Wirtschaft, Handel & Finanzen AKTIEN IM FOKUS 2: WPP fallen nach Chef-Rücktritt - Stimmung für Branche trübe

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  • dpa

LONDONDie Aktien von WPP haben nach dem Rücktritt von Vorstandschef Martin Sorrell am Montagnachmittag stark nachgegeben. In London standen die Papiere zuletzt mit 5,26 Prozent im Minus auf 1126 Pence. Seit ihrem Rekordhoch im Februar 2017 bei 1928 Pence haben sie inzwischen gut zwei Drittel ihres Börsenwerts eingebüßt.

Sorrell legt nach Angaben des weltgrößten Werbekonzerns vom Wochenende sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. WPP hatte Anfang April firmeninterne Ermittlungen wegen eines möglichen Fehlverhaltens eingeleitet. Sorrell wies die Vorwürfe zurück.

Die Analysten der Credit Suisse senkten laut einer Studie vom Montag bei unveränderter "Neutral"-Einstufung ihr Kursziel für WPP von 1400 auf 1300 Pence. Eine Kombination aus zusätzlichen Risiken durch den Chef-Weggang und einer Senkung ihrer Gewinnschätzungen sei dafür der Grund. Kurzfristig wirke der Rücktritt negativ, längerfristig sei er aber unabdingbar gewesen. WPP müsse nun möglicherweise eine ähnliche Strategie wie Konkurrent Publicis einschlagen, basierend auf einer Annäherung von Marketing und Beratung.

Der Rücktritt des Werbemoguls Sorrell lastete am Montag auch auf der europäischen Medien- und Werbebranche. So gaben in Paris die Papiere der Agentur Publicis , des Werbedienstleisters JCDecaux und der französischen Verlags- und Mediengruppe Lagardere sämtlich leicht nach. Der europäische Mediensektor gab um 0,55 Prozent nach.

Am deutschen Aktienmarkt verloren die Anteilsscheine des Anbieters von Außenwerbung Ströer 2,2 Prozent. ProSiebenSat.1 verloren 1,7 Prozent. Hier wies ein Händler zudem darauf hin, dass die Aktie zuletzt nicht über den Widerstand bei der runden Marke von 30 Euro gestiegen sei und nun wieder nachgebe.

WPP hatte in letzter Zeit mit erheblichen Problemen zu kämpfen gehabt. So drückt der Sparzwang auf die Werbebudgets der Kunden. Hinzu kommen Tech-Innovationen, die die Werbebranche umkrempeln. Im vergangenen Jahr musste WPP dreimal seine Wachstumsprognosen revidieren. Und auch für 2018 bleiben die Aussichten trübe.

Die Analysten von Liberum sehen für den Aktienkurs gleichwohl Licht am Ende des Tunnels. Sorrells Rücktritt werde die Spekulationen über die Zukunft des Konzerns anheizen, schrieben sie in einer aktuellen Studie. Sie sehen nun eine klare Möglichkeit, dass WPP das Marktforschungssegment und auch das PR-Geschäft verkaufen werde. Die Bewertungslücke zu den Aktien anderer Werbekonzerne dürfte sich schließen. Sie raten zum Kauf mit einem Kursziel von 1750 Pence./ajx/bek/jha/

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