K+S, Nutrien, Yara: Deshalb sind Düngemittel-Aktien für mutige Anleger interessant
Trotz der Bedeutung von Düngemitteln investieren relativ wenig Privatanleger in die entsprechenden Aktien.
Foto: imago images / Westend61Köln. Durch den Einsatz von Dünger wachsen Kulturpflanzen effizienter und sichern die Ernährung der Weltbevölkerung. Weltweit gibt es lediglich zehn größere Produzenten der Mineralstoffe, die in Düngemitteln verwendet werden. Zu den Stoffen gehören Stickstoff, Kalium und Phosphor.
Trotz der Bedeutung dieser Produkte investieren relativ wenig Privatanleger in die entsprechenden Aktien. Das liegt zum Teil daran, dass die Preise an den Agrar- und Energiemärkten stark schwanken, was auf die Kurse der Hersteller durchschlägt.
Einige Titel sind für mutige Anleger aber gerade deshalb interessant. Denn Experten haben Gründe dafür ausgemacht, weshalb die Preise der Rohstoffe schon bald deutlich steigen werden – und mit ihnen der Wert der wichtigsten Förderfirmen. Im Folgenden erklärt das Handelsblatt, was Anleger beachten müssen und wo weiterhin die Risiken liegen.
Zwei weitere Anbieter von Kalidünger sind Uralkali (aus Russland) und Belaruskali (aus Belarus). Deren Produkte unterliegen seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine aber einem EU-Importverbot. Jede Änderung dieser politischen Entscheidung hat starken Einfluss auf die Preisentwicklung auf dem Kalimarkt. Das müssen Anleger bedenken.
Die Landwirtschaftskammer NRW hält Fachmedien zufolge die Phase niedriger Kali- und Stickstoffpreise jedoch zumindest hierzulande für beendet. Nur Phosphatpreise könnten im August noch sinken.
Mehrere Gewinnwarnungen: K+S
Das Unternehmen aus Kassel ist im MDax notiert und fördert ausschließlich Kali. Der Vorstand des Unternehmens korrigierte im Mai und dann noch einmal im Juni seine Prognose für 2023 nach unten. Das operative Ergebnis (Ebitda) werde im Gesamtjahr bei 800 Millionen Euro liegen, berichtete der Konzern zuletzt. 2022 verzeichnete K+S noch ein Rekordergebnis von 2,4 Milliarden Euro.
Der Grund für das Rauf und Runter beim Ergebnis: Nach Kriegsbeginn im Februar 2022 schoss der zuvor bereits stark gestiegene Kalipreis bis April 2022 auf rund 1200 US-Dollar in die Höhe. Zwar sinkt er seitdem kontinuierlich. Doch viele Landwirte hatten ihre Nachfrage reduziert oder teilweise ganz eingestellt.
Laut dem Datenanbieter Indexmundi kostete Kali im Juni 328 US-Dollar. Im Juli stieg der Preis wieder und erreichte Anfang August rund 380 US-Dollar. Die K+S-Aktie ist dieser Entwicklung gefolgt und stieg von etwa 15 Euro auf rund 18 Euro.
Noch sind die Analysten unsicher, wie es weitergeht. Immerhin gab es zuletzt mehr Kauf- als Halte-Empfehlungen. Niemand riet zum Verkauf. Am optimistischsten ist Charlie Bentley von Jefferies mit einem Kursziel von 25 Euro auf Sicht von zwölf Monaten.
Aron Ceccarelli von Berenberg hat K+S von Halten auf Kaufen hochgestuft. Eine weitere Gewinnwarnung erwartete er 2023 nicht, denn es stünde eine Erholung der Kalipreise bevor. Vorsichtig bleibt Axel Herlinghaus von der DZ Bank mit einer neutralen Einstufung und einem Kursziel auf dem aktuellen Niveau.
Kurz vor Bruch des Abwärtstrends: Nutrien
Auch bei Nutrien werden die Analysten zuversichtlicher. Das Unternehmen mit Sitz im kanadischen Saskatoon bietet Stickstoff, Kalium und Phosphor an. Die Aktien notieren derzeit auf einem Niveau von 56 Euro. Wenn sie nach oben drehen, wäre der Abwärtstrend endgültig gebrochen, glauben Börsenanalysten.
Jeffrey Zekauskas von JP Morgan rät zwar zum Übergewichten der Aktie, hat gleichzeitig aber sein Kursziel von 78 auf 70 US-Dollar gesenkt. Aktuell bemühe sich Nutrien um Kostensenkungen. Der Analyst moniert trotzdem, dass die langfristigen Ausschüttungen an die Aktionäre höher sein könnten.
Spezialist für Harnstoff: Yara
Yara ist auf Stickstoff fokussiert, aber auch bei Phosphor stark. Die Norweger sind aber vor allem ein Spezialist für Harnstoff, eine Stickstoffform, die schnell von Pflanzen aufgenommen werden kann. Harnstoff kann auch in Kohlenstoffdioxid und Ammoniak gespalten werden.
Ammoniak wiederum ist ein kostengünstiger flüssiger Energieträger für die Langfristlagerung. Er ist leicht per Schiff transportierbar und ein effektiver Schiffskraftstoff. Yara selbst bezeichnet sich als weltweit führenden Anbieter von Ammoniak und baut seine Kapazitäten aus.
Im Juni berichtete das Unternehmen aus Oslo, gemeinsam mit BASF eine Ammoniakanlage in den USA zu bauen. Wird Ammoniak unter Einsatz von Wasserstoff statt Erdgas produziert, kann es einen Beitrag zur Energiewende leisten. Auch das verleiht der Aktie Fantasie.
Priyanka Patel von UBS rät zum Kauf. Die Analystin traut dem Papier 470 norwegische Kronen zu, umgerechnet rund 41 Euro. Aktuell kostet die Yara-Aktie etwa 34 Euro. Neutral gestimmt ist die Deutsche Bank Research.
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Erstpublikation: 16.08.2023, 16:04 Uhr