Businessplan-Wettbewerb Die Unternehmer von morgen

"Der junge Gründer hat ein System entwickelt, von dem wir Anwesenden hoffen, dass wir es nie in unserem Leben brauchen." In seiner Laudatio wählte Dietmar Peter Binkowska, stellvertretender Vorstand der Sparkasse Köln-Bonn diese erstaunlichen Worte für die ausgezeichnete Geschäftsidee des Doktoranden Ulrich Canzler, Gründer des Aachener Unternehmens CanControls: Canzlers Geschäftsidee hat beim NUK-Businessplan-Wettbewerb 2005 des Neuen Unternehmertums Rheinland den ersten Preis gewonnen.
  • Siegfried Grass (Handelsblatt)

HB DÜSSELDORF. Eine Geschäftsidee ohne Markt wird als vorbildlich ausgezeichnet? Natürlich wird es einen Markt für "die auf Video-Mimikanalyse basierende Steuerungssoftware für Schwerstbehinderte" geben. Sie wird das Leben dieser Menschen erleichtern - und womöglich so manchem Autofahrer das Leben retten. Denn es ist denkbar, das System so weiterzuentwickeln, dass es den Autofahrer bei seiner Fahrt beobachtet und feststellt, ob er - zum Beispiel wegen Übermüdung - noch in der Lage ist, sein Gefährt sicher zu steuern. Es klingt schon ein wenig nach Sciencefiction: Mithilfe einer ausgefeilten videobasierten Mimikanalyse des menschlichen Gesichts gelingt es, Steuerimpulse zu genieren, mit denen Schwerbehinderte ihren Rollstuhl steuern oder im Internet surfen können.

Auffallend ist, dass immer mehr Ideen, die bei den bundesweit etwa zehn Businessplan-Wettbewerben eingereicht und prämiert werden, aus dem großen Feld Gesundheit und Wellness kommen. So erhielt das Siegener Unternehmen modiCAS im Rahmen der NUK-Konkurrenz für seine Innovation auf dem Feld der computer- und robotergestützten Chirurgie den zweiten Platz. Viel wichtiger als das Preisgeld, bei NUK gibt es 7 500 Euro für Platz eins, ist für den Gewinner die Reputation und das Wissen, dass Fachleute von der betriebswirtschaftlichen Tragfähigkeit des Konzeptes überzeugt sind. Damit ist der Grundstein für ein neues Unternehmen gelegt: es wird von Experten betreut, Kontakte zu Eigen- und Fremdkapitalgebern werden vermittelt. Viele werden auf Produkt und Firma aufmerksam.

Nennenswerte Businessplan-Wettbewerbe (siehe Auflistung am Ende des Artikels) helfen nicht nur den Gründern, sondern haben auch einen beachtlichen Teil zur Entwicklung der Wirtschaft in der jeweiligen Region beigetragen. Die Gründer von heute sind die Unternehmer von morgen.

Wie wichtig solche Konkurrenzen sind, machte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns anlässlich der Siegerehrung des "Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg 2005" deutlich: "Dies ist ein geeignetes Instrument, um Menschen mit Ideen zum Schritt in die Selbstständigkeit zu bewegen und sie durch Beratung und Schulung für den Geschäftsalltag zu qualifizieren." In Berlin-Brandenburg wurde die Geschäftsidee einer innovativen Gasheizung aus Keramik für die Kunststoffindustrie mit dem ersten Preis ausgezeichnet, verbunden mit 15 000 Euro für die Firmenkasse der "mbm Mikrobrennermodule". Die Plätze 2 und 3 belegen erneut, dass es besonders im medizinischen Bereich noch viel zu erforschen gibt.

Wie groß das Interesse an den Ausschreibungen ist, zeigen die stetig steigenden Teilnehmerzahlen. Allein 1 190 Teams haben an der Spielrunde 2004 des bundesweiten "Deutschen Gründerpreises" namhafter Unternehmen und Banken teilgenommen. Das rheinische NUK-Team und seine Fachberater haben acht Monate gebraucht, um 228 Konzepte von 379 Teilnehmern auf Herz und Nieren zu prüfen.

Klaus-Dieter Licht, Vorsitzender des Vorstandes der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), erklärte zum Berlin-Brandenburger Wettbewerb: "In den vergangenen zehn Jahren nahmen 2 679 Teams an unserem länderübergreifenden Businessplan-Wettbewerb teil, aus denen über 600 Unternehmensgründungen mit mehr als 2 500 Arbeitsplätzen hervorgegangen sind." Die Berlin-Brandenburger verstehen sich daher - im zehnten Jahr ihres Bestehens - selbst als "die erfolgreichste regionale Gründungsinitiative in Deutschland".

Seit 1998 wurden über das "netzwerk|nordbayern" (Businessplan-Wettbewerb-Nordbayern - BPWN) 300 Unternehmen bei ihrem Gründungs- und Wachstumsprozess begleitet. Diese Unternehmen erzielten 2003 insgesamt 90 Mill. Euro Umsatz und beschäftigten 1 900 Mitarbeiter. Laut BPWN wurden durch die Vermittlung des Netzwerks 75 Unternehmensfinanzierungen mit einem Gesamtvolumen von rund 87 Mill. Euro Eigenkapital von Business Angels, Venture Capital Gesellschaften und anderen Investoren realisiert.

Tragfähige Geschäftsideen

Damit aus Ideen tragende Geschäftsmodelle werden: Businessplan-Wettbewerbe erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Und zwar nicht nur bei den Teilnehmern und natürlich bei den Gewinnern. Nutznießer sind vielmehr auch die Regionen, in denen durch die Gründungen zahlreiche Unternehmen und damit Arbeitsplätze entstehen.

Einen allgemeinen Überblick verschafft die Seite:

Kleinere Wettbewerbe mit Bedeutung:

Bundesweit gibt es etwa zehn größere und wichtigere Wettbewerbe:

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