang sind auf diese Weise 37 „polizeilich befriedete Gebiete“ in einem von 1,5 Millionen Menschen bewohnten Areal entstanden. Die Gangs schlagen jedoch mit Attacken auf Polizeiposten zurück. Zudem klagen Menschen in den Favelas immer wieder über das übermäßig harte Vorgehen von Beamten, das oft zum Tod von Slumbewohnern führe.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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