Datenwolke Aufbruch in ein neues IT-Zeitalter

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Mittlerweile beschäftigt die Forschung an der Cloud eine ganze Reihe deutscher Hochschulen. Die Technische Universität Dortmund arbeitet an Compliance- und Sicherheitsanalysen für Anwendungen. Dabei entwickeln die Wissenschaftler beispielsweise automatisierte Prozesse, die die Einhaltung von Datenschutzgesetzen überprüfen.

Die Technische Universität München analysiert die Wertschöpfungskette des Cloud Computings, die TU Berlin wiederum will eine Infrastruktur für Start-up-Unternehmen entwickeln und diese Berliner Technologie- und Gründungszentren zur Verfügung stellen. "Besonders für junge Firmen ist Cloud Computing interessant: Den meisten Gründern fehlt das Kapital, um eigene Server zu kaufen", sagt Odej Kao, Professor für verteilte IT-Systeme in Berlin. "Wir wollen diesen Unternehmen eine komplette Arbeitsumgebung zuverlässig und günstig anbieten."

Die Entwicklung von passgenauen Anwendungen für einzelne Branchen sieht Holger Macho, der bei IBM das Thema Cloud Development weltweit verantwortet, als einen der wichtigsten Forschungsbereiche, um dem Cloud Computing zum Durchbruch zu verhelfen. Der US-Konzern arbeitet dazu unter anderem mit Partnern aus der Finanzindustrie und der Pharmabranche zusammen.

Cloud Computing erlaube es den Unternehmen, die im Hintergrund werkelnde IT zu vergessen und sich auf die Kernaufgaben zu konzentrieren, sagt Macho. "Wir werden in Zukunft viele kreative Anwendungen erleben. Ob bei Crash-Test-Simulationen in der Automobilindustrie oder Genomanalysen in der Pharmazie: Die Cloud wird den Entwicklungsabteilungen völlig neue Wege eröffnen."

Diese Meinung teilt auch IT-Vordenker Nicholas Carr. Um die Welt von morgen zu zeigen, bemüht er abermals die Vergangenheit: "Jede große Veränderung der IT hat bisher dem einzelnen Nutzer mehr Leistung und damit auch mehr Macht gegeben", sagt Carr. Die Erfindung des PCs habe Individuen den Zugang zu Computern gebracht, Cloud Computing bringe ihnen gleich ein ganzes Rechenzentrum. "Wenn jeder zu immer geringeren Kosten auf quasi unendliche Computerkapazitäten zugreifen kann, sind der Kreativität von Programmierern, Designern und Wissenschaftlern keine Grenzen mehr gesetzt."

Als "Demokratisierung von IT-Systemen" bezeichnet Carr diesen Gedanken kühl auf seiner Powerpoint-Folie. Was das bedeutet, spricht er gelassen aus - auch wenn es eine Revolution verspricht: "Mit Sicherheit werden wir eine wahre Explosion an innovativen Ideen auf Basis dieser Technologie sehen."

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