Der Sauvignon blanc aus der Steiermark macht Karriere: als Weißer mit und ohne Holznote. Technik im Tank

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Nicht nur bei Manfred Tement, dem international bekanntesten Weinbotschafter der Region, hat der Fortschritt Spuren fürs Auge und für die Zunge hinterlassen. Sein Weingut hoch oben auf der Spitzenlage Zieregg mit Blick auf Slowenien gehört architektonisch und technisch zu den spektakulärsten Neubauten der Gegend. Die Tanks werden da über einen Touchscreen gesteuert. Gibt?s irgendwo Probleme mit der Temperatur, leuchten Warnlampen - und es klingelt Tements Handy, selbst dann, wenn er gerade über die Weinmesse in London flaniert.

Nur bei den Barriques waltet die Natur noch ganz ohne Telefonanschluss. Die Fässer geben Tements Sauvignon vom Zieregg markante und vielschichtige Attribute mit. Das sind Weine, die auf den internationalen Märkten ihre Muskeln spielen lassen und sich mit der Konkurrenz aus Übersee, zum Beispiel Neuseeland, anlegen können, ohne ihre Herkunft völlig zu verleugnen. Vor allem die junge Generation der Steirer Winzer hat sich Tement zum Vorbild genommen und experimentiert gern mit Eiche: Erwin Sabathi oder Eduard und Stefan Tscheppe zum Beispiel.

Ein geradezu filigranes Kontrastprogramm bieten Alois Gross und Fritz Tinnacher vom Weingut Lackner-Tinnacher, ein konsequenter Verfechter der steirischen Authentizität. Er lässt kein neues Eichenholz an seinen Sauvignon blanc, allenfalls große alte Holzfässer. In der Steiermark sind das meist ovale mit einem leichten Toasting, die 1 500 Liter fassen. Sie führen Alkohol und Aromen zusammen, ohne dass sie kräftig durchschmecken, wie man es von fetten Kaliforniern kennt.

In Tinnachers Sauvignon blanc vom Ried Welles zeigt sich die Sorte so von einer ganz schlanken Figur: mit unaufdringlicher Frucht und so mineralisch, dass ein leichter Salzgeschmack am Gaumen zurückbleibt. Auch bei der sehenswerten Weingutsarchitektur, die bei Tement wie auch auch bei Polz und Neumeister avantgardistisch anmutet, zählt Tinnacher zu den Traditionalisten: Als Verkaufsraum hat er ein jahrhundertealtes Kellergewölbe saniert.

Willi Sattler demonstriert ganz eindruckvoll mit seinem 97er Kranachberg, dass es kein Holz braucht, um auch einen kraftvollen, voluminösen Sauvignon hervorzubringen. "Den haben die Kritiker am Anfang verrissen", sagt Sattler. Erst jetzt, nach Jahren der Reife, zeigt er sich von seiner starken Seite - und Sattler versucht, ihn von seiner Kundschaft zurückzukaufen: Er bietet 22 Euro, 15 hat er damals gekostet. Ein Verlustgeschäft, das sich lohnt.

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