Angela Merkel auf Nahost-Reise „Da kommt nüscht“

Dreimal hat der ägyptische Staatspräsident Hosni Mubarak Angela Merkel bereits besucht. Nun ist die Bundeskanzlerin in Kairo eingetroffen, um sich persönlich für die Beendigung des Nahostkonflikts einzusetzen. Doch Merkel ist nicht nur in Sachen Frieden unterwegs.
  • Roland Tichy

KAIRO. Die Lüster und das Gold funkeln, der Marmor glänzt, Bedienstete wuseln. Der Präsident spricht. Und plötzlich sagt eine hohe, klare Stimme: "Da kommt nüscht." Die Bediensteten erstarren, der Präsident setzt erneut an. "Aber da kommt immer noch nüscht", berlinert es wieder. Dreimal geht das so, bis die Übersetzung endlich klappt und Bundeskanzlerin Angela Merkel die Begrüßung durch Ägyptens Staatspräsidenten Hosni Mubarak im Ittihadiya-Palast perfekt im Ohr hat.

Der Präsident lacht. Man kennt sich schließlich. Schon dreimal hat er die Kanzlerin im nüchternen und technisch perfektionierten Kanzleramt besucht, jetzt ist sie im prächtigen Morgenland. Selbstbewusst und unverkrampft hat Merkel ihre Nahostreise begonnen. Vier Tagen lang tourt sie durch Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait und Dubai - und sie hat sich viel vorgenommen: Sie will sich persönlich einschalten in eine weltweite Pendeldiplomatie, die die Krise im Nahen Osten und um Palästina just zu dem Zeitpunkt beenden soll, in der die Lage hoffnungsloser denn je erscheint.

Der Zeitpunkt ist günstig: Merkels Airbus steht in Berlin abflugbereit, da landet der graue, sonst auch für Soldatentransporte eingesetzte Airbus mit Außenminister Frank Steinmeier. -Walter Er kehrt gerade vom Nahost-Quartett zurück, einer wiederbelebten Gesprächsrunde, bestehend aus USA, Russland, EU und der Uno zur Nahostpolitik. Die Kanzlerin und ihr Minister telefonieren, bis der zu Hause den Schlüssel in die Wohnungstür steckt.

Nun also bringt Merkel persönlich die Ansichten des Quartetts nach Arabien. Mubarak bedankt sich für die Hilfe der EU, betont, dass der Nahostkonflikt nur durch eine Bündelung der Kräfte Europas, der USA und Afrikas gelöst werden könnte. Als "gemeinsamer Aufruf der deutschen Kanzlerin und des ägyptischen Präsidenten zur Beendigung des Nahostkonflikts" gehen solche Sätze dann über die Agenturen, gefolgt vom Aufruf, man habe sich auf ein Ziel verständigt, nämlich den vertrauensbildenden Prozess zu beschleunigen.

Mubarak spricht von seinen Bemühungen, den entführten israelischen Soldaten freizubekommen und einen Gefangenenaustausch zu etablieren; Merkel bestätigt, dass Mubarak der wichtigste Gesprächskanal nach Gaza und in den Libanon ist. Beide fordern eine palästinensische Regierung der nationalen Einheit als Voraussetzung für echte politische Verhandlungsfortschritte und als Adresse für weitere europäische Wirtschaftshilfe. Dabei ist Kairo nur die erste Station der Kanzlerinnen-Reise ins Morgenland. Auch die Regierung von Saudi-Arabien hat sich vermittelnd in den Konflikt eingeschaltet und die verfeindeten Palästinensergruppierungen Fatah und Hamas zum Gespräch nach Mekka eingeladen; viel mehr friedensstiftende Symbolik ist kaum vorstellbar.

Die Furcht vor Irans Atomprogramm und seinen israelfeindlichen Machthabern verschafft plötzlich den Freiraum, durch den die Road-Map, jener Fahrplan zur Bildung eines palästinensischen Staates bei Anerkennung des Existenzrechts Israels, zum Frieden führen könnte. Die Furcht vor der islamischen Bombe lässt alte Gegner zusammenrücken und überbrückt die Konkurrenz um die regionale Vormachtstellung, die Ägypten derzeit an Saudi-Arabien abzugeben scheint.

Die Kanzlerin denkt welt- und friedenspolitisch, und da ist irgendwie die Erinnerung kurz abhanden gekommen, dass Amtsvorgänger Schröder besonders häufig am Golf eingeflogen ist - immer mit einer Maschine voller Wirtschaftsvertreter auf Verkaufstour mit dem Kanzler als Türöffner in den Milliardenmarkt. Deshalb trifft sich die Kanzlerin auch mit Wirtschaftsminister Michael Glos, Wirtschaftsvertretern und Industriellen aus der Region im traditionellen Manor-House im Schatten der Pyramiden. Lässig lässt sie ihre Gespräche mit globalen Big-Business-Vertretern in Davos einfließen, hat die chinesischen Devisenreserven parat und wirbt für ihre transatlantische Wirtschaftsinitiative als Disziplinierungsinstrument für allzu aggressive chinesische Akteure.

Weil sie derzeit auch EU-Ratspräsidentin ist, hat sie auch noch eine weitere Botschaft dabei: Europa werde sich nicht nur um die neuen Beitrittsländer im Osten Europas und deren wirtschaftlichen Nachholbedarf kümmern, sondern auch weiter um die Anrainerstaaten des Mittelmeers. In der aktuellen Lage ist die Bedeutung der Reise zu drei Vierteln politisch, sagt die Kanzlerin. Aber sie wolle sich darauf nicht beschränken - schließlich ist Frieden das beste Investitionsprogramm.

Startseite
Serviceangebote