ANZEIGE – Für den Inhalt auf dieser Seite ist die DAB Bank verantwortlich.

Die Anlagestrategie der Experten Rein oder raus aus Aktien?

Das Jahr 2016 hat sich für den deutschen Aktienmarkt – auch wenn sich die Kurse inzwischen wieder gefangen haben – als sehr turbulent erwiesen. Was bedeutet die Baissephase für Anleger? Angriff oder Rückzug? 
Aktien, Börse, Kursschwankungen, Geldanlage Quelle: dpa
Kursschwankungen

Gründe für Turbulenzen gibt es derzeit genug.

(Foto: dpa)

Hach, was war das doch für eine schöne Rally? Bei Erinnerungen an leichtere Zeiten verfängt sich allzu oft ein romantisierender Blick. Doch dass das Börsengeschehen zuletzt viel weniger sorgenfrei ablief als in den vergangenen Jahren ist unbestreitbar.

Börsianer blicken gerne zurück auf diesen stattlichen Bullen, der der Finanzkrise folgte. Seit 2009 kannten die Punktestände im Grunde genommen nur eine Richtung. Eine expansive Geldpolitik entwickelte sich zur treibenden Kraft auf den Finanzmärkten – Konjunktur und Strukturreformen konnten zwar nicht im selben Maße Schritt halten, aber das Parkett blieb bei Laune. Auch in diesem Frühjahr vermochte es EZB-Chef Mario Draghi – anfangs Feuerwehrmann, inzwischen Feuerwerksmeister – den Kursen einmal mehr gehörig Auftrieb zu verschaffen.

Doch die Zweifel werden immer größer, ob die weit aufgerissenen Geldschleusen allein ausreichen, um für nachhaltiges Wachstum zu sorgen. Es wird Zeit für eine Bestandsaufnahme. Im verflixten achten Jahr diese Rally stellen sich nun drei Experten der alles entscheidenden Frage: Angriff oder Rückzug?

„Keiner hat eine klare Meinung für steigende oder fallende Kurse.“ Quelle: PR
Karl-Heinz Geiger, Geschäftsführender Gesellschafter bei SVA Vermögensverwaltung Stuttgart

„Keiner hat eine klare Meinung für steigende oder fallende Kurse.“

(Foto: PR)

Die Stimmung an den Märkten könnte wahrhaft besser sein. „Zermürbend“, etwa nennt sie Burkhard Wagner. Der Experte bei Partners VermögensManagement sieht den Korb negativer Nachrichten aktuell förmlich überquellen, registriert durch den Performance-Druck, aber auch eine steigende Risikobereitschaft der Anleger: „Sie wissen, dass Sie heißer aufgestellt sind. Das erhöht die Angespanntheit.“ Die daraus resultierende Verunsicherung könne man nicht nur im Dax erkennen, der in den letzten Wochen orientierungslos um die Marke von 10.000 Punkten pendele, ergänzt Dr. Max Schott, Vermögensverwalter bei Sand und Schott. „Auch der in diesem Jahr bereits um über 13 Prozent gestiegene Goldpreis ist ein Zeichen dafür.“ Karl-Heinz Geiger von der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart pointiert: „Keiner hat eine klare Meinung für steigende oder fallende Kurse.“

Gründe für Turbulenzen gibt es derzeit genug. Neben der vor allem für Exportweltmeister Deutschland heiklen Lage der chinesischen Konjunktur sieht Burkhard Wagner weitere Unwägbarkeiten in der Öl-Baisse, den durch die Bank weg kriselnden Schwellenländern, aber auch in der zuletzt aus dem Blick geratenen Euro-Schuldenkrise, speziell in Griechenland. Zusätzlich belasten Brexit-Referendum und Flüchtlingskrise den Zusammenhalt Europas – eine in der Tat diffizile Gemengelage.

All dem gegenüber steht eine ungebremste Geldversorgung. „Ein Geld-Tsunami, der risikolos nur noch mit Negativzinsen angelegt wird“, so Partners-Vorstand Wagner. Ohnehin scheint die Politik der Notenbanken der entscheidende Faktor zu sein – da sind sich alle drei Experten einig. „Geld, Geld, Geld“ beschreibt etwa Karl-Heinz Geiger bildhaft die an der Börse herrschende Devise. Die neuerlichen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank verweisen anderen Faktoren zunehmend auf die hinteren Plätze. Doch dabei drängt sich die Frage auf, wie viel Wirkung der ultralockere Kurs der Währungshüter noch entfalten kann. „Ob die EZB ihr Pulver damit nicht endgültig verschossen hat?“, benennt Max Schott das große Fragezeichen auf dem Parkett. Auch die US-Notenbank Fed schaffe mit ihrem zögerlichen Vorgehen kein echtes Vertrauen.

„Wir gehen davon aus, dass die Stimmung wesentlich schlechter ist als die Realität in der Wirtschaft.“ Quelle: PR
Burkhard Wagner, Vorstand bei Partners VermögensManagement AG

„Wir gehen davon aus, dass die Stimmung wesentlich schlechter ist als die Realität in der Wirtschaft.“

(Foto: PR)

Und doch blasen alle drei erfahrenen Vermögensverwalter zum Angriff auf den Aktienmarkt. Warum? Zum einen lässt der Blick auf andere Anlageklassen den Anleger ernüchternd zurück. Aktien seien schlicht „alternativlos“, auch wenn Wagner schnell und augenzwinkernd salopp anfügt, dass es sich um ein „blöden Begriff“ handle. „Wenn man Erträge generieren will, sind klassische Investment Grade Anleihen mit Negativzins besetzt.“ Neben diesen Negativzinsen bei exemplarisch sicheren Staatsanleihen sieht Dr. Schott das Problem auch in anderen Bond-Segmenten: „Viele Anleihen weisen nur noch eine sehr geringe Rendite aus, die in keinem Verhältnis zum Risiko dieser Anlagen steht. “

Wer höhere Schwankungen aushalte, für den könnten langfristig Rohstoffe wieder interessant werden, so der Geschäftsführer von Sand und Schott. Weitere Alternativen wie zum Beispiel Hochzins-Anleihen oder riskantere Anlageklassen seien für Privatanleger vielfach zu komplex in ihren Zusammenhängen, schränkt Karl-Heinz Geiger die Möglichkeiten weiter ein. Der Bereich sei ausschließlich Profis vorbehalten, was eine Beratung sinnvoll macht. „Sonst könnten herbe Enttäuschungen hier vorprogrammiert sein“, weiß der geschäftsführende Gesellschafter der SVA nur zu gut.

Und das Niedrigzinsumfeld wird sich, da stimmen die Vermögensverwalter überein, mittelfristig nicht ändern. „Seit September 2008 haben Zentralbanken die Zinsen in Summe etwa 650 Mal gesenkt – und dieser Trend hält weiter an“, unterfüttert Max Schott eindrucksvoll die geldpolitische Umwelt. Geiger prognostiziert, dass die bisher präferierten konservativen Rentenpapiere weiter unter Druck geraten werden.

Die Alternativlosigkeit allein ist es aber nicht, die Anteilsscheine gegenüber anderen Anlageinstrumenten attraktiv macht. Denn auch ein Blick auf die Realwirtschaft verheißt positives. „Wir gehen davon aus, dass die Stimmung wesentlich schlechter ist als die Realität in der Wirtschaft“, sagt Wagner. Ein Ja zu Aktien spricht Geiger wegen der nach wie vor ordentlichen Gewinne der Unternehmen aus. Die Märkte seien, sowohl was Dax als auch andere wichtige Indizes betrifft, noch lange nicht gravierend überbewertet.

„Angriff ist die beste Verteidigung“ Quelle: PR
Dr. Max Schott, Geschäftsführer von Sand und Schott

„Angriff ist die beste Verteidigung“

(Foto: PR)

Wagner geht noch einen Schritt weiter und ist davon überzeugt, dass durch den Zinsdruck das Parkett früher oder später bereit sein werde, eine höhere Bewertung für ausgesuchte Standardaktien zu akzeptieren. Als Beispiel dafür führt er wenig zyklische Titel wie etwa Nestle an. „Warum soll also ein Aktienmarkt des Exportweltmeisters keine zwanzigfache Gewinnbewertung haben – gerade wenn Alternativanlagen Fehlanzeige sind?“ fragt der Partners-Vorstand rhetorisch. Zudem befeuern billiges Öl und der schwache Euro die Konjunktur.

Nach dem Abwägen von Für und Wider blasen die Profis also einstimmig zur Attacke. Aber welche Titel gehören ins Portfolio? Es sind qualitative deutsche und internationale Werte. „Warum nicht eine Siemens, Daimler oder andere gute deutsche oder internationale Aktie kaufen, die zudem im Verhältnis zu Staatsanleihen eine vielfach höhere Dividende ausschüttet?“, fragt sich etwa Karl-Heinz Geiger.

Gemäß dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ rät Dr. Max Schott zum Aktien-Engagement. Er setzt unter abgeklärter Berücksichtigung der zeitweiligen Nervosität auf eine „kontrollierte Offensive“. Schotts bevorzugtes Ziel: Titel aus der zweiten Reihe. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 sind die Papiere aus MDax und TecDax günstiger als die der Frankfurter Benchmark bewertet und weisen nach Einschätzung des Vermögensverwalters von Sand und Schott das größere Potenzial auf.

Von schwachen Börsentagen solle man sich nicht abschrecken lassen, findet Geiger. „Nutzen Sie diese besser dazu, ihre Positionen konsequent aufzubauen.“ Das Jahr 2016 solle man als Konsolidierungsjahr auslegen, beurteilt Burkhard Wagner. Der Partners-Vorstand hält Rückschläge bis unterhalb der 9000-Punkte-Marke zwar für möglich. „Dies wären jedoch absolute Kaufkurse.“ Spätestens 2017 seien 12.000 Zähler wieder erreichbar. Geiger pflichtet bei: Zwar sei der Markt mit seinen Tages- und Wochenschwankungen von hundert oder gar tausend Punkten nichts für allzu schwache Nerven. Doch mit Blick auf das Umfeld, die Zinsen und die Alternativen ist eine langfristige Grundlage vorhanden. Vielversprechende Zeichen für die Abteilung Attacke.