Bonitätsnote: Ratingagentur S&P stuft Kreditwürdigkeit der Türkei überraschend herab
Die Ratingagentur hat die Kreditwürdigkeit der Türkei nochmals herabgestuft - in den Junkbereich.
Foto: dpaIstanbul. Aus Sorge über die Inflation in der Türkei hat die Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bonitätsnote für das Land überraschend gesenkt. Sie werde auf BB-/B von zuvor BB/B nach unten korrigiert, teilte das US-Unternehmen am Dienstag mit. Das Rating für die türkische Lira verschlechterte sich demnach auf BB/B von BB+/B. Die Änderung erfolgte nicht im Rahmen einer turnusmäßigen Überprüfung, sondern ist Ausdruck wachsender Sorgen.
Die Türkei werde schlechter bewertet, weil die Experten von S&P „steigende ökonomische Ungleichgewichte“ beobachten. Sie warnen vor einer unausgewogenen und kreditgetriebenen Wirtschaftsentwicklung mit Überhitzungstendenzen.
Mit dem Verfall der stark schwankenden Landeswährung Lira werde es für Unternehmen schwieriger, in Fremdwährungen aufgenommene Schulden zurückzuzahlen, argumentieren sie. Dies wirke sich auch auf die Staatsschulden negativ aus, von denen 40 Prozent in anderen Währungen aufgenommen worden seien.
Außerdem kritisiert die US-amerikanische Agentur das angestrebte Präsidialsystem des Landes. Dadurch könne der Präsident quasi per Dekret regieren.
Zudem sei die Zentralbank der Türkei zunehmendem Druck der Politik ausgesetzt – obwohl die Währungshüter kürzlich entgegen den Wünschen der Führung des Landes die Leitzinsen deutlich angehoben hatten. Die Währungshüter erwarten nach eigenen Angaben in diesem Jahr eine Teuerungsrate von 8,4 Prozent. Mittelfristig liegt das Ziel bei fünf Prozent.