Allianz: Das nächste Rekordergebnis – dennoch enttäuscht der Versicherer
München. Die Allianz hat für das erste Quartal 2025 erneut starke Zahlen präsentiert und die Analysten dennoch enttäuscht. Der operative Gewinn stieg um über sechs Prozent auf 4,2 Milliarden Euro und war damit so hoch wie noch nie, wie der Versicherer am Donnerstag mitteilte. Er lag damit in der erwarteten Größenordnung.
Der Quartalsüberschuss hingegen verfehlte die Erwartungen der Finanzprofis. Wegen eines Sondereffekts stagnierte dieser bei 2,6 Milliarden Euro, während die von der Allianz befragten Analysten mit 2,7 Milliarden Euro gerechnet hatten.
Philip Kett von Jefferies schreibt deshalb auch von einer „Enttäuschung“ - Investoren sahen das wohl ähnlich und quittierten die Ergebnisse mit Verkäufen: An der Börse lag die Aktie am Donnerstagvormittag zeitweise mehr als drei Prozent im Minus und zählte damit zu den schwächeren Werten im Leitindex Dax.
Die Finanzexperten der Investmentbank KBW hatten diese Entwicklung erwartet: Für kurzfristig orientierte Anleger seien die jüngsten Zahlen womöglich ein Grund für Gewinnmitnahmen. Langfristig betrachtet wirkten sie jedoch solide, schreiben die Analysten in einem Kommentar.
Die Allianz habe einen sehr guten Start in das Jahr gehabt, betonte auch Finanzvorständin Claire-Marie Coste-Lepoutre: „Wir haben unsere Wachstumsdynamik und attraktive Margen in allen Geschäftsbereichen beibehalten.“ Die Allianz sei daher gut aufgestellt, die Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen.
Der Konzern strebt an, einen operativen Gewinn von 16 Milliarden Euro mit einer Spanne von plus oder minus einer Milliarde Euro zu erzielen. Im ersten Quartal erreichte der Versicherer somit mehr als ein Viertel des mittleren Zielwerts.
Das gesamte Geschäftsvolumen stieg in den ersten drei Monaten des Jahres um 11,7 Prozent auf 54 Milliarden Euro. Dass der auf die Anteilseigner entfallende Quartalsüberschuss mit 2,6 Milliarden Euro stabil blieb, lag an einem Sondereffekt. Ohne eine einmalige Steuerrückstellung im Zusammenhang mit dem Verkauf der indischen Gemeinschaftsunternehmen an die Bajaj-Gruppe wäre er um fünf Prozent gestiegen. Den Verkaufserlös in Höhe von 2,6 Milliarden Euro will die Allianz in dem Land reinvestieren. Noch keine Neuigkeiten gab es, wie es bei der Suche nach einem neuen Partner läuft.
Allianz setzt weitere Preiserhöhungen durch
Im Segment Schaden- und Unfallversicherung legte der operative Gewinn um fünf Prozent auf etwa 2,2 Milliarden Euro zu – ebenfalls ein Quartalsrekord. Der siebenprozentige Anstieg des Geschäftsvolumens auf 27 Milliarden Euro resultierte vor allem aus Prämiensteigerungen bei Privatkunden. Regional wuchs der Versicherer vor allem in Italien, Lateinamerika und im Heimatmarkt Deutschland.
Die Dynamik bei den Preisen im Geschäft mit Gewerbekunden habe sich jedoch entschleunigt, teilte die Allianz mit. Die Industrieversicherungseinheit AGCS verzeichnete gar einen Umsatzrückgang um 11,6 Prozent. Das Marktumfeld sei vor allem im Sachversicherungsgeschäft in Nordamerika und in der Cyberversicherung schwächer gewesen.
Trotz höherer Schäden durch Naturkatastrophen als im Vorjahresquartal sank die Schaden-Kosten-Quote leicht auf 91,8 Prozent. Sie war damit sowohl unter dem Zielwert für das Gesamtjahr als auch besser als von Analysten erwartet. Je weiter die Kennzahl unter 100 Prozent liegt, desto profitabler ist das Geschäft.
In der Lebens- und Krankenversicherung kletterte der Barwert des Neugeschäfts um 16,8 Prozent. Der operative Gewinn stieg um 7,6 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Die Allianz verwies auf ihre globale Aufstellung in dem Segment. Sie sei im ersten Quartal in den meisten Regionen gewachsen – allen voran in Deutschland, Italien und Asien-Pazifik. Die Neugeschäftsmarge, die die Profitabilität des neuen Geschäfts misst, sank allerdings von 5,7 auf 5,5 Prozent.
Die Vermögensverwaltung hat das operative Ergebnis um 4,8 Prozent auf 811 Millionen Euro verbessert. Den Tochtergesellschaften Pimco und Allianz Global Investors flossen im ersten Quartal netto zwar 28,7 Milliarden Euro zu. Das für Kunden verwaltete Vermögen blieb dennoch seit dem Jahresende mit 1,9 Billionen Euro nahezu unverändert, da die Nettomittelzuflüsse und Kurssteigerungen durch Wechselkurseffekte kompensiert wurden.