1985 stand Gols im Zentrum des Glykol-Skandals Die Kronprinzen kommen

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Doch so süßlich, wie er sich derzeit präsentiert, wollen die Burgenländer ihren Blaufränkisch nun auch nicht haben. Vielleicht sind die Jungweine jetzt noch vom überreichen (natürlichen) Glycerin überdeckt, so dass erst später die notwendige raue Gerbstoffnote hervortritt. "Abwarten", beschließt Beck. Woraus Winzer wie Zecher wieder einmal lernen sollten, dass der Wein nicht vor dem Jahr nach der Ernte zu loben oder zu verdammen ist.

Die Nummer drei unter Österreichs roten Reben, der Portugieser, hat dank Hitze und Trockenheit eindeutig gewonnen. Sonst bringt diese Rebe meist einen belanglosen Schoppen mit wenig Farbe. Doch diesmal gibt es vollmundige, dunkle Weine mit einer angenehm rauchigen Note.

Die besten 2003er Rotweine dürften allerdings diesmal von der Sorte St. Laurent kommen. Sie ist bei den Winzern, weil launisch und gegen Kälte wie Nässe überempfindlich, leider wenig beliebt. "Der Zweigelt ist unser Kaiser", lautet ein alter Spruch in Österreich, "Blaufränkisch und St. Laurent sind die Kronprinzen." Der Golser Matthias Beck hat eine Erklärung dafür, warum die eigentlich zweitklassige Sorte die beiden wesentlich gediegeneren Reben an Beliebtheit übertrifft. Die Österreicher seien "gelernte Weißweintrinker". Da komme ihnen der helle, fruchtige, vom Gerbstoff nicht so geprägte Zweigelt entgegen.

Diese Kreuzung hat jetzt wohl mit weit mehr als 4 000 Hektar ihre größte Verbreitung erreicht. Dies ist eine Karriere sondergleichen: Vor 30 Jahren waren es erst 770 Hektar.

Der Blaufränkisch holt mächtig auf, weniger in Niederösterreich, aber dafür im Burgenland und dort wiederum besonders in Mittelburgenland. In dieser hügeligen Region an der ungarischen Grenze bedeckt der Kronprinz zwei Drittel der Rebfläche. In den vergangenen Jahren war dort allerdings eine zweifelhafte Entwicklung zu beobachten. Die Winzer boten immer mehr Rotwein-Cuvées an, weil sie meinten, damit erfolgreicher zu sein.



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