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Krankenhäuser in Deutschland Gute Klinik, schlechte Klinik

Das Risiko, an einer Herzschrittmacher-Implantation zu sterben, ist in einigen Kliniken 17 Mal größer als in anderen. Ein internationales Expertenteam will nun mit dem Non-Profit-Institut ICHOM Qualitäts-Standards setzen.
Klausjürgen Wussow alias Professor Brinkmann in der Schwarzwaldklinik: In Wirklichkeit ist die deutsche Krankenhauslandschaft geprägt von strukturellen Problemen. Quelle: Imago
TV-Krankenhausidylle versus deutsche Klinikrealität

Klausjürgen Wussow alias Professor Brinkmann in der Schwarzwaldklinik: In Wirklichkeit ist die deutsche Krankenhauslandschaft geprägt von strukturellen Problemen.

(Foto: Imago)

Seit der Ausstrahlung der Schwarzwaldklinik sieht man jedem Krankenhausaufenthalt nur noch halb so ängstlich entgegen. Wer in die Klinik muss, denkt an die mitfühlenden Augen des Professor Brinkmanns, der jeden Patienten persönlich kannte und wie seinen besten Freund behandelte. Ob Prostatakrebs, Herzschrittmacher oder neues Hüftgelenk – alles wird gut nach 45 Minuten. Nicht umsonst genießt der Beruf des Arztes eines der besten Images hierzulande.

Doch was im Fernsehen gilt, hat mit der Realität in deutschen Krankenhäusern leider wenig zu tun. Ärzte haben wenig Zeit und sind gebunden an so genannte Fallpauschalen, bei denen der Arzt pro Behandlungsfall statt nach Aufwand bezahlt wird. Krankenhäuser sind zwar in der Nähe und bieten die Behandlung von vielerlei Krankheiten an. Doch für die wenigsten Erkrankungen sind sie spezialisiert. Es ist ein strukturelles Problem in der deutschen Krankenhauslandschaft. Patienten können kaum herausfinden, welche Ärzte und Krankenhäuser besonders erfolgreich sind. Objektive Qualitätskriterien gibt es kaum. Dabei sind die Unterschiede in deutschen Krankenhäusern eklatant. So ist das Risiko, an der erstmaligen Implantation eines Herzschrittmachers zu sterben, in der schlechtesten deutschen Klinik 17 Mal größer als im Durchschnitt. Laut Qualitätsberichten variieren die Komplikationsraten bei künstlichen Hüftgelenksoperationen um Faktoren von teilweise mehr als 30. Dafür muss nicht einmal ein Kurpfuscher am Werk sein: Auch mangelnde Spezialisierung und Expertise entscheiden über Komplikationen und Heilung.

Bisher müssen sich Patienten auf private Empfehlungen oder Ratschläge in Internet-Foren verlassen. Eine umfassende und transparente Datenbank, die die Qualität misst, existiert bisher nicht. Die Digitalisierung des Gesundheitssektors bietet neue Möglichkeiten, doch bis heute werden sie kaum genutzt. Die deutsche Gesundheitsbranche lässt damit eine Chance ziehen, von der andere Branchen nur träumen können: Es geht besser und billiger zugleich.

Genau hier setzt das „International Consortium for Health Outcomes Measurement“ (ICHOM) an. Das ICHOM macht die medizinische Versorgung international vergleichbar. Das gelingt dank vielfältigen Wissens: Gründer des Instituts sind Michael Porter von der Harvard Business School, das Karolinska Institute in Stockholm und die Boston Consulting Group (BCG).

Die unabhängige Non-Profit-Organisation erstellt zusammen mit Patienten und Ärzten seit 2012 sogenannte Standardsets zur medizinischen Ergebnismessung für die wichtigsten Krankheitsbilder in Industrienationen. Die Sets umfassen verschiedenste Erfolgskriterien für eine Behandlung, eine Erklärung der Messinstrumente und Empfehlungen für den Umgang mit Risiken Auch führende Mediziner des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, der Uniklinik Dresden und der Berliner Charité steuern ihre Expertise bei. Bislang konnten so zwölf Sets erstellt werden. "Erst durch diese Vielfalt gelingt die ganzheitliche Betrachtung von Krankheitsbildern und Gesundheitssystemen", sagt Zun-Gon Kim, Partner und Managing Director von BCG.

Die Experten von BCG
Benjamin Grosch
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Benjamin Grosch ist Partner und Managing Director bei The Boston Consulting Group. Er ist Experte für Healthcare-Themen, insbesondere für Krankenkassen, Medizintechnik und Qualität im Gesundheitswesen. In der Geschäftsführung für Deutschland und Österreich verantwortet er die Themen Marketing und Kommunikation.

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Jens Deerberg-Wittram
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Jens Deerberg-Wittram ist Executive Director bei The Boston Consulting Group und Gründungspräsident des International Consortium for Health Outcomes Measurement (ICHOM). Zuvor war er als Arzt zehn Jahre lang Geschäftsführer einer großen deutschen Klinikkette.

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Zun-Gon Kim
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Zun-Gon Kim ist Partner und Managing Director bei The Boston Consulting Group. Er ist Experte für Healthcare-Themen.

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Judith Wallenstein
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Judith Wallenstein ist Senior Partner and Managing Director bei The Boston Consulting Group. Sie ist Expertin für Pharma-Strategie, Entwicklung und Kommerzialisierung. Außerdem leitet sie das Bruce-Henderson-Institut in Europa.

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Beispiel Prostatakrebs: Eine besonders gefürchtete und sehr häufige Krebserkrankung bei Männern ist Prostatakrebs. Eine gängige Behandlungsmethode ist die Operation. Bisher wird nach Operationen wenn überhaupt nur die Sterblichkeit während des Eingriffs erfasst. Außen vor bleiben jedoch langfristige Folgen wie beispielsweise Impotenz und Inkontinenz. In den besten deutschen Kliniken ist Inkontinenz nach Operationen nur selten ein Problem, nämlich in weniger als fünf Prozent der Fälle. Im Durchschnitt der 400 Krankenhäuser, die in Deutschland bei Prostatakrebs operieren, sind es fast 50 Prozent. In der aktuellen Leistungsbeurteilung stehen die guten und schlechten Häuser jedoch gleich gut da und erhalten die gleichen Vergütungen. Im ICHOM Standard-Set sind langfristige Kriterien wie Inkontinenz, Impotenz, Metastasenbildung, und Alltags- bzw. Arbeitsfähigkeit enthalten.

„Deutschland braucht eine stärkere Spezialisierung“
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