Analysten halten Rücktrittsforderungen für übertrieben Schweigen ist Gold - oder der teuerste Spruch des Rolf-E. Breuer

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Unter seiner Ägide entwickelte sich das Frankfurter Traditionshaus zur einzigen heimischen Bank mit Weltanspruch. Doch auch Breuers Bilanz als Vorstandschef ist zwiespältig. Sein Versuch, aus der Deutschen und der Dresdner Bank einen Finanzriesen zu schmieden, scheiterte kläglich. Folge: Als erster Vorstandschef der Deutschen Bank musste Breuer hinnehmen, dass sein Nachfolger schon nach zwei Dritteln seiner Amtszeit bestimmt wurde. Doch Breuer hielt die Zügel in der Hand, auch wenn er und sein Nachfolger nicht immer einer Meinung waren. Wenn an der juristischen Front nicht bald Ruhe einkehrt, droht der Deutschen Bank ein Machtvakuum.

Zahlt die Versicherung? Ob sie oder die Deutsche Bank selbst für den Kirch-Schaden zahlen muss, hängt entscheidend von der Haftungsgrundlage ab. Die ist Voraussetzung für den Versicherungsschutz, etwa eine Vertragsverletzung. In Frage käme dann die Vermögenschaden-Haftpflichtversicherung oder die unter D&O bekannte Manager-Haftpflichtversicherung. Letztere könnte allenfalls im Innenverhältnis greifen, wenn die Bank bei Breuer Regress nehmen will. Für die direkte Inanspruchnahme durch Kirch und seinen Gläubigerpool käme hingegen die Vermögenschaden-Police in Frage, die außer bei Vorsatz und wissentlicher Pflichtverletzung zahlt. Beides trifft nach der bisher bekannten Urteilsbegründung nicht zu.

Die Aktie reagierte kurzfristig: Um 11.12 Uhr liefen die ersten Eilmeldungen: "Gericht: Deutsche Bank muss Kirch Schadensersatz zahlen." Die Aktie der Deutschen Bank reagierte, wenngleich nicht sehr stark und nicht sehr nachhaltig. Ein Frankfurter Händler kommentierte die relativ schwache Reaktion so: "Wegen der möglichen Schadensersatzforderungen ist noch niemand nervös. Bis sich da was tut, ist es noch lange hin."

Gesagt ist gesagt: Nicht nur Rolf-E. Breuer macht in diesen Tagen durch das gesprochene Wort von sich reden, auch Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp muss sich zurzeit mit einem Interview beschäftigen, dass er im Herbst 2000 gegeben hatte. Damals hatte er wörtlich gesagt: "Die Struktur, die wir jetzt haben, in der Chrysler eine Abteilung ist - wie Mercedes-Benz oder Mercedes Nutzfahrzeuge - , ist die Struktur, die ich immer haben wollte. Wir mussten einen Umweg gehen, aber das hat mit Verhandlungen zu tun und mit Psychologie und solchen Dingen." Darin sieht der Großaktionär Kirk Kerkorian den Beweis, dass Daimler eine Fusion unter Gleichen mit Chrysler nie angestrebt hätte. Der Prozess läuft zurzeit noch in Delaware.

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