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Auswirkungen der Digitalisierung Wo neue Technologien unser Leben verbessern können

Technologische Innovationen sind für sich genommen weder gut noch schlecht. Sie bringen allerdings neue Risiken mit sich. Richtig eingesetzt bringen die digitalen Möglichkeiten unterm Strich aber enorme Vorteile.
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Es ist eine einfache Frage, die mitunter jedoch nur schwer zu beantworten ist: Wie geht's? Das ist insbesondere dann der Fall, wenn sie an ganze Nationen gestellt wird. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als alleinige Größe gilt schon länger als nicht ausreichend. Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die OSZE versuchen stattdessen, das Wohlbefinden einer Bevölkerung mehrdimensional zu bestimmen, in dem sie Bildungsmöglichkeiten, Qualität und Sicherheit der Arbeitsplätze, Umweltaspekte oder die Gesundheitsversorgung eines Landes miteinbeziehen.

All diese zusätzlichen Aspekte gewinnen durch die Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche noch mehr an Bedeutung. Technologische Innovationen sind im Grunde weder gut noch schlecht. Doch der Wandel, der mit ihnen einhergeht, bringt sowohl Vor- als auch Nachteile: Arbeitsplätze werden durch den Einsatz intelligenter Maschinen wegfallen, die Adaption an den Wandel sorgt für erhöhte Stressbelastung, traditionelle Gemeinschaften lösen sich auf. Gleichzeitig stehen diesen Nachteilen enorme Vorteile für Unternehmen, Volkswirtschaften und Gesellschaften gegenüber.

Seit 1800 sind Wachstum und Lebenserwartung parallel zur Reduzierung der Arbeitszeit deutlich gestiegen
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„Technologie hat in Europa und in den USA in den vergangenen 40 Jahren erheblich dazu beigetragen, dass es den Menschen besser geht“, sagt Eckart Windhagen, Seniorpartner von McKinsey. Ihm zufolge lasse sich dieser Trend nur dann fortsetzen, „wenn Unternehmen neue Technologien richtig einsetzen“. Anhand von rund 600 Fallbeispielen und technologischen Anwendungen hat das McKinsey Global Institute (MGI) mehrere Bereiche identifiziert, in denen sich digitale Innovationen positiv auf das Wohlbefinden von Individuen und Gesellschaften auswirken.

Technologie und Arbeit

Den wohl gewaltigsten Einfluss haben moderne Technologien auf die Art und Weise, wie wir arbeiten. Einerseits ersetzen intelligente Systeme mehr und mehr die menschliche Arbeitskraft. Rund 75 Millionen Menschen weltweit werden ihre Beschäftigung bis 2030 wechseln müssen, schätzt man beim MGI. Damit einher gehen auch Arbeitslosigkeit und die Angst vor einem Job-Verlust, die beide beträchtlichen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden haben.

Gleichzeitig kann die Digitalisierung dafür sorgen, dass diese Umwälzungen weniger einschneidend verlaufen. Digitale Job- und Kollaborationsplattformen sorgen für neuartige Möglichkeiten der Vernetzung, Arbeit und Einkommensgenerierung, was sich letztlich auch positiv auf den materiellen Lebensstandard auswirken kann.

Auch beim Thema Diversity können neue Technologien einiges bewirken. Unterschiedliche Bezahlung bei gleicher Qualifikation und Arbeit können so einfacher transparent gemacht werden. Gleichzeitig sorgen schon heute Softwarelösungen dafür, Stellenangebote nach diskriminierenden Inhalten zu durchforsten, damit sie attraktiver für Frauen gestaltet werden können. Bislang werden Frauen meist schlechter bezahlt als Männer und viel seltener für führende Management-Posten ausgewählt. Die Forschung zeigt, dass die Beendigung dieser Ungleichheit das jährliche BIP Westeuropas bis 2025 um 2,1 Billionen Dollar erhöhen könnte. Auch helfen Technologien wie Gesichts- oder Spracherkennung, behinderte Menschen besser in einen Arbeitsplatz zu integrieren.

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Technologie und Bildung

Der Grundstein für den beruflichen Werdegang und damit das Wohlergehen wird entscheidend beeinflusst von der Bildung. Technologie kann hier bei der Vermittlung, Aneignung und Evaluierung von Wissen helfen. Künstliche Intelligenz (KI) kann Schüler individuell bei der Frage unterstützen, wie sie am besten lernen und Tests so gestalten, dass sich deren Schwierigkeitsgrad dem Lernfortschritt anpasst. Online-basierte Lernplattformen ermöglichen den Zugriff auf Wissen von überall in der Welt und zu jeder Zeit.

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Gleichzeitig reduzieren sie die Kosten der Lehre. Digitale Whiteboards und der Zugang zum Internet ergänzen die traditionellen Werkzeuge bei der Wissensvermittlung. Und schon heute evaluieren smarte Bewertungssysteme Tests in den Bereichen Wirtschaft und Informatik schneller als Lehrer und Professoren.

Technologie und Gesundheit

Den direktesten Einfluss auf unser Wohlbefinden und Leistungsvermögen hat die Gesundheit. Moderne Technologien können hier in vielerlei Hinsicht einen Mehrwert bietet. Big Data hilft schon heute großen Medikamentenherstellern, neue Arzneimoleküle zu testen. Auch in der Zell-Therapie und der Gentechnik steckt dank intelligenter Systeme viel Potenzial. KI wird bereits eingesetzt bei der Diagnose von Malaria oder Alzheimer und hilft Schlaganfälle und Herzinfarkte vorherzusagen. Roboter übernehmen zudem immer diffizilere Eingriffe.

Darüber hinaus helfen Gesundheitsapps und Fitnesstracker zu einer Sensibilisierung für ein gesündere Lebensweise durch die Überwachung wichtiger Vitalfunktionen. Technologie in Krankenhäusern kann die Pflege von Insassen optimieren und die Belegungszeiten verkürzen – bei einem Krankenhaus in Rio de Janeiro um immerhin mehr als drei Tage im Schnitt. Verbesserungen bei der Gesundheit und Lebenserwartung sind womöglich die größten Beiträger zu einem Ansteigen des Wohlbefindens nach dem BIP.

Technologie und Umwelt

Informations- und Kommunikationstechnologien verbrauchen jährlich 1700 Terawattstunden Strom und damit rund acht Prozent der weltweit genutzten Strommenge. Auf der anderen Seite hat die Digitalisierung positiven Einfluss auf das Klima, indem etwa intelligentes Verkehrsmanagement in Städten, einschließlich der Optimierung von Ampelnetzen, den Verkehrsfluss verbessert und damit die Auswirkungen der Luftverschmutzung reduziert. Technologie kann außerdem Treibhausgasemissionen durch Energieeffizienz, erneuerbare Energiequellen sowie Batterie- und Steuerungstechnologien zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage reduzieren.


Stromversorger könnten mithilfe der Smart-Grid-Technologie die Systemeffizienz zwischen 2015 und 2035 um 12 bis 21 Prozent oder 310 bis 540 Milliarden Dollar verbessern. Laut der Ellen MacArthur Foundation könnten die neuen Dienstleistungen und Geschäftsmodelle der Kreislaufwirtschaft, die größtenteils durch digitale Plattformen unterstützt werden, einen jährlichen Nutzen von 1,8 Billionen Euro oder eine zusätzliche Steigerung des BIP um acht Prozent gegenüber dem derzeitigen Entwicklungsszenario allein in Europa bis 2030 bewirken.

Insgesamt haben neue Technologien das Potenzial, den wirtschaftlichen Wohlstand in Europa und in den USA bis 2030 um 0,3 bis 0,5 Prozent zu steigern, schätzt man beim MGI. Voraussetzung hierfür sind Innovationen, die nicht nur auf Kostensenkung und Personaleinsparung abzielen, sondern vor allem das Wachstum steigern und die Fähigkeiten der Menschen erweitern. Erforderlich ist zudem eine stärkere öffentlich-private Zusammenarbeit, die zu einer raschen Qualifizierung von Arbeitnehmern für neue Aufgaben führt.