Baustellen ohne Ende Verkehrsadern mit Schwächen

Experten sind sich einig: Funktionierende Verkahrsanbindungen entscheiden maßgeblich über Erfolg und Misserfolg der EU-Erweiterung. Gerade in diesem Bereich liegt jedoch noch vieles im Argen.
Permanente Staus auf den Straßen können einem Erfolg der EU-Erweiterung abträglich sein. Foto: dpa

Permanente Staus auf den Straßen können einem Erfolg der EU-Erweiterung abträglich sein. Foto: dpa

HB ZITTAU/DRESDEN. Pünktlich am 1. Mai, wenn Polen und Tschechien der Europäischen Union beitreten, steht im Dreiländereck mit Sachsen der erste Spatenstich für ein symbolträchtiges Verkehrsprojekt an. Geplant ist eine Straße, die von Zittau über polnischen Boden nach Tschechien führt und den Schwerverkehr zwischen den Ländern erleichtern soll. Rund ein Jahrzehnt zogen sich die Verhandlungen und Planungen für die Strecke hin und auch der Termin für den Spatenstich wackelt auf Grund von Verzögerungen bereits wieder.

Die mühsame Umsetzung ist kein Einzelfall. Dabei sind sich Experten einig, dass funktionierende Verkehrsverbindungen einer der Schlüssel zu einer erfolgreichen EU-Erweiterung sind. Die sächsische Landesregierung rechnet damit, dass sich der Güterverkehr mit Polen auf der Straße und der Schiene bis 2015 verdoppeln wird. Auch der Personenverkehr könnte sich der Prognose zufolge um 90 % erhöhen. Die Verkehrsinfrastruktur müsse deshalb ausgebaut werden, fordert die Staatsregierung in Dresden.

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) sieht beim Güterverkehr bis 2015 einen Anstieg um zwei Drittel auf Deutschland zukommen. Er rechnet aber nicht mit einem schlagartigen Anstieg des Verkehrs nach dem 1. Mai: Der werde erst in einigen Jahren kommen, sagte Stolpe vor kurzem bei einem Verkehrsforum. Und außerdem: "Vieles rollt jetzt schon."

Der ADAC sieht für Sachsen die Fertigstellung der Autobahn Dresden-Prag (A 17) als wichtiges Verkehrsprojekt, hält aber genauso mittelgroße und kleinere funktionierende Verkehrsverbindungen im Grenzgebiet für unverzichtbar. "Gerade die Unternehmen sind darauf angewiesen", sagt der ADAC-Verkehrsingenieur Markus Löffler. Hier gebe es noch Nachholbedarf - auf allen Seiten der Grenzen.

Polen will in diesem Jahr 1,4 Mrd. ? in den Straßenbau investieren. Bis 2005 sollen 550 Kilometer Autobahn neu gebaut oder generalüberholt werden - auch um den erwarteten Verkehrsanstieg durch den EU-Beitritt zu bewältigen. Verkehrsminister Marek Pol musste allerdings kürzlich einräumen, dass bisher erst 140 Kilometer geschafft sind.

Bei den polnischen Fernstraßen gibt es Handlungsbedarf, sollen sie EU-Standards genügen. Bisher mussten viele von ihnen an heißen Sommertagen für Lastwagen gesperrt werden, weil der Asphalt weich wurde. Im Südwesten Polens ist das Autobahnnetz zwar vergleichsweise dicht, aber in keinem allzu guten Zustand mehr - es handelt sich meist noch um die ehemaligen Reichsautobahnen.

Auch im Bereich der Schifffahrt sind noch Fragen offen. In Tschechien wird noch immer der Ausbau der Elbe diskutiert, der den Fluss auch bei Niedrigwasser befahrbar machen soll. Ob es dazu kommt, ist derzeit völlig offen.

Probleme gibt es auch noch im grenzüberschreitenden Schienenverkehr. Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG für Sachsen, Hans-Jürgen Lücking, sieht noch "viele Hemmnisse", die es zu überwinden gilt - etwa unterschiedliche Strom- oder Leitsysteme. Wichtigste Verbindung Sachsens nach Tschechien ist die Strecke Dresden-Prag, die durch das Elbtal führt. 100 Güterzüge sind hier jeden Tag unterwegs, auch für den Personenverkehr ist die Verbindung von zentraler Bedeutung. Auch sie ist allerdings eine Baustelle: Die Strecke muss in den kommenden Jahren saniert werden. Das verheerende Elbhochwasser 2002 hat deutliche Spuren hinterlassen. Für einige Monate droht sogar eine Vollsperrung.

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