Tarifverhandlungen: Erhöhung oder Einmalzahlung? Kompromisssuche in Stahlbranche
Berlin. Vor der nächsten Verhandlungsrunde für die insgesamt rund 68.000 Stahlbeschäftigten in Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Ostdeutschland sind die Fronten verhärtet. Die Arbeitgeber haben in den separat geführten Verhandlungen für Nordwest- und Ostdeutschland angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Branche bisher nur Einmalzahlungen angeboten. Die Gewerkschaft IG Metall beharrt aber auf einer dauerhaft wirkenden prozentualen Erhöhung der Entgelte.
An diesem Dienstag startet in Düsseldorf die dritte Verhandlungsrunde. Die zweite Runde für Ostdeutschland war am Montag ergebnislos zu Ende gegangen. „Die Beschäftigten brauchen eine dauerhafte Erhöhung ihrer Entgelte“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Jan Otto. Nur mit Einmalzahlungen ließen sich die Reallöhne der Beschäftigten nicht sichern.
Die Gewerkschaft ist ohne eine bezifferte Prozentforderung in die Verhandlungen gegangen, fordert aber mindestens den Ausgleich der Inflation, um die Kaufkraft der Beschäftigten zu sichern. Die Arbeitgeber sehen wenig Verteilungsspielraum und verweisen auf die 50-Prozent-Zölle für US-Stahlimporte aus Europa, den fehlenden Außenhandelsschutz gegen Billigstahl aus China, die fortschreitende Deindustrialisierung und die hohen Kosten für Energie sowie die Transformation zu klimafreundlich produziertem Stahl.
Arbeitgeber von Gewerkschaftshaltung enttäuscht
In der zweiten Verhandlungsrunde hatten sie deshalb nur Einmalzahlungen in Höhe von insgesamt 500 Euro für den Zeitraum Januar bis September 2026 und die Verlängerung der Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung, zu Arbeitszeitkonten, zur Altersteilzeit und zum Einsatz von Werkverträgen angeboten.
Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Stahl, Gerhard Erdmann, zeigte sich am vergangenen Freitag nach der zweiten Verhandlungsrunde in Düsseldorf enttäuscht über die „eher dogmatische Reaktion“ der Gewerkschaft, die das Angebot zurückgewiesen hatte.
Die von der IG Metall geforderte Reallohnsicherung lasse sich mit einer Einmalzahlung genauso gut erreichen wie mit einer Prozenterhöhung, argumentiert der Verband – insbesondere, wenn man sich auf eine kurze Laufzeit des Tarifvertrags einige. Außerdem habe die Gewerkschaft selbst erklärt, dass außergewöhnliche Umstände auch außergewöhnliche Maßnahmen erforderten. Eine Einmalzahlung sei eine solche außergewöhnliche Maßnahme.
Ein fairer Ausgleich zwischen den Erwartungen der Beschäftigten und den finanziellen Möglichkeiten der Unternehmen könne nur gelingen, wenn die IG Metall „unsere konstruktiven Lösungsvorschläge nicht aus rein dogmatischen Überlegungen zurückweist“, sagte Erdmann.