ANZEIGE: Für sämtliche Inhalte dieser Seite ist McKinsey verantwortlich.

Digitalisierung im Gesundheitswesen Dr. Digital verschreibt künftig die Rezepte

In Sachen Digitalisierung hat das deutsche Gesundheitswesen erheblichen Nachholbedarf. Gerade Krankenhäuser scheuen neue Technologien. Dabei winken durch digitale Lösungen erhebliche Gewinne.
Quelle: Fotolia / visivasnc
(Foto: Fotolia / visivasnc)

Deutschland wird digital, ob in der Industrie, im Einzelhandel oder im Finanzsektor. Automatisierte und standardisierte Abläufe gehören dort mittlerweile zum Alltag. Doch das Gesundheitswesen, einer der umsatzstärksten und zugleich kostenintensivsten Bereiche überhaupt, hinkt hinterher. Statt der Chancen neuer Technologien und Behandlungsmöglichkeiten beherrschen eher die Risiken der Digitalisierung die öffentliche Debatte.

In angelsächsischen und skandinavischen Ländern haben Kliniken, Ärzte und Versicherungen die Potenziale bereits erkannt. Bespiel Arzneimittel auf Rezept: „In Dänemark verfügen bereits 94 Prozent der Kliniken über ein elektronisches System zur Verschreibung von Medikamenten. Das Gesundheitssystem dort ist eines der weltweit am besten vernetzten“, sagt Steffen Hehner, Leiter der deutschen Pharma Healthcare Practice von McKinsey. Medizinische Leistungserbringer in Deutschland  stehen bei diesem Thema noch am Anfang. „Hierzulande sind lediglich neun Prozent der Krankenhäuser mit solch einem System ausgestattet“, so Hehner.

Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung befragte McKinsey & Company im Frühjahr Geschäftsführer, ärztliche und kaufmännische Direktoren deutscher Kliniken zum Status Quo und den Potenzialen der Digitalisierung in ihren Häusern. Eines der Ergebnisse: Drei von fünf Krankenhäuser haben aktuell noch keine Strategie, wie sie neue, digitale Technologien nutzen können. Mehr noch: 85 Prozent der Befragten beschreiben die Reife und Qualität der Digitalisierung als unzureichend. „In keinem Haus ist etwa die Patientenakte vollständig papierlos. Elektronisch sind bisher vor allem Dienst- und Schichtpläne des Personals oder die Essensbestellung“, berichtet Hehner. Statt ganzheitlicher Strategie spielten mehrheitlich einzelne digitale Pilotprojekte eine Rolle, zum Beispiel bei der Terminvergabe.

Dabei sind die positiven Auswirkungen einer stärkeren Digitalisierung allen befragten Krankenhaus-Managern bewusst: Prozesse können effizienter gestaltet, die Behandlungsqualität gesteigert, der Dokumentationsaufwand verringert werden. Das spart Kosten und erhöht die Patientenzufriedenheit. Doch die Studie enthüllt auch, was die Gründe sind, die Kliniken auf ihrem Weg in eine digitale Zukunft hemmen. „Eines der größten Hindernisse sind aus Sicht der Häuser die unzureichende Finanzierungsmöglichkeiten“, sagt Hehner. Die Kliniken geben derzeit weniger als drei Prozent ihres Jahresbudgets für digitale Lösungen aus. „Das Thema Digitalisierung wird in Deutschland zu häufig immer noch als reiner Kostentreiber gesehen – ohne die Ertragschancen zu berücksichtigen.“ Der Großteil der Krankenhäuser scheut deshalb Ausgaben, um Prozesse zu digitalisieren. Die Folge: Ein Investitionsstau von kumuliert zwölf Milliarden Euro.

Eine weitere Herausforderung stellt die mangelnde Kompatibilität bzw. Interoperabilität der IT-Systeme dar. Innerhalb derselben Klinik werden oft unterschiedliche Lösungen von unterschiedlichen Anbietern betrieben, beispielsweise bei Laborsoftware oder bei der radiologischen Bildarchivierung. Können diese Systeme nicht miteinander vernetzt werden, fällt eine Digitalisierung der Abläufe schwer. Und nicht zuletzt ist auch der traditionell strenge Datenschutz im deutschen Gesundheitswesen eine Barriere. Die elektronische Gesundheitskarte liefert bis heute lediglich die persönlichen Daten des Versicherten. Dadurch lassen sich Doppeluntersuchungen nach wie vor nicht vermeiden. Die Politik hat mittlerweile durch das eHealth-Gesetz aber bessere Rahmenbedingungen geschaffen. 

Krankenhäuser, die trotz aller Hürden am digitalen Wandel teilhaben wollen, tun dies am besten, indem sie mit Pilotprojekten beginnen. Dafür geeignet sind Behandlungsverläufe, die häufig vorkommen und schon heute höchst standardisiert ablaufen. Typisch sind etwa die „Volkskrankheiten“ Diabetes mellitus oder chronische Herzinsuffizienz. Der Behandlungspfad eines Patienten kann durch digitale Lösungen an verschiedenen Stellen optimiert werden: Machen auffällige Werte des Patienten einen Klinikaufenthalt nötig, kann er innerhalb kürzester Zeit im Krankenhaus einchecken. Möglich macht das eine elektronische Gesundheitskarte, auf der alle relevanten Informationen gespeichert sind.

Die automatische Aufnahme spart Zeit. Durch ein Tracking des Patienten innerhalb der Klinik kann der Patientenfluss besser koordiniert werden, was Wartezeiten minimiert. Untersuchungsergebnisse könnten automatisch auf die mobilen Geräte des behandelnden Arztes übertragen werden.

Die Digitalisierung lohnt sich. „Unsere Modellberechnungen für ein fiktives 500-Betten-Krankenhaus ergaben einen zusätzlichen Gewinn zwischen 4,4 und 8,3 Millionen Euro in zehn Jahren“, sagt Hehner – allein für die beiden oben erwähnten Krankheitsbilder. Übertragen auf die gesamte deutsche Kliniklandschaft liegt der Effekt im Milliarden-Bereich. Ein gewaltiges Potenzial, das Krankenhäuser nutzen sollten – zum eigenen und zum Wohle ihrer Patienten.

Sie haben Anmerkungen zu den Artikeln oder Fragen zu unserem Beratungsangebot? Schreiben Sie uns an digitalatscale@mckinsey.com.