Diskriminierung von Behinderten Allein auf weiter Flur

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Und für die entsprechenden Hilfsmittel musste er in Brüssel jahrelang streiten. Kein Problem war es, einen Computer mit Sprachausgabe und einen Blindenschrift-Drucker zu bekommen. Die Leitstreifen in der Eingangshalle wurden aber erst zwei Jahre nach seinem Einzug ins Breydel-Gebäude der EU-Kommission eingebaut: "Die Verwaltung findet das zu teuer, nicht schön oder einfach überflüssig. Für mich sind solche Hilfsmittel notwendig."

Aus Berlin hat ihn seine Assistentin begleitet. Sie bringt den Blinden zum Beispiel zu seinen Sitzungen. Denn außer in der Eingangshalle und auf seinem Flur in der zwölften Etage gibt es keinerlei Orientierungshilfen für ihn. Dabei streitet die EU-Kommission auf Konferenzen und Plakaten für eine bessere Integration behinderter Menschen auch in der Arbeitswelt. Auf einer extra zum Jahr der Chancengleichheit eingerichteten Internetseite heißt es: "Die europäischen Direktiven verbieten Diskriminierung von Personen am Arbeitsplatz auf Grund von Religion, Geschlecht und Behinderungen oder sexueller Neigungen."

Schöne Worte, aber im eigenen Haus gibt es keine Mindestquoten für behinderte Mitarbeiter. Und die Standards für behindertengerechte Gebäude werden nur äußerst selten eingehalten. Rüdiger Leidner steht deshalb nun vor einem neuen Problem: Seine Abteilung soll in ein anderes Gebäude umziehen. Er forderte einige Mindesthilfen, zum Beispiel Leitstreifen in der Eingangshalle. Die Verwaltung der Kommission stimmte zu. "Aber mein Generaldirektor hält das für zu aufwendig", sagt Leidner. Nun soll der Deutsche als Einziger im alten Gebäude bleiben - getrennt von seinen Kollegen. "Das ist eindeutig Diskriminierung", findet der Beamte - und all das ausgerechnet im Europäischen Jahr der Chancengleichheit.

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