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Naher OstenHamas lässt die drei ersten Geiseln frei

Drei Frauen im Alter von 24 bis 31 Jahren sind nicht mehr in der Gewalt der Hamas. Israel zieht derweil Truppen zurück und öffnet den Weg für Hilfsgüter. Die erste Phase des Abkommens läuft.Pierre Heumann 19.01.2025 - 17:26 Uhr Artikel anhören
Übergabe der Geiseln: Drei Frauen im Alter von 24 bis 31 Jahren kamen frei. Foto: REUTERS

Tel Aviv. Nach mehr als 15 Monaten Krieg zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas ist am Sonntag die vereinbarte Waffenruhe im Gazastreifen in Kraft getreten. Wie im Abkommen vereinbart, sind die ersten israelischen Geiseln frei. Die drei Frauen im Alter von 24 bis 31 Jahren wurden am Sonntag dem Roten Kreuz übergeben, wie die israelische Armee mitteilte. Damit startet die erste Phase des Abkommens.

In der 42 Tage andauernden Phase soll die Hamas 33 der im Gazastreifen verbliebenen Geiseln freilassen. Im Gegenzug sollen 1904 inhaftierte Palästinenser freikommen. Darunter sind auch mehrere, die wegen tödlicher Terroranschläge und wegen Mordes zu mehrfach lebenslangen Haftstrafen verurteilt wurden.

Die israelischen Streitkräfte sollen sich, wie vereinbart, aus den Städten Gazas in eine „Pufferzone“ am Rande des Gebiets zurückziehen. Damit wird es vertriebenen Palästinensern wieder möglich, in ihre Heimat zurückzukehren. Zudem sollen die humanitären Hilfslieferungen deutlich erhöht werden.

Dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dem Deal zustimmte, werten Nahostexperten als das Resultat unmissverständlicher Drohungen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Er hatte seinen designierten Nahostbeauftragten Steve Witkoff angewiesen, Netanjahu eine „deutliche Botschaft“ zu übermitteln, heißt es im „Wall Street Journal“.

Ein fast identischer Text des nun getroffenen Abkommens hatte bereits im Mai 2024 vorgelegen, wurde damals aber von Netanjahu abgelehnt. Damals hatten zwei rechtsradikale Parteien damit gedroht, die Koalition zu verlassen. Dann hätte die Regierung ihre Mehrheit im Parlament verloren. Inzwischen hat Netanjahu aber nach Ansicht von Experten  mehr Angst vor Trump als vor den beiden Parteien, die weiterhin nichts von einer Waffenruhe wissen wollen.

Fragiles Abkommen

Aus Protest gegen die nun vereinbarte Waffenruhe trat der ultrarechte israelische Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir von der Partei Yehudit zurück. Doch bislang ist er der einzige, wenngleich der ebenfalls rechtsextreme Finanzminister ebenfalls mit Rücktritt drohte. So behält Netanjahu die Mehrheit im Parlament. Auch hat sich Ben-Gvir die Option offengehalten, bei einer Wiederaufnahme des Kriegs in die Regierung zurückzukehren.

Um zu unterstreichen, für wie fragil er das Abkommen hält, plant Witkoff, in den kommenden Monaten „fast ständig“ im Nahen Osten präsent zu sein. Er will Probleme vor Ort lösen, die seiner Meinung dafür sorgen könnten, dass das Abkommen doch noch scheitert. Denn das würde die Freilassung der von der Hamas im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln verhindern.

Mit der Waffenruhe übernimmt die Hamas in Teilen des Gazastreifens wieder die Kontrolle. Sie werde die Einfuhr humanitärer Hilfe überwachen, teilte sie in einer Erklärung mit. Sie feierte zudem die bevorstehende Freilassung „heldenhafter“ palästinensischer Gefangener, wie es heißt.

Donald Trump und sein designierter Nahostbeauftragter Steve Witkoff: Letzterer plant in den kommenden Monaten „fast ständig“ im Nahen Osten präsent zu sein. Foto: REUTERS

Hamas-Mitglieder jubelten auch über den Rückzug der israelischen Streitkräfte aus ihren Stellungen im Gazastreifen – etwa in Militärkleidung und mit Sturmhauben auf der Ladefläche eines Lastwagens, wie es ein Video zeigt.

Das Waffenstillstandsabkommen, das am Freitagabend von der israelischen Regierung gebilligt wurde, beendet den Krieg. Er hatte  begonnen, als die von der Hamas angeführten Terroristen am 7. Oktober 2023 in den Süden Israels eindrangen. Sie töteten dabei mehr als 1200 Menschen und verschleppten 251 Geiseln.

Israel geht derzeit davon aus, dass sich 94 der während des Hamas-Angriffs entführten Geiseln noch im Gazastreifen befinden. Darunter werden die Leichen von mindestens 34 Personen vermutet, deren Tod von den israelischen Streitkräften bestätigt wurde.

Das Abkommen sieht drei Phasen vor

Das nun vereinbarte Abkommen sieht drei Phasen vor. Vor allem die Letzte kann dabei möglicherweise Jahre dauern. In ihr geht es zum einen um den Austausch der Leichname verstorbener Geiseln und Hamas-Mitglieder, zum anderen aber auch um einen Wiederaufbauplan für Gaza.

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Ein großer Teil der internationalen Gemeinschaft hat sich dafür ausgesprochen, dass die halbautonome palästinensische Autonomiebehörde mit Sitz im Westjordanland, die 2007 die Kontrolle über Gaza an die Hamas verloren hat, in den Gazastreifen zurückkehrt. Israel hat diesen Vorschlag jedoch wiederholt abgelehnt.

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