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Gold und Goldminen-AktienDer Ausverkauf von Gold als Chance

Gold ist in US-Dollar so billig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Antizyklisch agierende Investoren aus dem Euroraum könnten in den kommenden Monaten vom Ausverkauf doppelt profitieren. Welche Produkte infrage kommen.Matthias von Arnim 23.07.2015 - 16:24 Uhr Artikel anhören

Düsseldorf.

Derzeit scheint nicht viel dafür zu sprechen, in Gold zu investieren. Seit vier Jahren schon fällt der Goldpreis. Die kurzen Aufwärtsbewegungen, die es zwischenzeitlich gab, endeten stets unterhalb des jeweils zuvor erreichten Hochs und bestätigten damit nur den Abwärtstrend. Zuletzt beschleunigte sich die Talfahrt noch einmal.

Allein in den vergangenen vier Wochen ist der Goldpreis um fast 200 US-Dollar gesunken. Aktuell kostet eine Feinunze des gelben Metalls nur noch etwas mehr als 1.100 US-Dollar. Zur Erinnerung: Ende August 2011 kostete eine Feinunze Gold noch rund 1.900 US-Dollar. Wer sich damals Gold ins Depot gelegt hat, verbucht heute unter dem Strich ein Minus von 42 Prozent – in Dollar gerechnet. In Euro bleibt ein Minus von 22 Prozent.

Denn der US-Dollar hat gegenüber dem Euro in dieser Zeit mehr als 20 Prozent an Wert zugelegt. Da der Dollaraufschwung vor allem in den vergangenen 15 Monaten stattfand, sieht die jüngste Goldbilanz für Anleger aus dem Euroraum sogar recht gut aus. „Im Jahr 2014 war Gold für Anleger aus dem Euroraum die zweitbeste Anlageklasse überhaupt“, sagt Uwe Günther von BPM Berlin Portfolio Management.

Auch das aktuelle Kalenderjahr läuft bislang besser als von vielen europäischen Anlegern gefühlt: In Euro gerechnet, hat sich Gold seit Januar 2015 trotz der jüngsten Korrektur um rund drei Prozent verteuert. „Wenn ich die Wertentwicklung von Gold betrachte, ist für mich entscheidend, in welcher Währung ich denke. Investoren sollten sich deshalb vor allem darüber Gedanken machen, wie sie die Entwicklung des Euro im Verhältnis zu US-Dollar und Goldpreis sehen“, so Günther.

Hintergrund: Goldpreis und Dollar haben sich in der Vergangenheit zwar oft entgegengesetzt zueinander entwickelt: Sank der Dollar im Verhältnis zum Euro, stieg der Goldpreis. Denn Gold wird als Alternativwährung zur Weltleitwährung US-Dollar angesehen. Doch diese Korrelation funktioniert auch umgekehrt. Das war zuletzt zu beobachten. Als US-Notenbankchefin Janet Yellen kürzlich bestätigte, sie werde die Leitzinsen noch in diesem Jahr erhöhen, stärkte das den Dollar und setzte zugleich den Goldpreis unter Druck.

Die Entwicklung beim Gold scheint im Moment zwar eindeutig auf einen weiter fallenden Preis hinzudeuten: Doch es war schon oftmals eine gute Idee, gegen den mehrheitlich propagierten Trend zu handeln. „Rein fundamental müsste Gold eigentlich im Verhältnis zur im Umlauf befindlichen Geldmenge steigen“, sagt Uwe Wiesner vom Vermögensverwalter Hansen & Heinrich in Berlin.

„Die Marktgesetze sind durch die Geldpolitik der Zentralbanken allerdings teilweise außer Kraft gesetzt. Das heißt aber nicht, dass sie langfristig ihre Gültigkeit verloren haben“, so Wiesner. Langfristig orientierte Anleger sollten deshalb vorsichtig in Gold investieren und auf den Faktor Zeit vertrauen.

Wann beim Goldpreis die Talsohle durchschritten ist, ist nur zwar nur schwer abzusehen. Doch der letzte Ausverkauf hat offenbar bereits begonnen. „Wer Angst vor weiteren Verlusten hat, hat in den vergangenen Monaten Gold verkauft. Die Gold-Pessimisten sind aus dem Markt. Wir raten jetzt zu vorsichtigem Bottom-Fishing, also kaufen zu Tiefstkursen“, sagt Jörg Jubelt von PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. „Gold gilt trotz aller Unkenrufe immer noch als sicherer Hafen. Wenn es an den Börsen kracht, könnte der Goldpreis kurzfristig sogar noch einmal fallen, denn internationale Anleger nutzen den Verkauf von Gold-Positionen, um liquide zu sein“, erklärt Jörg Jubelt.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)
Schmuck: 2.484Barren und Münzen: 304ETFs: -Industrie: 386Zentralbanken: -620Gesamt: 2.594 Tonnen
Schmuck: 2.616Barren und Münzen: 355ETFs: 133Industrie: 419Zentralbanken: -479Gesamt: 3.044
Schmuck: 2.719Barren und Münzen: 396ETFs: 208Industrie: 438Zentralbanken: -663Gesamt: 3.098
Schmuck: 2.300Barren und Münzen: 414ETFs: 260Industrie: 468Zentralbanken: -365Gesamt: 3.077
Schmuck: 2.423Barren und Münzen: 435ETFs: 253Industrie: 476Zentralbanken: -484Gesamt: 3.104
Schmuck: 2.304Barren und Münzen: 869ETFs: 321Industrie: 461Zentralbanken: -235Gesamt: 3.720
Schmuck: 1.814Barren und Münzen: 780ETFs: 623Industrie: 410Zentralbanken: -34Gesamt: 3.593
Schmuck: 2.017Barren und Münzen: 1.205ETFs: 382Industrie: 466Zentralbanken: 77Gesamt: 4.147
Schmuck: 1.972Barren und Münzen: 1.515ETFs: 185Industrie: 453Zentralbanken: 457Gesamt: 4.582
Schmuck: 1.908Barren und Münzen: 1.256ETFs: 279Industrie: 428Zentralbanken: 535Gesamt: 4.405
Schmuck: 2.671Barren und Münzen: 1.702ETFs: - 916Industrie: 354Zentralbanken: 625Gesamt: 4.436
Schmuck: 2.457Barren und Münzen: 1.004ETFs: - 183Industrie: 347Zentralbanken: 588Gesamt: 4.212
Schmuck: 601Barren und Münzen: 253ETFs: 26Industrie: 80,4Zentralbanken: 119Gesamt: 1.079Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Gut zu beobachten war das in der vergangenen Woche, als chinesische Anleger in Panik große Mengen an Gold verkauften, um Kredite aufzulösen, mit denen sie vorher spekulative Aktienkäufe finanziert hatten. „Doch wenn der sich der erste Rauch verzogen hat, erinnern sich die Leute an die Krisenwährung Gold. Dann kann es ganz schnell gehen, und der Goldpreis steigt. Seit Jahrzehnten ist das zu beobachten. Es ist eine sich immer wieder selbst erfüllende Prophezeiung“, so Jubelt.

Der seit einigen Jahren sinkende Goldpreis ist nicht nur für Gold-Anleger ärgerlich. Der Preisrückgang hat auch die Aktienkurse der Gold-Produzenten unter Druck gesetzt. Ablesen lässt sich das am NYSE ARCA Gold Bugs Index, kurz HUI. Der Index enthält Minen-Unternehmen, die keine umfassende Absicherungsgeschäfte an den Terminmärkten tätigen: Während der Goldpreis in den zurückliegenden zwölf Monaten unter dem Strich um rund 16 Prozent gesunken ist, hat der HUI im selben Zeitraum rund 53 Prozent an Wert verloren.

Meilensteine des Goldpreises
Die Goldgewinnung beginnt.
Rund 6.000 Jahre alt sind Funde aus Ägypten, die eine Bearbeitung des Edelmetalls belegen. Im Land der Pharaonen entsteht die erste große Goldkultur. Ein Großteil der Techniken, die zur Verarbeitung des Goldes notwendig sind, wird im antiken Ägypten entwickelt.Gold gilt den Ägyptern als „Sonnenmetall“. Sowohl die Sonne als auch das Gold werden mit derselben Hieroglyphe bezeichnet. Ursprünglich kommt das Gold der alten Ägypter aus dem Nil, an dessen Ufern es in Form von Waschgold gewonnen wird. Später betreibt man in Nubien, Ägyptens Goldland, Bergbau, um an das kostbare Metall zu kommen.
Nach dem Ende der Spätantike um 600 bleibt der Solidus im Oströmischen Reich die wichtigste Währung. Sie ist bis zum beginnenden 12. Jahrhundert die Leitwährung in Europa, Nordafrika und Vorderasien. Gründe dafür sind der hohe Goldgehalt und die daraus folgende Stabilität der Goldwährung. Mit dem Niedergang von Byzanz verfällt auch dessen Währung.Die Goldzirkulation im Rahmen der staatlichen Institutionen nimmt im frühen Mittelalter ab. Andererseits entwickelt sich das Geld in zunehmendem Maße zu einem Tauschmittel, welches dem Handels- und Marktgeschehen dient. Die ursprüngliche Goldwährung verliert als Zahlungsmittel an Bedeutung und wird nur noch als eine Art Wertspeicher gehortet. Die meisten Wohlhabenden wechseln zur Silberwährung, da Gold seltener und teurer ist als Silber. Silber weist lediglich den reinen Rechenbezug zum Gold auf.
Portugals Entdeckungsfahrten und die nachfolgende Kolonialisierung bringen afrikanisches Gold nach Europa. Jedoch gelingt es Portugal nicht, Goldvorkommen unter seine Kontrolle zu bringen. Die eingeführten Goldvorräte von von etwa 700 Kilogramm im Jahr kommen durch Tauschhandel zustande. Funde belegen, dass in Westafrika seit mindestens 2.000 Jahren Gold gewonnen wird. Neben dem Königreich Mail (Gebiet im nordöstlichen Guinea) verfügt das Ashanti-Reich auf dem Territorium des heutigen Ghana, das vom Ende des 17. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert besteht, über reiche Goldvorkommen. Die 1897 gegründete Ashanti Goldfields Corporation ist unter dem Namen AngloGoldAshanti noch heute einer der größten Goldproduzenten der Welt.
Das 19. Jahrhundert steht im Zeichen des Goldes. Der Goldrausch beginnt in den 1820er Jahren in Russland, wo im Uralgebirge und später auch in Sibirien Goldvorkommen entdeckt werden. Im Januar 1848 findet man im kalifornischen Sacramento Valley Gold. Viele Menschen aus aller Herren Länder kommen in die Region, um ihr Glück zu versuchen. Weiter geht es 1851 mit der Entdeckung von Goldlagerstätten in Australien, wo in verschiedenen Gebieten in den folgenden Jahrzehnten weitere Lager erschlossen werden. Im März 1886 stößt man im südafrikanischen Transvaal, am so genannten Witwatersrand, auf die ergiebigste Goldlagerstätte der Welt. Der letzte Goldrausch des Jahrhunderts spielt sich in Alaska ab, wo im August 1896 am Mündungsgebiet des Klondike River in den Yukon River Gold gefunden wurde. Die reichen Vorkommen, die den Goldrausch ausgelöst haben, gewinnen erhebliche Bedeutung für die Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes.
In den Jahren 1944 bis 1971 ist der US-Dollar an Gold gebunden. Jedes Land, das dem so genannten Bretton Woods System beitritt, hat das Recht, Dollar-Reserven zu einem fixen Preis von 35 USD je Unze in Gold umzutauschen. Vorrangige Ziele der Konferenz in Bretton Woods, New Hampshire, sind die Wiederherstellung der Wirtschaftsmacht Europa und die Belebung und Vereinfachung des Welthandels. Zu diesem Zweck sollen die Wechselkurse zwischen den Währungen stabilisiert werden. Trotz wirtschaftlicher Erfolge treten in der Folge die Mängel der Währungsordnung immer deutlicher zutage. Das Fehlen von Mechanismen der Zahlungsbilanzanpassung und die Vormachtstellung des US-Dollars lassen das System bröckeln...
Im August 1971 beendet US-Präsident Richard Nixon eine Ära: Er hebt die Bindung des US-Dollars an Gold auf und beendet das in Bretton Woods festgezurrte Weltwährungssystem.
Im März 1973 werden die Devisenbörsen in vielen Ländern Europas geschlossen, da das Bretton Woods System zusammenzubrechen droht. In der Folge wird das System offiziell außer Kraft gesetzt. Die Mehrzahl der großen Industrienationen geht zu einem System flexibler Wechselkurse über. Den Anfang machen die Schweiz und Großbritannien.
Zu Beginn des Jahres 1980 steigt der Goldpreis erstmalig auf 850 US-Dollar (inflationsbereinigt 2.100 US-Dollar). Steigende Ölpreise und die damit verbundene hohe Inflation, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan und die Revolution in Iran treiben Anleger weltweit in den "sicheren" Hafen Gold.
In der Folge schaffen es die USA, die Inflation stark zu verringern. In einer langjährigen Phase des Aufschwungs sinkt der Goldpreis. Spekulationen über eine Reduzierung der Gold-Reserven der Notenbanken drücken ihn im August 1999 auf 251,70 US-Dollar.
Nur zwei Monate später einigen sich 15 europäische Zentralbanken auf eine Begrenzung der Gold-Verkäufe. Die Folge: Der Goldpreis steigt auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 338 US-Dollar.
Seit Beginn der 2000er-Jahre steigt der Goldpreis stetig. Experten sind der Meinung, der Anstieg hängt mit der wachsenden Schuldenlast der USA und der Schwächung des US-Dollars gegenüber anderen Währungen zusammen. Der Einmarsch der US-Truppen in den Irak und die damit verbundene Angst vor einem Flächenbrand in der Region treibt Gold auf den höchsten Stand seit viereinhalb Jahren: 388,50 Dollar.
In den folgenden beiden Jahren nimmt der Goldpreis die Marken von 400 und 500 US-Dollar.
Der schwächelnde Dollar, steigende Ölpreise und der Atom-Konflikt mit Iran treiben Gold auf 730 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit 26 Jahren. Im Juni drücken Gewinnmitnahmen den Preis wieder auf 543 Dollar.
Der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers verändert die globale Finanzwelt - und beschert dem Goldpreis den größten Tagesgewinn der Geschichte: Am 17. September 2008 steigt Gold binnen 24 Stunden um 90 Dollar.
Im Zuge der weltweiten Finanzkrise erreicht der Goldpreis ungeahnte Höhen. Im Februar 2009 schießt Gold über 1.000 US-Dollar. Drastische Kursverluste an den internationalen Aktienmärkten und die Gefahr einer weltweiten Rezession lassen Anleger in den sicheren Hafen flüchten.Von Januar bis März 2009 verbuchen börsennotierte Gold-Fonds (ETFs) Rekord-Mittelzuflüsse. Die Goldbestände des weltgrößten Gold-Fonds, SDPR Gold, steigen um 45 Prozent auf 1127,44 Tonnen.
Der Goldpreis steigt von Rekord zu Rekord. Vor allem die Angst vor einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise treibt das Edelmetall. Die Nachfrage der Anleger beschert Gold im Gesamtjahr ein sattes Plus von fast 30 Prozent. Ende des Jahres lässt das milliardenschwere Fed-Anleihenkaufprogramm den Goldpreis auf über 1.400 Dollar steigen.
Im August beschleunigt sich die Rekordjagd des Goldpreises. Einbrechende Aktienkurse weltweit verstärken die Flucht in Sicherheit. Binnen weniger Wochen legt der Goldpreis kräftig zu und steigt bis auf 1912 Dollar. Ein Anstieg über 2.000 Dollar gilt für die meisten Experten als ausgemacht. Doch tatsächlich folgt erst einmal ein langer Kursrutsch.
Die Spekulationen auf eine nachlassende Schwemme billigen Notenbank-Geldes aus den USA setzen den Edelmetallen zu. Der Preis für Gold fällt in Richtung 1200 Dollar je Feinunze. Es droht der größte Quartalsverlust seit dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods Anfang der 1970er Jahre.
Der Goldpreis erleidet den ersten Jahresverlust seit 13 Jahren. Der Preis des Edelmetalls gibt um 28 Prozent nach und fällt auf 1201 Dollar. Die Goldrally findet ihr vorläufiges Ende. Und die Analysten bleiben skeptisch. Sie prognostizieren weitere Verluste: So rechnet Goldman Sachs bis Ende 2014 mit einem Preis von 1050 Dollar. Einer Morgan Stanley-Studie zufolge wird sein Preis 2014 im Schnitt 1313 Dollar pro Unze betragen - und damit niedriger ausfallen als die Prognose von 1420 Dollar für 2013. Grund ist die Geldpolitik der Fed: Investoren fürchten, dass die Rücknahme der Bondkäufe durch die Notenbank „verschoben, aber nicht aufgehoben” sei, was wenig Aufwärtspotenzial für das Edelmetall verspreche.
Der Goldpreis kann in den ersten zwei Monaten des Jahres 2014 wieder etwas an Boden gewinnen. Er steigt von Anfang Januar bis Ende Februar um zehn Prozent auf 1330 Dollar pro Feinunze. Vor allem die steigende Nachfrage nach börsengehandelten Gold-Indexfonds, die das Edelmetall physisch erwerben, führt zu dem Preisanstieg. Zudem notiert der Goldpreis wieder über der wichtigen 200-Tage-Linie. Für technisch orientierte Investoren gilt dies als wichtiges Signal für eine Trendwende.
Als der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine Mitte März zu eskalieren droht, suchten Anleger wieder verstärkt den sicheren Hafen Gold. Am 14. März stieg der Preis für eine Feinunze Gold bis auf 1383 Dollar an. Seither ging es aber permanent abwärts. Ende Mai liegt der Preis für eine Feinunze Gold mit 1294 Dollar leicht unter seinem Stand Ende Februar. Hedgefonds haben in der Woche zum 13. Mai ihre Wetten auf steigende Goldpreise (Netto-Long-Positionen) um 8,3 Prozent auf 94.329 Kontrakte reduziert, wie Zahlen der U.S. Commodity Futures Trading Commission zeigen. Short-Positionen legten dagegen um zehn Prozent auf 31.283 zu und markierten damit den höchsten Stand seit Februar.
Anfang 2015 stieg der Goldpreis wieder auf 1.300 Dollar. Doch die Wirtschaft in den USA läuft rund und die Wachstumszahlen für 2015 sind erfreulich. Anleger gehen deshalb von einer baldigen Zinserhöhung der US-Notenbank Fed aus. Das würde den Dollar stärken und den Goldpreis belasten. Dementsprechend geht der Goldpreis seit Monaten auf Talfahrt und notierte am 22. Juli erstmals seit 2010 unter 1.100 Dollar.

Diese heftige Entwicklung ist kein Zufall: „Goldminen-Aktien sind eine Anlage mit einer starken Hebelwirkung auf den Goldpreis“, erklärt Markus Bachman von Craton Capital. Warum das so ist, macht er an einem sehr vereinfachten Beispiel deutlich: „Ein Unternehmen, das 1.000 Dollar pro Feinunze an Gesamtförderkosten hat, macht bei einem Goldpreis von 1.200 Dollar rund 200 Dollar Gewinn. Sinkt der Goldpreis um zehn Prozent, dann sinkt der Gewinn der Minengesellschaft um 60 Prozent“ rechnet Bachmann vor.

Wie Indexzertifikate funktionieren
Indexzertifikate sind die älteste Form der Strukturierten Zertifikate und wurden im Jahr 1989 von der Dresdner Bank erstmalig emittiert. Inzwischen sind Indexzertifikate im Produktangebot fast jedes Emittenten zu finden. Im Vergleich zu anderen Zertifikatearten ist die Funktionsweise von Indexzertifikaten, auch als Delta-1- oder Tracker-Zertifikate bezeichnet, denkbar einfach. Sie bieten dem Inhaber eine preiswerte und unkomplizierte Möglichkeit, an der Entwicklung eines bestimmten Börsenbarometers zu partizipieren. Dabei sind nicht nur Produkte auf Standardindizes wie Dax oder Euro Stoxx 50 zu finden, sondern auch auf eigens von Emittenten entwickelte Indizes.
Anleger profitieren mithilfe von Indexzertifikaten direkt von der Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Index. Kursgewinne des Zertifikats sind auf die Entwicklung des Index begrenzt sind und die Partizipation bei einer negativen Indexentwicklung nicht durch eine Absicherung oder Kapitalgarantien verringert werden kann. Gleichzeitig ist die Preisfeststellung einfach und transparent und kann vom Anleger mit einem Blick auf den Indexstand jederzeit nachvollzogen werden. Durch den fortlaufenden Börsenhandel sind Indexzertifikate sehr liquide Anlagen.
Sollte der zugrundliegende Index nicht in Euro notieren, können sich Anleger gegen ein solches Fremdwährungsrisiko mit dem Kauf sogenannter Quanto-Zertifikate schützen. Diese sorgen dafür, dass der Punktestand des Referenzindex eins zu eins in Euro umgerechnet wird. Die Kosten dieser Währungsabsicherung sind unterschiedlich und werden in der Regel über eine Absicherungs- oder Managementgebühr im Zertifikat abgebildet.
Entscheidende Rolle bei diesen Absicherungskosten spielt der Zinsunterschied zwischen den Währungszonen. Ist das Zinsniveau der Indexwährung höher als das Zinsniveau in der Eurozone, entstehen effektive Kosten für die Währungssicherung. Ist das Zinsniveau niedriger als in der Eurozone entstehen keine Kosten durch die Währungsabsicherung. In der Folge sollte ein solches Indexzertifikat auch keine weiteren Kosten enthalten. Vielmehr müssten Emittenten hier sogar zusätzliche Absicherungsgewinne im Zertifikat widerspiegeln, was aber in der Praxis meist nicht geschieht. In der Regel enthalten die Bedingungen solcher Quanto-Indexzertifikate eine variable Absicherungsgebühr, die an sich verändernde Zinsniveaus angepasst werden kann.
Das Bezugsverhältnis drückt die Höhe der Partizipation an der Indexentwicklung aus. Es gibt an, wie viele Zertifikate das jeweilige Kursbarometer widerspiegeln bzw. mit welchem Bruchteil ein Zertifikat den Basiswert abbildet. Gängige Bezugsverhältnisse sind 1 :1, 10 :1 und 100 :1 oder, je nach Darstellung, 1 :10 und 1 :100. Bei einem Dax-Stand von 10.000 Punkten kostet ein Indexzertifikat 10.000 Euro, wenn das Bezugsverhältnis 1 :1 ist. Bei einem Bezugsverhältnis von 10 :1 beziehungsweise 1:10 kostet es 1000 Euro, und bei einem Bezugsverhältnis von 100 : 1 beziehungsweise 1 : 100 kostet es 100 Euro. Steigt der Dax um 1.000 Punkte, kosten die Zertifikate, je nach Bezugsverhältnis, 10.000 Euro, 1000 Euro oder 100 Euro.
Während die ersten Zertifikate noch eine feste Laufzeitbegrenzung und teilweise eine Option des Emittenten auf Laufzeitverlängerung hatten, hat sich in den letzten Jahren die Variante ohne Laufzeitbegrenzung, sogenannte OpenEnd-Zertifikate, durchgesetzt. Im Fall dieser Open-End-Zertifikate stehen sowohl Inhaber als auch Emittent ein Kündigungs- bzw. Rückgaberecht zu. Endet die Laufzeit eines Indexzertifikats oder wird es durch den Emittenten gekündigt, wird am Fälligkeitstag der dann gültige Indexstand unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses zurückgezahlt. Es erfolgt also ein Barausgleich und keine Lieferung von anderen Wertpapieren.
Indexzertifikaten haben sich aufgrund ihrer transparenten Berechnung bei Anlegern etabliert. Da Dividendenerträge einen großen Teil des langfristigen Vermögenszuwachses ausmachen, sollten Zertifikate auf Performanceindizes (Total-ReturnIndizes) bevorzugt werden, da diese die von den im Index enthaltenen Aktien ausgeschütteten Dividenden wieder in den Index reinvestieren. Bei Indexzertifikaten handelt es sich, im Vergleich zu gemanagten Investmentfonds, um eine passive Anlage. Bei schlechten Kursaussichten für den zugrunde liegenden Index sollte deshalb das Zertifikat in eine neue, aussichtsreichere Anlage getauscht werden.

Allerdings, auch das sollten Anleger bedenken, wirke dieser Hebel auch umgekehrt bei steigendem Goldpreis. Gleichzeitig habe die Krise in den vergangenen Jahren für neue Chancen gesorgt: „Der Druck des fallendenden Goldpreis ist das Beste, was der Branche passieren konnte. Druck führt zu verbesserter Leistung, Überlebensdruck setzt Kräfte frei“, sagt Markus Bachmann.

Der größte Investitionszyklus der Industriegeschichte innerhalb des globalen Minensektors habe eine enorme Kosteninflation ausgelöst. Die Gesamtkosten seien jahrelang stark gestiegen. „Unter dem Druck sinkender Preise und der gleichzeitig starken Abnahme der weltweiten Investitionsausgaben haben viele Goldminen-Gesellschaften ihr Geschäft nun massiv neu strukturiert“, so Bachmann. Die Kosten seien teilweise signifikant gesunken, die Bilanzen vieler Unternehmen sehen stabiler aus und zahlreiche kleine –und mittlere Produzenten sind schuldenfrei.

Selbst unter den gegebenen Bedingungen eines niedrigeren Goldpreises verdienen viele Gesellschaften immer noch Geld. Der Druck auf den Goldpreis könnte im derzeitigen Umfeld noch einige Wochen oder Monate anhalten. „Aber die Aktienwerte nehmen das Ende der Korrektur jeweils um einige Monate im Voraus. Wenn der Goldpreis sich wieder stabilisiert und die bald vierjährige Korrektur abgeschlossen ist, könnten gerade die Aktienkurse von Goldminen-Gesellschaften markant wieder an Wert gewinnen“, so Bachmann.

Anleger, die nach und nach in Gold investieren wollen, können in Gold-ETFs investieren, die direkt die Kursbewegungen des Goldpreises nachvollziehen. Dazu zählen zum Beispiel Xetra Gold oder Euwax Gold, die mit physischen Goldbeständen hinterlegt sind. Wer es spekulativer angeht, darf einen Blick auf ETFs und Zertifikate werfen, die die Aktien der Goldminen und Unternehmen verbriefen, die ihr Geld mit der Lagerung und Weiterverarbeitung von Gold verdienen – im Idealfall sind dies Produkte, die die Kursentwicklung des Amex Gold Bugs Index nachvollziehen.

Dazu zählt ein ETF von Comstage (WKN ETF091) sowie vergleichbare Index-Zertifikate von der Société Générale (WKN A0AA1V), von Hypo-Vereinsbank onemarkets (WKN HV5CFY) oder von BNP Paribas (WKN 687480). Ein währungsgeschütztes Produkt bietet die Société Générale an (WKN SG0HGQ).

ETFs versus Investmentfonds
ETF: Sondervermögen. Es ist das Kapital, welches der Anleger seiner Investmentgesellschaft gegen die Ausgabe von Anteilsscheinen überlässt. Dadurch ist dieses Geld klar von den anderen Vermögenswerten der Gesellschaft getrennt und selbst vor dem Zugriff der Gläubiger im Insolvenzfall geschützt. Investmentfonds: ebenfalls Sondervermögen
ETF: ETFs werden an der Börse gehandelt. Sie müssen, anders als normale Investmentfonds, nicht bei einer Investmentgesellschaft erworben werden. Weil sie an der Börse gehandelt werden, wird der Nettoinventarwert des Sondervermögens fortlaufend veröffentlicht. Investmentfonds: Ein normaler Investmentfonds muss bei der Kapitalanlagegesellschaft physisch erworben werden. Diese gibt den Anlegern im Gegenzug ein Zertifikat und verwaltet das Kapital im eigenen Namen auf gemeinschaftliche Rechnung der Anleger.
ETF: ETFs sind deshalb beliebt, weil sie eine hohe Liquidität aufweisen und problemlos ganztägig an der Börse gehandelt werden können.Investmentfonds: Anders als ETFs ist es nicht so leicht, einen normalen Investmentfonds zu verkaufen. Die Liquidität ist niedrig, verkauft wird einmal täglich zum Nettoinventarwert.
ETF: Das ETF-Sondervermögen muss täglich veröffentlicht werden.Investmentfonds: Im Unterschied dazu ist die Transparenz der meisten Investmentfonds gering, veröffentlicht wird nur im Jahres- beziehungsweise Halbjahresbericht.
ETF: ETFs werden passiv verwaltet, die Kosten sind niedrig.Investmentfonds: Bei Investmentfonds dagegen verwaltet ein Manager das Fondsvermögen und verfolgt eigene Strategien. Das kostet die Anleger unter Umständen mehr Gebühren.
ETF: Der Ausgabeaufschlag ist ein Aufgeld, das auf den Nennwert eines Wertpapieres erhoben wird. Bei ETFs entfällt er.Investmentfonds: Bei Investmentfonds kann der Aufschlag dagegen bis zu fünf Prozent des Net Asset Value, des Anteilswertes, betragen.
ETF: Die ETF-Verwaltungsgebühr ist niedrig und beträgt zwischen 0,05 und 0,75 Prozent pro Jahr.Investmentfonds: Für Investmentfonds müssen Anleger dagegen hohe Gebühren zahlen, bis zu zwei Prozent pro Jahr plus weitere Fondsgebühren.
ETF: Wertpapierprovision wird bei ETFs für deren Kauf und Verkauf erhoben.Investmentfonds: Beim Investmentfonds entfällt sie

Neben reinen Index-Trackern, die eins zu eins die Entwicklung des Amex Gold Bugs Index nachvollziehen, gibt es auch spezielle Branchen-Zertifikate und Fonds: Bei Zertifikaten haben Anleger die Auswahl unter Produkten von der Deutschen Bank und der UBS. Der S-BOX Global Gold Mining Performance-Index, der dem Zertifikat der Deutschen Bank (WKN DB2GGM) zugrunde liegt, umfasst Goldminen-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mindestens einer Milliarde US-Dollar sowie ein durchschnittliches tägliches Handelsvolumen von mindestens fünf Millionen US-Dollar.

Die Zahl der Mitglieder je Land und Währungsraum ist auf zwei begrenzt. So soll für regionale Diversifizierung gesorgt werden. Ebenso wie das Deutsche-Bank-Papier bezieht auch der Gold-Basket von der UBS (WKN UB070J) Dividenden in die Berechnung mit ein. Vorteile des UBS-Papiers: Die Schweizer haben einen Währungsschutz eingebaut. Und die Managementgebühren sind einen halben Prozentpunkt niedriger als bei der Deutschen Bank.

Unter den klassischen Aktienfonds gilt beispielsweise der Falcon Gold Equity Fund (WKN 972376) als einer der besser gemanagten. Verantwortlich für die Aktienauswahl ist John Hathaway, der seiner Anlagestrategie bereits seit 16 Jahren treu ist und der den Falcon Gold seit 2012 betreut. Bei seiner Analyse der Unternehmen achtet Hathaway vor allem auf die Erfahrungen und die Fähigkeiten des Minen-Managements.

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Markus Bachmann, der bereits seit 2003 den Craton Capital Precious Metal Fonds managt (WKN 964907) legt sein Hauptaugenmerk insbesondere auf die Struktur und die Profitabilität der jeweiligen Goldminen-Gesellschaften. Was beide Manager nicht verhindern konnten: Sinkt der Goldpreis, verlieren auch die Goldminen-Aktien an Wert. Die Fünf-Jahres-Performance sieht bei beiden Fonds vernichtend aus. Allerdings zeichnet sich in den Chartbildern bereits eine Bodenbildung ab. Es wäre in der Tat für Anleger ein schlechter Zeitpunkt, um ausgerechnet jetzt Fondsanteile zu verkaufen.

Fazit: Gold ist ein Basisinvestment und sollte in keinem Depot fehlen. Das gilt auch aktuell. Spekulativ orientierte Anleger, die einen Turnaround beim Goldpreis erwarten, können in Fonds, ETFs oder Zertifikate investieren, die die Kursentwicklung von Goldminenaktien-Indizes abbilden. Die erhöhte Volatilität in diesem Segment ist allerdings nichts für Investoren mit schwachen Nerven. Und zu den Besonderheiten des Aktienmarktes gehört es, dass nicht immer und sofort die Effekte eintreten, die man sich wünscht: Ein Anstieg des Goldpreises muss nicht sofort zu einem Kursanstieg der entsprechenden Finanzprodukte oder Fonds führen.

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