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(Foto: Siemens)

Digitaler Leckerbissen Blockchain macht Kartoffelchips sicherer

In Deutschland werden jedes Jahr hunderte Lebensmittel zurückgerufen – nicht selten grundlos. Das kostet die Hersteller mitunter Millionen von Euro. Mit Hilfe der Blockchain soll sich das in Zukunft ändern – auch Endverbraucher profitieren.
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Salmonellen in der Salami, Kunststoffteile im geriebenen Käse – allein im Februar veröffentlichten Bund und Länder auf ihrem gemeinsamen Verbraucherportal „Lebensmittelwarnung.de“ 13 Produktrückrufe. Jährlich werden dort mehr als hundert Fälle gemeldet. Die tatsächliche Zahl an Rückrufen liegt jedoch deutlich höher, denn nur öffentliche Warnungen werden auf der Webseite publik gemacht.

Zum Schutz der Endverbraucher und um den finanziellen Schaden so gering wie möglich zu halten, rufen Hersteller ihre Produkte nämlich nicht selten schon vorsorglich und im großen Stil zurück, wenn sie feststellen, dass auf einer Produktionsstufe etwas falsch gelaufen sein könnte. Gemessen an allen in Deutschland im Umlauf befindlichen Nahrungsmitteln ist die Rückrufquote aber äußerst gering, heißt es beim Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde.

Vorsorgliche Rückrufe sind die Regel

„Die Lebensmittelunternehmen nehmen zu viele Produkte vom Markt“, sagt Michael Lendle, der mit seiner Managementberatung AFC Risk & Crisis Consult Unternehmen bei Rückrufen berät. Der Grund: Die Ware wird oft überhastet aus dem Regal aussortiert, noch bevor überhaupt klar sei, ob das wirklich notwendig ist, weil das Sammeln und Auswerten aller relevanten Daten bisher zu lange dauert.

Damit beim Thema Rückrufe in Zukunft gezielter und schneller gehandelt werden kann, arbeitet Siemens an einer Lösung für die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Basierend auf dem offenen, cloudbasierten IoT-System MindSphere sollen Zulieferer, Distributoren und Hersteller Daten in jedem Schritt in der Transport- und Produktionskette sammeln und diese in einer Blockchain speichern.

Diese Art der digitalen und fälschungssicheren Dokumentation ist besonders interessant für Hersteller, die ihre Lebensmittel weltweit vertreiben und deren Zutaten sie global beziehen. „Durch die Blockchain hätte man eine sehr starke Eingrenzung auf eine bestimmte Charge, einen bestimmten Produktionstag, den man zurückrufen lassen könnte“, sagt Matthias Povolny, der bei Siemens im Account Development Team für die Analyse neuer Marktoptionen verantwortlich ist. Das Risiko, dass verseuchte Lebensmittel in den Handel kommen, könne man ihm zufolge so deutlich minimieren. Das gilt auch für grundlose Rückrufe.

Von der Kartoffel bis zum fertigen Chip

Per Blockchain hätte etwa ein in Frankfurt ansässiger Kartoffelchips-Hersteller, der seine Kartoffeln aus Deutschland, das Salz aus Frankreich und das Sonnenblumenöl aus Italien bezieht, sofortigen Zugriff auf alle relevanten Informationen: Wo und wie wurden die Kartoffeln beim Bauern gelagert? Unter welchen Bedingungen verlief die Auslieferung? Wurde dabei auf alle Lebensmittelstandards geachtet? Sind die Kartoffeln korrekt geschält, gewaschen, geschnitten und getrocknet worden? Hatte das Öl die richtige Temperatur? Wurde die richtige Menge an Salz beigemischt? Verlief die Auslieferung in den Handel einwandfrei?

„Das Ende der Wertschöpfungskette endet für den Hersteller nicht, wenn seine Ware die Fabrik verlassen hat, sondern im Endeffekt erst dann, wenn der Konsument das Produkt gekauft und verbraucht hat“, sagt Povolny. Denn wenn die Ware schlecht oder verdorben ist, falle das zunächst immer negativ auf den Hersteller zurück. Mit Hilfe der Blockchain-Technologie soll in Zukunft rasch erkannt werden, ob ein Fehler in der Produktion passiert ist und wenn ja, wo und wann. Im besten Fall wird durch die digitale Dokumentation der Fehler bereits erkannt und behoben, bevor das Produkt beim Händler steht.

Intelligente Fabrik auf der Hannover Messe

„Herstellern als auch Endverbrauchern bieten wir mit der Blockchain die Möglichkeit, die Wertschöpfungskette abzubilden beziehungsweise zu untersuchen“, sagt Povolny. Kunden können per QR-Code auf der Verpackung unter anderem feststellen, ob das Produkt wirklich bio ist, woher die einzelnen Zutaten stammen oder ob wirklich das verarbeitet wurde, was auf der Verpackung steht. Aber auch Rohstoffzulieferer wie etwa der Kartoffelbauer können von der transparenten und lückenlosen Datendokumentation profitieren und Rückschlüsse auf ihre Produktionsbedingungen ziehen.

Bis es soweit ist, wird es noch etwas dauern. „Im Moment ist alles noch in der Testphase“, sagt Povolny. Doch das Thema gewinnt ihm zufolge weiter an Bedeutung, auch weil Verbraucher immer stärker auf Transparenz achten.

Erfahren Sie mehr dazu auf der SPS 2019.