MWC: Wie neue Gadgets den Umgang mit Technologie verändern könnten
Barcelona. Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona ist die größte Mobilfunkmesse der Welt. Auch wenn Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom die größten Stände betreiben, ist der Branchentreff ein Forum für Geräte, die in der Zukunft das Leben von Verbrauchern prägen könnten. Das Handelsblatt stellt einige Ideen vor, die in den nächsten Jahren auf die ein oder andere Weise den Umgang mit Technologie verändern könnten.
Sonnenlicht fürs Büro
Dem Klischee zufolge bekommen computerspielende Jugendliche zu wenig Sonnenlicht ab und sind etwas blass um die Nase. In der Wirklichkeit dürfte das genauso auf ihre Eltern zutreffen, die zu lange im Büro oder Homeoffice sitzen. Dieses Defizit will das Start-up SunLED mit einer Lampe beheben, die sich am Bildschirm festklemmen lässt.
Der „Sunbooster“ gibt mit drei LEDs Nahinfrarotstrahlen in Richtung Gesicht ab. Diese seien wichtig für die Gesundheit, sagt Gründerin Anne Berends. Eine Dosis von drei Stunden pro Tag soll unter anderem dafür sorgen, dass die Herzfrequenz sinkt und das Immunsystem robuster wird. Die Materialwissenschaftlerin beruft sich auf Studien, an denen sie an der Universität Maastricht mitgewirkt hat. Negative Nebenwirkungen gebe es nicht.
Das Start-up aus den Niederlanden will den Sunbooster ab dem vierten Quartal als eigenes Gerät verkaufen – mit der Private-Equity-Gesellschaft Momentum Global Ventures als Geldgeber. Der Preis soll zwischen rund 130 und 180 Euro liegen. Zudem sucht SunLED Partner, die die Technologie in ihre Produkte integrieren, beispielsweise in Monitore oder Autos.
Ein Übersetzer im Ohr
Der chinesische Elektronikkonzern Honor will Sprachbarrieren in Gesprächen auflösen. Die Kopfhörer Earbuds Open könnten in Echtzeit zwischen 15 verschiedenen Sprachen übersetzen – sofern sie mit einem Smartphone gekoppelt sind. Der Babelfisch aus der Science-Fiction-Komödie „Per Anhalter durch die Galaxis“ lässt grüßen.
Die Kopfhörer wiegen pro Ohr nur 7,9 Gramm und sind für langfristiges Tragen ausgelegt. Ein mit Silikon verkleideter Bügel soll die Geräte auch bei sportlichen Aktivitäten fest am Ohr halten, eine aktive Geräuschunterdrückung sorgt für mehr Ruhe. Rund 150 Euro wird das Produkt kosten.
Das Gerät gebe einen Vorgeschmack auf die Neuausrichtung von Honor, sagt Deutschlandchef Roger Li Yun: „Unsere Zukunft ist Künstliche Intelligenz.“ Das Management sieht nicht mehr allein Smartphones als Zukunftsmarkt, sondern will sich ein ganzes „Ökosystem“ aufbauen. Dafür will das Unternehmen, das aus dem Huawei-Konzern hervorgegangen ist, zehn Milliarden Dollar investieren.
Die Hand als Fernbedienung
Die Szene ist schon mehr als 20 Jahre alt: Im ikonischen Science-Fiction-Thriller „Minority Report“ steuert ein von Tom Cruise gespielter Polizist einen Computer mit ausgreifenden Gesten – mithilfe spezieller Handschuhe.
Im echten Leben ist die Umsetzung jedoch wie so oft schwieriger als im Film. Serienprodukte für die Gestensteuerung gibt es bis heute praktisch nicht. Doch im Januar hat das israelische Start-up Mudra das Armband Link auf den Markt gebracht, das die Bedienung von Geräten aller Art mit Gesten ermöglichen soll.
Das Armband misst neben Bewegungen und Drehungen der Hand auch die elektrischen Signale, über die das Nervensystem die Muskeln steuert. Die Software übersetzt diese in Befehle, etwa die Auswahl eines Programms oder die Bewegung eines Objekts.
Mudra vermarktet das Armband vor allem als Bedienhilfe für Geräte wie Augmented-Reality-Brillen, die keine eigenen Eingabegeräte haben. Das rund 200 Dollar teure System eignet sich prinzipiell aber für viele Systeme – die Software ist auch mit den Betriebssystemen Windows und MacOS kompatibel.
Ein Assistent zum Anklipsen
Äußerlich hat sich das Design von Laptops seit Jahrzehnten kaum verändert – das Format eines aufklappbaren Computers ist einfach alltagstauglich. Marktführer Lenovo experimentiert jedoch mit Möglichkeiten, das Gerät zu erweitern. Dafür hat der chinesisch-amerikanische Hersteller das „Magic Bay“-System entwickelt, an dem sich Zubehör magnetisch befestigen lässt.
Auf dem MWC hat Lenovo nun neues Zubehör für den Magnetanschluss vorgestellt. So könnte ein Laptop künftig um zwei zusätzliche Bildschirme erweitert werden. Das würde die Dreierkombination, die manche Nutzer auf dem Schreibtisch stehen haben, mobil machen.
Der kleinere Zusatzbildschirm „Tiko Pro“ kann Systeminformationen anzeigen und für die Interaktion mit dem digitalen Assistenten von Lenovo genutzt werden. Die spielerische Variante „Tiko“ hat Katzenohren am Gehäuse und Kulleraugen auf dem Bildschirm. Nutzer können ihn für die „emotionale Interaktion“ nutzen, erklärt Lenovo – ohne mehr Details zu nennen.
Ob die Erweiterungen auf den Markt kommen, ist unklar: Lenovo will das Interesse am Markt testen. Frühere Konzepte – etwa ein Notebook mit rollbarem Bildschirm – sind bislang nicht in Serie gegangen.
Patientengespräch per Hologramm
Am besten kann ein Arzt seine Patienten behandeln, wenn sie ihm gegenüber sitzen. Doch bei besonders kranken oder ansteckenden Patienten geht das oft nicht. Für solche Fälle will das Start-up Holoconnects mit seiner neuen Technologie „die menschliche Verbindung verbessern“: Als Alternative zu Telefon- und Videoanrufen haben die Niederländer die „Holobox“ entwickelt, in der das Gegenüber dreidimensional und in Lebensgröße zu sehen ist. Eine schnelle Internetverbindung vorausgesetzt.
Einsatzgebiete sieht das Start-up insbesondere im Gesundheitswesen. Etwa, um in Krankenhäusern Spezialisten von anderen Standorten dazuzuschalten oder anhand von Bildmaterial Operationen zu besprechen. Das geht zwar auch per Telefon oder Video. Beim Unternehmen heißt es aber: „90 Prozent der Kommunikation ist Körpersprache.“
Zu den Pilotkunden zählen ein Krankenhausbetreiber in Texas und eine Apotheke in den Niederlanden. Auch eine Hotelkette in Skandinavien nutzt die Technologie bereits. Als flexiblere Möglichkeit gibt es zusätzlich auch die Holobox Mini, die zwar deutlich kleiner ist, sich dadurch aber auch leichter transportieren lässt.