Banken: So will die ING junge Zielgruppen für sich gewinnen
Frankfurt. Lars Stoy gibt sich auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts gelassen – trotz des deutlichen Gewinnrückgangs seiner Bank in den ersten beiden Quartalen im Vergleich zum Vorjahr. Das Institut sei von den Ergebnissen „nicht negativ überrascht“, sagte der ING-Deutschlandchef.
Die ING Deutschland hatte im zweiten Quartal wegen eines geringeren Zinsüberschusses einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet. Der Vorsteuergewinn brach von April bis Juni im Vorjahresvergleich um 22 Prozent auf 381 Millionen Euro ein. Das konnte auch ein steigender Provisionsüberschuss nicht ausgleichen.
Die gesamte Gruppe sei insgesamt sehr zinsabhängig, so Stoy. Strategisch gehe es darum, den Provisionsüberschuss zu stärken – unter anderem durch das Wertpapiergeschäft.
Drei Millionen Depots hat die ING Deutschland laut Stoy. Im Herbst wolle die Bank ein spezielles Angebot für jüngere Leute starten, kündigte er an. Konkret wollte sich Stoy dazu aber noch nicht äußern.
Vielversprechend entwickle sich die Baufinanzierung. Sie habe eine „gute Konjunktur“, was auch das Provisionsgeschäft stärke.
Ende März hatte die Bank ein lang gehegtes Ziel von zehn Millionen Kunden erreicht. Künftig will sie nach eigenen Angaben die Anzahl der Hausbankkunden ausbauen. „Wir können mit den Kunden noch intensiver arbeiten“, sagte Stoy.
Zu den Hausbankkunden zählen Kunden, die neben dem Girokonto mit monatlichem Geldeingang mindestens ein weiteres Produkt der Bank nutzen. Im ersten Halbjahr konnte das Institut diese Zahl allerdings nur um 100.000 Kunden steigern, nach 300.000 im Jahr 2024.
Den Schwerpunkt auf Hausbankkunden rückt die Bank auch mit einer anderen Zielvorgabe stärker in den Fokus. So will sie gruppenweit jährlich eine Million „Mobile Primary Customers“ über alle Märkte hinweg gewinnen. Dazu gehören Kunden, die die mobile App regelmäßig nutzen, ein Gehaltskonto haben sowie noch ein weiteres Produkt nutzen. 2,75 Millionen solcher „Mobile Primary Customers“ zählte die ING Deutschland Ende Juni.
Bei den Kundengruppen hat Stoy neben den Hausbankkunden vor allem Firmenkunden und auch Affluent-Kunden im Blick. Hierzu zählt die Bank Kunden, die über ihre Giro-, Spar- und Depotkonten über ein frei investierbares Vermögen von 100.000 bis 500.000 Euro verfügen. Für diese Zielgruppe will Stoy neue Investmentangebote schaffen. Neben den Affluent-Kunden soll der Fokus aber auch auf den jungen Kunden (Generation Z) liegen. Hierfür will der Deutschlandchef die Markenbekanntheit erhöhen.
Girokonto für Kinder auf den Weg gebracht
Im vergangenen Monat hatte das Institut ein Girokonto für Kinder auf den Weg gebracht. „Wir sind mit dem Start zufrieden“, sagte Stoy. Eine konkrete Zahl wollte er nicht nennen. Der Markt ist groß: Der Neobroker Trade Republic hatte innerhalb von zwei Monaten nach dem Start rund 100.000 Kinderdepots eröffnet.
Die ING Deutschland bietet ihren Kunden seit Kurzem den Bezahldienst und Paypal-Konkurrenten Wero an. Wero ist ein Handy-zu-Handy-Zahlangebot, das auch auf Echtzeitüberweisungen basiert.
Mehr als 100.000 Kunden seien freigeschaltet, sagte Stoy. Er sehe eine „stetig lineare Zunahme“.
Erstpublikation: 03.09.2025, 17:47 Uhr.