Verluste bei Confiserie-Kette Hussel: Bittere Schokolade für Eckhard Cordes
Die Confisserie Hussel war jahrzehntelang Trendsetter.
Foto: dpaDüsseldorf. Die Unternehmensleitung verbreitete ihren Schrecken gleich im ersten Satz. „Mit großer Sorge verfolgen wir in der Geschäftsführung unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung“, formulierte Kai Panholzer Ende Februar in einem Brief an die Belegschaft. Der Chef der Hagener Confiserie-Kette Hussel sah überall Rot. Ein „holpriges“ Quartal liege hinter dem Unternehmen, ein „deutlich negativer Januar“. Schon zehn Prozent sei man hinter den Umsatzzielen her. 16 Prozent unter dem Ergebnisplan. Zeit für „Einschnitte.“
Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, vieles steht zur Disposition. „Jubiläumsgelder und Tarifanpassungen sollen gestrichen werden. […] Eine Vielzahl von Stellen im Zentralbereich werden nicht nachbesetzt“, informierte Panholzer. „Alle Sachkosten werden auf den Prüfstand gestellt.“
Es ist ein böses Erwachen für die etwa 1.000 Mitarbeiter von Hussel. Knapp 70 Jahre hat sich ihr Unternehmen von einem Erfolg zum nächsten gearbeitet. 1949 von Rudolf Hussel in Hagen gegründet, öffnete die Confiserie schon 1957 die 100. Filiale. 1969 liefen die Geschäfte so gut, dass sich Hussel die Übernahme von Douglas leisten konnte. Die Parfümeriekette war damals schon 59 Jahre alt, hatte aber nur sechs Läden. Unter der Führung vom damaligen Hussel-Chef Jörn Kreke wurde Douglas zum Milliardenkonzern. Bald gehörten zum Konzern auch die Thalia Buchhandlung und die Christ Juweliere.
So viel Erfolg zog Interessenten an. 2013 kaufte Advent International den Konzern. Der US-Investor spaltete das Geschäft auf. Douglas ging für 2,8 Milliarden Euro an den Investor CVC. Den Zuschlag für Hussel erhielt 2014 die Venture-Capital-Gesellschaft Emeram.
Zu den Partnern von Emeram gehört auch Eckhard Cordes. Lange Jahre Vorstand von Daimler-Chrysler, zwischen den Jahren 2007 und 2011 Chef des Handelskonzerns Metro, gründete Cordes gemeinsam mit Partnern 2012 den Finanzinvestor Emeram.
Aus dem Biergarten ins Investmentgeschäft
Das Wort ist eine Vergangenheitsform des lateinischen Verbs „emere“, also kaufen. Außerdem planten die Initiatoren ihr Projekt damals in der Sankt Emmeramsmühle, einem Biergarten in München. Daher der Name.
Im Jahr 2014 übernahm Emeram für rund 50 Millionen Euro die Confiserie-Kette Hussel. Der Zukauf war lange vorbereitet. „Wir verfolgen die Entwicklung von Hussel schon seit geraumer Zeit“, sagte Cordes am 11. März 2014.
Besonders angetan waren die Emeram-Partner von Sven Eklöh, dem langjährigen Geschäftsführer von Hussel. Immer wieder habe das Hussel-Management bewiesen, ein Trendsetter im Süßwarengeschäft zu sein. Emeram war sich „sicher, die exzellente Plattform gemeinsam mit dem erfahrenen Management zu weiterem Wachstum nutzen zu können“.
Diese Erkenntnis veränderte sich offenbar rasch. Neben dem Know-how der lange erfolgreichen Geschäftsführung schickte der neue Eigentümer Emeram Berater zu Hussel. Roland Berger, EY, Deloitte – auf den Managementfluren in Hagen wurde es eng.
Gut ein Jahr später wurde zumindest ein Platz frei: Eklöh und Hussel gehen seither getrennte Wege. Seit 2002 hatte der Nachfahre des Unternehmensgründers Hussel geführt. Nun wollte er sich von den gerade erst ins Unternehmen gekommenen Beratern nicht sagen lassen, wie er sein Geschäft zu führen habe.
Außerdem kamen die vielen Ratschläge ziemlich teuer. „Kerngesund“ sei Hussel beim Kauf gewesen, betonen alle Seiten. Im ersten Jahr unter dem neuen Eigentümer betrug der Jahresverlust zehn Millionen Euro – bei 100 Millionen Euro Umsatz.
Zwei Jahre in Folge Verluste
Besserung war seither von außen nicht zu sehen. Auch das zweite Jahr unter der Führung von Emeram schloss Hussel mit einem Jahresverlust von zehn Millionen Euro ab. Kreditlinien wurden neu verhandelt. Aktuelle Geschäftszahlen gibt das Unternehmen nicht heraus, doch der zuletzt im Bundesanzeiger veröffentlichte Geschäftsbericht für den Zeitraum 1.10.2014 bis 30.9.2015 liest sich unschön: 17,6 Millionen Euro betrug der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag. 34 Millionen Euro schuldete Hussel den Banken, mehr als 30 Millionen Euro seinen Gesellschaftern.
Wie schlimm steht es? Nicht so schlimm, wie es aussieht, heißt es aus Emeram-Kreisen. Man habe die Finanzseite des Unternehmens wie üblich steuerlich optimiert. Konkrete Zahlen waren nicht zu erfahren. Als Richtgröße im Unternehmen zähle nicht das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit oder das Nettoergebnis (beide rot), heißt es im Emeram-Umfeld, sondern das „adjustierte Ebitda“, also das angepasste Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.
Selbst diese Zahl gibt allerdings nun Anlass zur Sorge. Lag in den vergangenen Jahren das angepasste Ebitda konstant bei sieben Millionen Euro, sank der Wert zuletzt um eine Million Euro.
„Es ist uns bewusst, dass die Maßnahmen drastisch anmuten“, schrieb Geschäftsführer Kai Panholzer an die Belegschaft. Nachfragen des Handelsblatts zu den Verantwortlichen für die Misere wollte er nicht beantworten. In seinem Brief an die Belegschaft steht lediglich: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“