Das Revival der Classic Cocktails ist nicht mehr aufzuhalten Gurkenmaske im Glas

Zwei Moden schwappen in die Cocktailgläser: Leichtere, gar alkoholfreie Drinks und Klassiker werden gerührt und geschüttelt.
  • Angelia Areians-Derix (Handelsblatt)

Er ist einer dieser Barkeeper aus Leidenschaft. Einer, der es wissen will. Der in einer Londoner Bar schon Robert de Niro und Whitney Houston Cocktails servierte. Vier Jahre lang hat er geschüttelt und gerührt, hat nach neuen Produkten und ausgefallenen Zutaten gesucht, Cocktails kreiert. Nun hat er es geschafft: Mirko Gardelliano ist der Deutsche Cocktailmeister 2003. Mit "Miss Penelope" hat der gebürtige Venezianer die Jury beim Wettbewerb im September in Mainz überzeugt.

Mit "Miss Penelope" fliegt er im nächsten Jahr zur Weltmeisterschaft nach Las Vegas, zu der jedes Land seinen besten Bartender schickt. Miss Penelope? "Ein After Dinner Cocktail aus Bacardi Limon, Mandarine Sirup, Sahne, Maracujalikör und-saft, den ich speziell für die Deutsche Meisterschaft kreiert habe", erklärt Gardelliano. Das Besondere an diesem Drink seien die tropischen Elemente Mandarine und Maracuja.

Nicht nur die Jurys bei Wettbewerben wissen die Kreationen des Deutschen Barmeisters zu schätzen, auch seine Gäste in der "Elephant Bar" im Aachener Dorint Hotel Quellenhof. Rund die Hälfte seiner Kundschaft entscheidet sich für die Eigenkreationen des 34-jährigen Barchefs, die anderen ordern eher klassisch. Und damit liegt die gediegene, laut Gardelliano "an Trendcocktails eher nicht interessierte" Klientel der Elephant Bar paradoxerweise genau im Trend. Denn in den angesagten Bars der Nation trinkt die Szene sich back to the roots.

"Das Revival der Classic Cocktails ist nicht mehr aufzuhalten", berichtet Kent Steinbach, Betreiber der "Bar Mojito?s" im Düsseldorfer Hafen und Vorsitzender der Sektion NRW der Deutschen Barkeeper Union (DBU). Insbesondere Martinis seien schwer im Kommen: "In den Staaten und London gibt es schon Bars, die ausschließlich Martinis anbieten." Nicht nur auf die klassische Tour, sondern in bis zu 200 Variationen, mit Sirups und Früchten. "Es ist nur eine Frage der Zeit, dann gibt?s solche Bars auch bei uns."

Der Star unter den Classic Cocktails ist allerdings längst ausgeguckt: Der "Cosmopolitan", mit dem sich die Protagonisten der kultigen TV-Serie "Sex and the City" in jeder Folge in Stimmung bringen, löst nun auch die Zungen der hiesigen Szene. "Die Serie hat einen wahren Hype ausgelöst. Cosmopolitan läuft irre gut", beschreibt Steinbach. "Seit die Serie im Kino gezeigt wird, komme ich mit dem Mixen von Cosmopolitan kaum noch nach."

Der In-Drink enthält Wodka, Orangenlikör, Lemonjuice und Cranberry-Juice - Preiselbeersaft, eine Modezutat, die in Deutschland Hercules Tsibis, der Barchef der Bar "Duck Tails" im Arabella Sheraton Grand Hotel München, mit Vorliebe anrührt. Beim World Bartender Challenge in New York siegte Tsibis mit seiner fruchtigen Cranberry- Kreation "Sugar Plum".

Geschüttelt und gerührt wird Cranberry-Juice seitdem auch von anderen führenden deutschen Bartendern wie Marc Cius aus dem Hamburger Szenetreff "Ciu?s Bar" und Andreas Lanninger, der illustre Barchef der Berliner Harry?s New York Bar.Sascha Tussant, Barchef der "Vox Bar" des Berliner Grand Hotel Hyatt zum Szene-Früchtchen: "Der erfrischende Saft ist mit seinem fein-herben, säuerlichen Geschmack ideal zum Mixen." Die Renner aus dem Cranberry-Repertoire sind bei ihm "Cosmopolitan" und "Sex on the Beach".

Der Stoff, aus dem die Bartender-Träume des Sascha Tussant gemacht sind, heißt allerdings Sake. In New York, London und Paris längst von der Lust auf asiatisches Food angeschoben, ist der Sake-Cocktail hier noch ein zartes Pflänzchen, gepflegt in der Berliner Cocktailbar "Notix", der Bar "Indochine" im Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg und eben in der Vox Bar.

Etwa einen Japanese Colada, der nicht mit Rum, sondern mit Sake gemixt wird. Tussant: "Sake-Cocktails bieten ein völlig anderes Geschmackserlebnis und sind sehr leicht. Vor allem junge Business- People sehen darin eine willkommene Alternative zu den alkoholreichen Cocktails mit Gin oder Wodka."

Überhaupt sind Cocktails mit wenig oder ohne Alkohol gefragt. Neu im Reigen der Leichtgewichte sind Beauty Booster, alkoholfreie Wellness-Cocktails: die Gurkenmaske im Glas. Zutaten wie Aloe Vera, Spirulia-Algen, Ginseng, Tasmpa (tibetanisches Gerstenmehl) und asiatisches Weizengras sollen die Gesundheit fördern. Pioniere sind Südafrika und Frankreich, in Deutschland hat der Freiburger "Oskar?s Club" die Wellness-Nase vorn. Chef Patrick V. Oehlandt: "Wir dachten zuerst, dass nur Frauen darauf stehen. Doch auch Banker und Anwälte fahren voll darauf ab. Autofahrer eben.

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