Chiphersteller: Rekordjagd von TSMC dämpft Ängste vor KI-Blase
Tokio, Düsseldorf. Der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger TSMC eilt von Rekord zu Rekord. Der Nettogewinn sprang im Schlussquartal des vergangenen Jahres um 35 Prozent auf 505,7 Milliarden Taiwan-Dollar (16 Milliarden US-Dollar), wie TSMC am Donnerstag mitteilte. Damit übertraf der taiwanische Konzern die Markterwartungen von 478,4 Milliarden Taiwan-Dollar deutlich. Der Umsatz kletterte um 20,5 Prozent auf 1,046 Billionen Taiwan-Dollar (33,1 Milliarden US-Dollar).
Angesichts der wachsenden Sorge vor einem Platzen der Blase rund um Künstliche Intelligenz (KI) waren die Ergebnisse des Konzerns an den Kapitalmärkten mit Spannung erwartet worden. TSMC ist das wertvollste Unternehmen Asiens und profitiert massiv vom KI-Boom.
Die jüngsten Zahlen deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach Halbleitern für KI-Rechenzentren und leistungsstarken KI-Anwendungen auch in den kommenden Jahren dynamisch steigen wird. Nach Ansicht von Analysten spricht dies gegen die Annahme, dass an den Märkten eine gefährliche KI-Blase entsteht.
„Wir sind davon überzeugt, dass der mehrjährige Megatrend KI weiterhin stark bleiben wird“, betonte TSMC-Chef Che-Chia Wei. KI-Modelle verbreiteten sich zunehmend in verschiedenen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft. „Dies treibt die Nachfrage nach immer mehr Rechenleistung an.“
Als Weltmarktführer ist TSMC ein aufschlussreicher Indikator für die Zukunft der Branche. Ohne dessen Halbleiter funktioniert keine KI, fährt kein Auto, läuft keine Waschmaschine. Im dritten Quartal 2025 kamen die Taiwaner laut den Marktbeobachtern von Trendforce auf einen Marktanteil von 71 Prozent bei den modernsten Chipgenerationen. TSMC erzielt derzeit rund zehnmal so viel Umsatz wie Samsung, die Nummer zwei unter den sogenannten Foundries.
Die Aussichten für TSMC – und damit für die gesamte Branche – bleiben gut. Konzernchef Wei geht davon aus, dass der Umsatz von TSMC zwischen 2024 und 2029 im Schnitt um 25 Prozent pro Jahr wachsen wird. „Und wir sind normalerweise konservativ“, sagte Wei.
Joanne Chiao, Chipanalystin beim taiwanischen Marktforschungsunternehmen Trendforce, bestätigt Weis Eindruck eines Megatrends. „Wir sind der Ansicht, dass die Begriffe ,Blase‘ und ,Superzyklus‘ übertrieben sind, um die aktuelle Marktlage zu beschreiben“, sagt sie. Sie spricht stattdessen von einer „neuen Normalität“, in der KI-Chips den Servermarkt immer stärker durchdringen. „Wir schätzen die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bis 2030 auf etwa 23 Prozent“, so Chiao.
Bis zu diesem Zeitpunkt werden KI-Server etwa 25 Prozent des gesamten Servermarkts bestreiten. Allerdings rechnet die Analystin damit, dass sich die Wachstumsraten nach 2027 auf ein Niveau von etwa 15 Prozent pro Jahr normalisieren werden.
Der Chipmangel lässt die Preise rasant steigen. Das gilt sowohl für Rechenprozessoren als auch für Speicherchips, die von den koreanischen Konzernen Samsung und SK Hynix dominiert werden. Beide Konzerne rechnen für 2025 ebenfalls mit Rekordergebnissen.
Andererseits werden mittlerweile immer mehr Alternativen zu TSMC-Halbleitern entwickelt. Das neueste Produktionsverfahren des US-Konzerns Intel etwa bezeichnen Experten des Investmenthauses Jefferies als „realisierbare Alternative“. Und in Japan will das Mega-Start-up Rapidus ab 2027 Chips mit Zwei-Nanometer-Strukturen ausliefern – die derzeit modernste Generation.
TSMC werde allerdings „der Hauptnutznießer dieser Nachfragedynamik bleiben“, erwartet Chiao, denn KI-Chips würden immer komplexer. Das erfordere höhere Kapazitäten für die Fertigung von Wafern und eine fortschrittlichere Verpackung, also die Kombination verschiedener Prozessoren auf einem Chiplet. Beides kann TSMC als Weltmarktführer am ehesten bieten.
TSMC erhöht Investitionen
Der Optimismus spiegelt sich auch in den Investitionsplänen des Konzerns wider. Analysten hatten im Vorfeld mit Investitionen zwischen 48 und 52 Milliarden US-Dollar im neuen Jahr gerechnet. TSMC kündigte nun 52 bis 56 Milliarden Dollar an.
Die beiden wichtigsten Kunden, Apple und Nvidia, schaffen dabei eine höhere Planungssicherheit und Profitabilität für TSMC als andere Hersteller. „Apple ist der berechenbare Abnehmer, der die enormen Fixkosten neuer Fabriken rechtfertigt“, betonen die Experten von Jefferies. „Nvidia hingegen sorgt für das margenstarke Wachstum, das die Rentabilität steigert.“
Die starken Zahlen von TSMC kommen inmitten der Unsicherheiten über die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump und dessen Androhung von Zöllen auf Halbleiter.
TSMC reagiert auf den politischen Druck mit massiven Investitionen in den USA. So sollen in Arizona für rund 100 Milliarden Dollar vier zusätzliche Chipfabriken und zwei Werke zum Verpacken und Testen der Halbleiter entstehen, wie US-Medien Anfang der Woche berichteten. Dies sei Teil einer Vereinbarung zwischen Taiwan und Trump. Im Gegenzug sei der US-Präsident bereit, die Zölle auf Waren aus Taiwan um fünf Prozentpunkte auf 15 Prozent zu senken.