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JOBLINGE für Flüchtlinge So funktioniert Integration

Geflüchtete sollen nicht bei Hartz IV landen, sondern auf dem Arbeitsmarkt ankommen. Commerzbank-Mitarbeiter haben sich das zum Ziel gesetzt und helfen als Mentoren bei Sprachunterricht und Jobsuche.
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Sprache ist der Schlüssel zur Integration und Sprachunterricht ein wichtiger Bestandteil des Mentorenprogramms. Es geht um Grammatik, Vokalen, die
Deutschstunde mit Bühnenspektakel

Sprache ist der Schlüssel zur Integration und Sprachunterricht ein wichtiger Bestandteil des Mentorenprogramms. Es geht um Grammatik, Vokalen, die "komischen Vokale" Ä, Ö und Ü. oder die Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche.

(Foto: PR)

Ä, Ö und Ü - die Umlaute sind das Schwierigste“, sagt Stefan Werner. Und fügt hinzu: „Doch die veränderte Stellung von Lippen und Zunge beim Aussprechen dieser Buchstaben ist ein richtig gutes Training. Schon nach zwei, drei Wochen sind deutliche Fortschritte zu hören.“ Der Ehrgeiz, den seine Schüler dabei an den Tag legen, begeistert den 58-Jährigen. „Dabei wird der Unterricht immer anspruchsvoller“, erklärt Werner – auch für ihn als Sprachtrainer. „Seit meiner Schulzeit habe ich mich nicht mehr so intensiv mit den Grundlagen der deutschen Sprache beschäftigt. Das ist auch lehrreich für mich – denn auch in meinem eigentlichen Beruf sind Grammatik und Wortwahl wichtig.“

Dr. Stefan Werner (58) ist Syndikus in der Rechtsabteilung der Commerzbank in Frankfurt – und nebenher ehrenamtlicher Mentor und Sprachtrainer für Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Eritrea oder Afghanistan. „JOBLINGE Kompass“ heißt die Initiative, in der sich Werner freiwillig engagiert, eine seit Sommer 2016 bestehende Kooperation der Commerzbank mit der gemeinnützigen Organisation JOBLINGE. 2007 gegründet und mittlerweile an 26 Standorten in Deutschland vertreten, verfolgte JOBLINGE von Beginn das zentrale Ziel, „Jugendliche, die in einer schwierigen Situation sind, an die Hand zu nehmen und ihnen einen Weg zurück in die Arbeitswelt zu ebnen – nicht zuletzt durch die Hilfe von Mentoren. Und da die Commerzbank seit August 2016 auch Mitglied im Netzwerk von „Wir zusammen“, der Integrationsinitiative der deutschen Wirtschaft, ist, helfen die Mentoren nun auch jungen Geflüchteten.

„Die  Commerzbank-Mentoren  haben mit über 80 Prozent vermittelten Joblingen eine Super-Erfolgsquote. Und durch die Bank sind sie  der Meinung: Die Teilnahme hat meinen Horizont enorm erweitert – es war etwas, das mich auch persönlich weitergebracht hat.“ Quelle: Commerzbank
Rüdiger Senft, Leiter Corporate Responsibility bei der Commerzbank

„Die  Commerzbank-Mentoren  haben mit über 80 Prozent vermittelten Joblingen eine Super-Erfolgsquote. Und durch die Bank sind sie  der Meinung: Die Teilnahme hat meinen Horizont enorm erweitert – es war etwas, das mich auch persönlich weitergebracht hat.“

(Foto: Commerzbank)

Rüdiger Senft, Leiter Corporate Responsibility der Commerzbank, erklärt: „Wir sind schon seit 2012 Partner von JOBLINGE, mit dem Ziel, die Eingliederung von Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt zu unterstützen. Dabei haben wir JOBLINGE als eine Organisation kennengelernt, die ihr Handwerk versteht. Die Vertiefung unserer Kooperation durch die zusätzliche Förderung des neuen Kompass-Programms für Geflüchtete lag da auf der Hand.“

Alternativen zur Hartz-IV-Falle

Kadim Tas, Vorstand der JOBLINGE-Dachorganisation, ergänzt: „Die Jugendlichen, die wir jetzt bei Kompass betreuen, haben ganz unterschiedliche Backgrounds. Es sind keine minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingskinder, sondern Jugendliche oder junge Erwachsene, im Schnitt 20 Jahre alt. Mit dem Kompass-Programm möchten wir sie so qualifizieren, dass sie nicht in Hartz IV, sondern im Arbeitsmarkt ankommen. Das Ziel ist die möglichst schnelle Anstellung und Integration in Betrieb und Kollegenkreis, um die Teilnehmer dann arbeitsbegleitend auf eine Ausbildung und vor allem die Berufsschule vorzubereiten. Bei diesem Ziel helfen uns die Commerzbank-Mentoren enorm.“

„Die Jugendlichen, die wir jetzt bei Kompass betreuen, haben ganz unterschiedliche Backgrounds. Mit dem Kompass-Programm möchten wir sie alle so qualifizieren, dass sie nicht in Hartz IV, sondern im Arbeitsmarkt ankommen.“ Quelle: PR
Kadim Tas, Vorstand der JOBLINGE-Dachorganisation

„Die Jugendlichen, die wir jetzt bei Kompass betreuen, haben ganz unterschiedliche Backgrounds. Mit dem Kompass-Programm möchten wir sie alle so qualifizieren, dass sie nicht in Hartz IV, sondern im Arbeitsmarkt ankommen.“

(Foto: PR)

Senft ist zu Recht auf das Engagement der Commerzbank-Mitarbeiter stolz. Als im Frühjahr 2016 freiwillige Helfer für das Kompass-Programm gesucht wurden, meldeten spontanfast 60 Beschäftigte des Frankfurter Geldhauses ihre Bereitschaft an, die verantwortungsvolle Aufgabe eines Mentors übernehmen wollen. „Aktuell sind davon 20 Mitarbeiter als Mentoren aktiv, denn das Programm endet jeweils nach sechs Monaten. Für die Qualifizierung, die am Anfang eines jeden Mentoreneinsatzes steht, werden die Mitarbeiter von uns freigestellt. Wir engagieren uns also nicht nur finanziell, sondern auch personell.“

Doch wie sieht die Tätigkeit eines Kompass-Mentors eigentlich aus? „Diesen jungen Menschen“, sagt Senft, „fehlt vor allem ein normaler Ansprechpartner aus der Mitte der Gesellschaft. Jemand, der zuhört und praktische Tipps gibt.“ Die jungen Flüchtlinge hätten zwar amtliche Betreuer, aber niemanden sonst. Diese Leerstelle würden die Mentoren füllen. „Sie sind Vorbilder, indem sie ihre Erfahrungen weitergeben. In erster Linie geht es dabei übrigens gar nicht um die Vermittlung eines Jobs, sondern zunächst nur darum, einfach zu sagen: Ich interessiere mich für dich. Ich habe Zeit für dich, Ich bin für dich da. Das ist die Rolle des Mentors.“ Tas bestätigt: „Stimmt, die Vermittlung ist unser Job, und nicht Aufgabe der Bank. Aber dabei könnten wir niemals so erfolgreich sein, wenn es den Mentor nicht gäbe: 80 Prozent der von Commerzbank-Mentoren seit 2012 begleiteten Jugendlichen konnten wir vermitteln. Das sagt, glaube ich, alles.“

Der Gewinn übrigens, davon sind die Beteiligten überzeugt, liegt nicht allein auf Seiten der Geförderten, sondern auch bei den Förderern selbst. Denn die Vorbereitung auf seine Rolle, so Tas, mache den Mentor „zwar nicht gleich zum Orientexperten. Aber sie befähigt ihn, interkulturelle Konflikte zu erkennen und zu entschärfen. Deshalb muss er dazu bereit sein, dem Menschen, um den es geht, so unvorbelastet wir möglich zu begegnen. Und die meisten sagen am Ende, dass sie unheimlich viel gelernt und mitgenommen haben, auch für ihre Tätigkeit bei der Bank.“

„Wann wird gesiezt, wann geduzt?“

Stefan Werner, der sich sowohl als Sprachtrainer als auch als Mentor bei Kompass engagiert, ist dafür das beste Beispiel. „Ich finde es einfach wichtig, die Jugendlichen schnellstmöglich in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren“, sagt er. „Deshalb bin ich dabei und investiere viel von meiner Freizeit in die Vorbereitung auf den Sprachunterricht.“ Das Training durch JOBLINGE helfe ihm dabei sehr, mit einem sehr strukturierten Lehrplan, in dem es aber um mehr geht als nur um Grammatik und Vokabeln. „Grenzen überwinden, mit fremden Kulturen in Kontakt treten und lernen, welche Fähigkeiten im Beruf wichtig sind – das ist der Gewinn für mich. Und wenn ich den Flüchtlingen helfen kann bei Fragen wie: Wie verhalte ich mich im Bewerbungsgespräch? Was bedeutet Teamfähigkeit? Oder einfach nur: Wann wird gesiezt, wann geduzt?“

An drei Tagen in der Woche findet der Sprachunterricht mitten in Frankfurt statt. „Meinen Termin habe ich mir über die Mittagspause gelegt und einen Blocker im Kalender eingestellt“, erklärt Werner. „Andere Meetings werden, soweit möglich, um diesen Termin herum gelegt.“ Anstrengend, ja, könnten die Kurse durchaus sein. „Aber wir haben Spaß und lachen viel.“ Vor allem dann, wenn es um die drei schwer auszusprechenden Vokale geht – das Ä, das Ö und das Ü.