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(Foto: Adobe Stock)

Digitalexperten gesucht! Woher nehmen, wenn nicht ausbilden?

700.000 Technologie-Experten und Millionen digital versierte Mitarbeiter brauchen deutsche Unternehmen in den kommenden fünf Jahren. Das stellt Hochschulen vor immense Herausforderungen, bietet aber auch große Chancen.
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Bill Gates und Mark Zuckerberg haben viele Gemeinsamkeiten. Bereits in jungen Jahren verfielen beide dem Computer-Virus, später schmissen sie ihr Harvard-Studium und nutzten ihre Programmierkenntnisse, um eigene Unternehmen zu gründen. Heute sind Microsoft und Facebook Milliarden von Dollar schwer und die einstigen Elite-Universitätsstudenten stehen beispielhaft dafür, dass man es auch ohne Hochschulabschluss sehr weit bringen kann – wenn man die richtigen Fähigkeiten mitbringt.

Im Zeitalter der Digitalisierung, in der eine technologische Innovation auf die andere folgt, kommt es mehr denn je auf relevante Skills an. Doch auf die rasanten Entwicklungen können Universitäten und Fachhochschulen häufig nur verzögert mit entsprechenden Lehrangeboten reagieren. Die Folge: Laut einer Studie des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft in Kooperation mit der Unternehmensberatung McKinsey fehlen der deutschen Wirtschaft in allen Branchen und Industriesparten Digitalexperten. Das ist eine Entwicklung, die „das Innovationspotenzial unseres Landes bedroht“, sagt Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes.

Um diese Gefahr abzuwenden, werden in den kommenden fünf Jahren rund 700.000 zusätzliche Technologiespezialisten gebraucht, so die Einschätzung von mehr als 600 in der Studie befragten Unternehmen. Besonders groß ist der Bedarf demnach an Experten für komplexe Datenanalysen. Aber auch zehntausende nutzerorientierte Designer, Web-Entwickler und Experten für die Konzeption und Administration vernetzter IT-Systeme sowie Entwickler von smarter Hardware und Robotik müssten bis 2023 ausgebildet werden.

Um ihren Bedarf an geeigneten Mitarbeitern kurzfristig decken zu können, schauen Unternehmen immer öfter nicht nur auf Bachelor- oder Masterabschlüsse. Einige große Konzerne in den USA verzichten sogar bereits gänzlich auf einen Hochschulabschluss als Einstellungsvoraussetzung. Wichtiger sind für sie die relevanten Qualifikationen ihrer Bewerber, unabhängig davon, ob diese in zertifizierten Kursen oder im Selbststudium erlangt worden sind.

Allerdings ist es allein mit der Einstellung von qualifizierten Mitarbeitern nicht getan. Damit Deutschland auch in Zukunft ein innovativer Wirtschaftsstandort bleibt, müssen sich laut Stifterverband und McKinsey 2,4 Millionen Mitarbeiter über alle Branchen hinweg in den nächsten fünf Jahren digitale und nicht-digitale Future Skills aneignen. Der größte Weiterbildungsbedarf besteht der Studie zufolge beim digitalen Lernen. Mitarbeiter, die sich fit für künftige Anforderungen halten wollen, müssen sich kontinuierlich neues Wissen aneignen. Das geschieht immer stärker über die Nutzung digitaler Medien.

Hochschulen stellt das vor große Herausforderungen: Laut Stifterverband und McKinsey müssen sie neue Studiengänge rund um das Thema transformative Technologien entwickeln, zum Beispiel spezielle Masterprogramme in den Bereichen Big Data oder Robotik. Eine weitere wichtige Eigenschaft für das erfolgreiche Bestehen auf dem Arbeitsmarkt ist der Studie zufolge Data Literacy. Absolventen aller Fächer sollten künftig in der Lage sein, auch große Datensätze zu analysieren und einzusetzen. Immer relevanter werden zudem Fähigkeiten wie agiles Arbeiten, unternehmerisches Denken oder Kollaborationstechniken, die durch angepasste Lehrpläne fachbereichsübergreifend vermittelt werden sollten.

Auch weil sich unter anderem teamübergreifendes Arbeiten nur schwer inhaltlich vermitteln lässt, empfehlen Stifterverband und McKinsey die Schaffung von Innovationsräumen und neuen Lernumgebungen. „Universitäten und Fachhochschulen können Lehrinnovationen umsetzen, zum Beispiel den verstärkten Einsatz von projektbasiertem Lernen oder Online-Lernwerkzeuge”, sagt Meyer-Guckel.


Neben der Ausbildung liegt für die Hochschulen großes Potenzial im Weiterbildungsbereich, denn nur durch die permanente Fortbildung ihrer Mitarbeiter bleiben Unternehmen wettbewerbsfähig. McKinsey-Seniorpartner Jürgen Schröder rät den Hochschulen deshalb zu einer stärkeren Positionierung im Weiterbildungsmarkt, um so „neue Gruppen von Lernenden“ zu gewinnen. Damit einher geht auch die Notwendigkeit, neue Zertifizierungssysteme neben den bewährten Hochschulabschlüssen zu entwickeln.

Ohne Hilfe aus der Wirtschaft werden sich diese Empfehlungen allerdings kaum umsetzen lassen. Denn um Digitalexperten und Datenspezialisten ausbilden zu können, braucht es Digitalexperten und Datenspezialisten, die ausbilden. Die schlagen jedoch meist den finanziell lukrativeren Weg in die Wirtschaft ein und fehlen darum an Universitäten und FHs.


Schröder sieht hier für die Hochschulen Potenzial, sowohl in der Weiterqualifizierung des eigenen Personals als auch in der Zusammenarbeit mit Tech-Unternehmen bei der Entwicklung neuer Studiengänge und Weiterbildungsangebote. Schon heute arbeitet jedes vierte Unternehmen mit Hochschulen zusammen, um den Bedarf an kompetenten Mitarbeitern zu decken, heißt es bei Stifterverband und McKinsey – in fünf Jahren soll es mehr als jedes dritte sein.

„Der kompetente Umgang mit digitalen Technologien wird die zentrale Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, sagt Mayer-Guckel. Für die Hochschulen ist das Herausforderung und Chance zugleich.